Bundestagswahl 2021 Vorläufiges Ergebnis: SPD vor Union – Linke über Direktmandate drin

Die Bundestagswahl war so spannend wie lange nicht: Die Prognose sah SPD und Union noch gleichauf. Am Ende setzte sich die SPD aber durch. Drittstärkste Kraft sind die Grünen. Die Linke kann über ihre Direktmandate wieder in den Bundestag einziehen. Die Auswertung der Stimmen in Ostdeutschland zeigt: Hier wurde ganz anders gewählt.

Laut dem Bundeswahlleiter hat die SPD die Bundestagswahl vor CDU/CSU gewonnen: Die Sozialdemokraten liegen laut vorläufigem Ergebnis mit 25,7 Prozent vor der Union mit 24,1 Prozent. Es ist das historisch schlechteste Wahlergebnis der Union bei einer Bundestagswahl. Die Sozialdemokraten haben dagegen nach dem Einbruch von 2017 (20,5 Prozent) wieder um mehr als fünf Prozentpunkte zugelegt.

Die Grünen vor FDP und AfD

Die Grünen sind mit 14,8 Prozent drittstärkste Kraft geworden. Es ist das historisch beste Ergebnis der Partei bei einer Bundestagswahl. Allerdings hatten die Grünen im ARD-Deutschlandtrend noch im Mai bei 26 Prozent gelegen.

Die FDP landet 11,5 Prozent auf dem vierten Platz vor der AfD mit 10,3 Prozent.

Linkspartei kann auf drei Direktmandate hoffen

Die Linke konnte ihren Wiedereinzug in den Bundestag über ihre drei Direktmandate schaffen, in zwei Berliner Wahlkreisen und einem Leipziger. Laut Grundmandatsklausel kann die Partei mit drei Direktmandaten in den Bundestag einziehen, obwohl sie mit 4,9 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert ist.

Die Wahlbeteiligung lag bei 76,6 Prozent und damit geringfügig über dem Wert von vor vier Jahren.

Ost-Prognose: SPD vor AfD

Die Wahlergebnisse in Ostdeutschland unterscheiden sich stark von den Bundesergebnissen. Einer Hochrechnung von Infratest dimap vom Abend zufolge lag die SPD im Osten mit 24,2 Prozent deutlich vorn. Zweitstärkste Kraft war hier die AfD mit 19,1 Prozent, die Union kam in der Ost-Hochrechnung lediglich auf 16,9 Prozent und wurde drittstärkste Kraft. Die Grünen lagen mit 10,9 Prozent auf Platz vier vor der Linken mit 10 Prozent und der FDP mit 9,7 Prozent. Neuere Zahlen gab es dazu bislang nicht.

Grafik zu Hochrechnung in Ostdeutschland
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Union und SPD wollen ins Kanzleramt

Union und SPD sehen den Regierungsauftrag jeweils bei sich. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz beanspruchte den Wahlsieg für sich. Die Wähler hätten für die Sozialdemokraten gestimmt, weil sie einen Regierungswechsel wollten und ihn als "nächsten Kanzler dieser Republik".

Auch CDU/CSU-Kanzlerkandidat Armin Laschet sieht sich als Wahlsieger. Laschet sagte, er werde eine Regierung "unter Führung der Union" bilden. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak erklärte, es gebe nach den ersten Zahlen die Möglichkeit für eine Koalition aus Union, Grünen und FDP.

Baerbock räumt Fehler ein

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock sprach vom "historisch besten Ergebnis" ihrer Partei, wenngleich die Grünen mehr Stimmen gewollt hätten. Das habe aber wegen "eigener Fehler nicht geklappt". Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckhardt sagte, ihre Partei sei "sehr froh" über das Ergebnis, auch wenn die Grünen mehr erhofft hätten.

FDP spricht von "guter Ausgangsposition"

FDP-Chef Christian Lindner nannte das zweistellige Wahlergebnis seiner Partei eine "gute Ausgangsposition". Auf eine konkrete Regierungskoalition wolle er sich zu diesem Zeitpunkt nicht festlegen. Die größten inhaltlichen Übereinstimmungen sehe er aber mit der Union und nicht mit der SPD, sagte der Liberalen-Parteichef.

Die Co-Fraktionsvorsitzende der AfD Alice Weidel sprach von einem "sehr soliden Ergebnis". Man werde um ihre Partei "nicht mehr drumherumkommen".

Langwierige Regierungsbildung wahrscheinlich

Angesichts der knappen Stimmverhältnisse ist mit großer Wahrscheinlichkeit ein Dreierbündnis nötig, um eine Mehrheit im Bundestag bilden zu können. Unabhängig davon, welche Koalition zustande kommen wird, wird eine langwierige Regierungsbildung erwartet. Eine zeitliche Frist für eine Einigung gibt es dabei nicht. Der neu gewählte Bundestag muss sich dagegen spätestens 30 Tage nach der Wahl konstituieren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. September 2021 | 18:00 Uhr

37 Kommentare

Nico Walter vor 2 Wochen

„Bisherige Linke-Wähler [in Thüringen] sind in Scharen zu den Rechtspopulisten abgewandert.“

Na, Frau Regina Lang, MDR THÜRINGEN, das ist ja mal eine steile These, die Sie da hinlegen. Können Sie die auch belegen? Die Statistik, die Sie verlinken, kann sich jedenfalls nur auf den Bund beziehen, nicht auf Thüringen. Selbst wenn man die Zahlen dort liest sind die Verluste an die AfD nur marginal. Die meisten Wähler wanderten zu SPD und Grünen, also innerhalb von RRG; die Wanderung von der AfD zu SPD und Grünen hinzugerechnet hat RRG sogar von der AfD gewonnen.

In Thüringen dürfte die Situation ähnlich sein, angesichts 9155 zusätzlicher Stimmen für die AfD, aber 81739 für RRG.

Natürlich haben die Linken innerhalb von RRG massiv verloren. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Da RRG im Bund aber nie eine realistische Option war ist es gut möglich, dass viele Wähler lieber auf ein „sicheres Pferd“ gesetzt haben. Das kann sich bei der nächsten Wahl auch schnell wieder ändern.

Thommi Tulpe vor 2 Wochen

Ich habe gar kein Problem. Für mich ist es völlig logisch, dass man auch dessen Stimme zählt, der 17:59 Uhr plus 59 Sekunden am/ im Wahllokal war.
Wenn natürlich irgendwo Stimmzettel fehlen, spricht das nicht für demokratisch organisierte Wahlen in einem "freiheitlich-demokratischen" Land.

dimehl vor 2 Wochen

Und wieder einmal läuft es wohl auf eine Große Koalition hinaus:
Jamaika: die grüne Basis wird nie einen Kanzler Armin Laschet akzeptieren.
Ampel: die beiden Parteien für Besserverdienende, FDP und Grüne, könnten sich wohl einigen, eine Einigung von SPD und FDP dürfte schwierig werden...
Eine Minderheitsregierung bietet angesichts der Herausforderungen
nicht die notwendige Stabilität und so bleibt zum Schluss wieder nur:
die Groko.
Naja, vielleicht täusche ich mich auch.

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