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Audio: Onlinehandel verliert zweistellig Umsätze. Bildrechte: picture alliance / dpa-tmn | Christin Klose

Kaufzurückhaltung Onlineshops in der Krise: Internethandel kämpft mit teils deutlichen Umsatzeinbußen

17. April 2024, 10:54 Uhr

Der Onlinehandel war lange ein boomendes Geschäft. Während der Corona-Pandemie, als viele Läden geschlossen waren, hatte sich der Trend zum Onlineshopping nochmals beschleunigt. Doch dieser Aufwärtstrend ist vorbei, seit zwei Jahren sinken die Umsätze deutlich. Mehrere größere Onlinehändler mussten im vergangenen Jahr sogar Insolvenz anmelden.

Ralf Geißler, Wirtschaftsredakteur
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Die Zeiten, in denen man vor Glück schrie, weil der Paketbote vor der Tür stand, sind offenbar vorbei. Früher warb Zalando mit solchen Gefühlsausbrüchen, inzwischen kämpft Deutschlands größter Online-Modehändler mit schrumpfenden Umsätzen. Im vergangenen Jahr sanken die Bestellungen um mehr als sechs Prozent.

Illustration: Junge in einem Lapttopbildschirm schiebt Einkaufswagen voller Spielwaren aus dem Bildschirm heraus 7 min
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Der Onlinehandel habe es derzeit generell schwer, sagt Martin Groß-Albenhausen vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel: "Wir hatten in den vergangenen zwei Jahren, eigentlich seit Beginn des Ukraine-Krieges einen deutlichen Rückgang der Zahlen. Wir hatten im Jahr 2022 insgesamt einen Rückgang um etwa acht bis neun Prozent. Und im Jahr 2023 sogar mehr als elf Prozent."

Mehrere Online-Händler rutschten schon in die Pleite, darunter der traditionsreiche Klingel-Versand, Keller Sports, Dress for less oder Mädchenflohmarkt.

Pandemie-Ende und Inflation sind Hauptgründe für Umsatzeinbrüche

Erik Maier von der Handelshochschule Leipzig sieht drei Gründe für die Rückgänge im Onlinegeschäft. Das Ende der Corona-Pandemie sei der erste: "Zu Zeiten, wo man nur online kaufen konnte, haben viele Händler ein starkes Umsatzwachstum mitgemacht und zum Teil zwanzig, dreißig Prozent mehr verkauft in diesen Jahren. Das normalisiert sich jetzt. Das heißt, es geht wieder auf ein normaleres Niveau zurück."

Zweitens spüre auch der Online-Handel die allgemeine Kaufzurückhaltung nach der Inflation.

"Und drittens kann man auch argumentieren, dass der Onlinehandel langsam in so eine Art Sättigung kommt. Es gibt viele Segmente, die kaufen sehr gern online ein, manche aber auch nicht. Und wir kommen jetzt in eine Phase, wo die Wachstumsraten zurückgehen. Das heißt, der Onlinehandel wird den stationären Handel nicht komplett ersetzen."

Branchenverband sieht dennoch Wachstumspotenzial

Der Bundesverband E-Commerce hingegen sieht im Onlinegeschäft noch großes Potenzial. Martin Groß-Albenhausen sagt, gerade Ältere hätten in der Pandemie das Einkaufen im Internet erst richtig entdeckt: "Wir gehen deswegen davon aus, dass speziell bei den älteren Zielgruppen noch ein deutliches Aufholpotenzial da ist und wir deswegen die Anteile noch weiter ausbauen können."

Auch bei Zalando hoffen die Chefs, dass das Wachstum früherer Jahre zurückkehrt. Auf der international besetzten Jahresbilanz im März betonte Mitgründer Robert Gentz, der Langzeittrend zum Onlineshopping halte an. Man müsse auf der Weltkarte nur etwas weiträumiger gucken: "Wenn sie etwas herauszoomen, dann sehen Sie, dass der europäische Online-Modehandel im Vergleich zu China oder den USA noch immer massiv zurückliegt. Und es gibt keinen Grund, warum das so bleiben sollte. Der europäische Onlinehandel wird aufholen und stärker weiterwachsen auf das Level, das wir in den USA oder in China sehen."

Gentz stellte seinen Aktionären künftig wieder fünf bis zehn Prozent Umsatzwachstum in Aussicht. Letztes Jahr ist es Zalando gelungen, trotz weniger Bestellungen mehr Gewinn zu machen. Dabei geholfen hat sicher auch der Abbau von Personal. Die Aktionäre stellte das fürs Erste zufrieden. Geschrien hat aber keiner vor Glück.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 17. April 2024 | 06:05 Uhr

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