Symbolbild: Windkraftanlage in der Dämmerung
Warum stehen Windräder manchmal still? Bildrechte: IMAGO/U. J. Alexander

Erneuerbare Energie Warum Windräder manchmal trotz Wind still stehen

26. Oktober 2022, 13:59 Uhr

Neben dem Preis für Gas hat sich auch der Strompreis in den letzten Monaten teils deutlich erhöht. Nun wird darüber diskutiert, wie man diesen deckeln könnte. Aber nutzen wir überhaupt die Energie, die bei uns in Deutschland produziert wird, konsequent? Das fragt sich MDR AKTUELL Hörer Frank Müller aus Thüringen – vor allem in Bezug auf Windkraft: Er hat beobachtet, dass sich Windräder trotz Wind nicht immer drehen und will wissen, woran das liegt.

Wer über die A9 bei Weißenfels fährt, kann sie kaum übersehen: Dutzende Windräder links und rechts der Autobahn. Insgesamt 130 Stück. Der Windpark gehört der AEZ-Gruppe, einem Alternative-Energien-Projekt im Burgenlandkreis.

Abschalten zum Schutz von Fledermäusern und Vögeln

Stillstehende Rotorblätter seien hier bislang eher die Ausnahme, meint Geschäftsführerin Claudia Schilling. "In 95 Prozent der Fälle laufen sie, in fünf Prozent der Fälle sind sie entweder wegen Artenschutz, Eisansatz, Wartung oder Reparatur abgeschaltet. Für Naturschutz, zum Beispiel zum Schutz der Fledermaus, sind die Abschaltungen vor allem in den Morgenstunden, in den Abendstunden und auch nachts in den Sommermonaten." Auch Maßnahmen zum Vogelschutz zwingen die Betreiber zum Abschalten. Das sei vor allem zur Erntezeit der Fall oder wenn Felder frisch bestellt werden, so Schilling.

Und manchmal stehen Anlagen auch still, damit Anwohner nicht von den Geräuschen der Rotorblätter oder deren Schatten gestört werden. "In dem Fall ist in der Windkraftanlage so eine Schattenabschaltautomatik installiert und die Windkraftanlage schaltet sich automatisch ab, sodass sich der Rotor nicht mehr durch den Garten oder das Haus bewegt. So ähnlich ist das mit dem Schall. In bestimmten Randlagen kann es sein, dass bestimmte Schallgrenzwerte überschritten werden an anliegenden Ortschaften und dann werden die auch nachts abgeschaltet oder reduziert."

Regionale Netzbetreiber können Anlagen abschalten

Diese Vorgaben sind klar. Doch es gibt weitere Gründe, warum Anlagen manchmal nicht laufen. Obwohl Wind weht und die Betreiber liefern wollen. Denn auch regionale Netzbetreiber können jederzeit direkt auf die Anlagen zugreifen, erklärt Energieökonom Paul Lehmann vom Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. "Der Netzbetreiber hat das Recht, Anlagen abzuregeln, wenn es einen Netzengpass gibt. Wenn es lokal zu viel Strom gibt oder zu wenig Nachfrage gibt, das nicht ins Gleichgewicht kommt, dass er die Anlage abregelt. Und das ist aus meinem Verständnis heraus der maßgebliche Treiber dafür, dass Anlagen abgeschaltet werden, ohne dass der Betreiber selbst das will."

Hinzu kommt, dass neue Anlagen ab 100 KW seit sechs Jahren ihren Strom über Direktvermarkter vertreiben müssen. Die handeln damit an der Strombörse, so Lehmann, und haben ebenfalls das Recht, etwa bei zu niedrigen Marktpreisen, Windräder vom Netz zu nehmen. "Weil es natürlich auch Phasen gibt, wo der Strompreis negativ ist. Dann würde ich aber aus volkswirtschaftlicher Sicht auch sagen, dass es nicht sinnvoll ist, in dem Moment den Strom einzuspeisen, egal aus welcher Quelle er kommt. Weil das ja dann bedeutet, dass zu viel Angebot auf dem Markt ist und zu wenig Nachfrage da ist."

Abschaltungen häufen sich

Windparkbetreiber wie Claudia Schilling beobachten nun seit einigen Wochen schon, dass sich – trotz hoher Strompreise – diese Abschaltungen häufen. "Teilweise über viele Stunden, sogar Tage. Das kennen wir so aus der Vergangenheit nicht. Das ist für uns wirtschaftlich nicht das große Problem, weil wir eben auch die nicht eingespeiste Strommenge ersetzt bekommen – sowohl vom Netzbetreiber als auch vom Direktvermarkter. Aber in Zeiten der Energiekrise stellt sich für uns natürlich die Frage, warum abgeschaltet wird." Claudia Schilling hat diese Frage an ihren Direktvermarkter gestellt – eine plausible Antwort hat sie bislang aber nicht bekommen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Oktober 2022 | 06:00 Uhr

56 Kommentare

emlo am 27.10.2022

"Noch Fragen" - Ja, Euer Ehren! Wo haben Sie diese famose Milchmädchenrechnung her? Der Bedarf an Primärenergie hängt stark davon ab, wieviel von der eingesetzten Primärenergie letzten Endes beim Energieverbraucher ankommt. Also ist es höchst unseriös, Windenergie eins zu eins anderen Primärenergieträgern gegenüber zu stellen. Details finden Sie in meiner Antwort weiter unten.

Eulenspiegel am 27.10.2022

Zum Thema Stromspeicher:
Wir haben Batterien. Die werden immer mehr.
Ihre Leistung ist sehr gering aber ihre Reaktionsschnelligkeit total gering.
Sie dienen eigentlich nur zur Setzstabilisierung.
Dann haben wir seit einhundert Jahren die Wasserspeicherkraftwerke. Von denen sind haben wir immer noch einige im Land. Das wäre auch noch Ausbaufähig. Und dann gibt es das erste Unterseekabel nach Norwegen das seit Anfang des Jahres in Betrieb ist. Das bedeutet eine stattliche Kapazität an Wasserspeicherkraftwerken. Und das Zweite ist auch schon im Bau.
Dann kommen die Hybridkraftwerke. Von denen haben wir mindestens 2 in Deutschland.
Das ist alles was mir so spontan über unsere Ist Situation einfällt.
Damit ist klar:
Wer behauptet wir haben keine Speichermöglichkeit der hat nun wirklich von tuten und blasen keine Ahnung.
Sicherlich benötigen wir für die Zukunft deutlich mehr Speichermöglichkeit. Die Probleme liegen aber im Detail.

Eulenspiegel am 27.10.2022

Also wenn ich mich richtig erinnere da gab es in MDR Wissen einen Bericht.
Da haben Wissenschaftler erforscht wo ist eigentlich weltweit die Obergrenze der Windenergie.
Ganz kurz und knapp:
Die Obergrenze der weltweiten Windenergieerzeugung, wurde herausgefunden, liegt bei dem Mehrfachen des jetzigen gesamten globalen Energieverbrauchs. Also nicht nur des Stromverbrauches sondern des gesamten Energieverbrauches. Und das nur alleine durch Windenergie.

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