Auto-Technik Spot an: Auf was es bei Auto-Scheinwerfern ankommt

Wenn die Tage kürzer werden, ist es Zeit, die Scheinwerfer am Auto zu kontrollieren. Vielleicht lohnt sich ein Umbau. Welche Scheinwerfer passen an welches Auto? Und muss der TÜV den Umbau abnehmen? Autoexperte Andreas Keßler gibt Tipps für eine gute Beleuchtung.

Verkehr auf der Autobahn bei Sonnenuntergang und einem Nebelfeld.
Scheinwerferlicht bei Nacht und Nebel Bildrechte: IMAGO

Sehen und gesehen werden … Mehr Licht!

Scheinwerfer
LED-Scheinwerfer Bildrechte: imago images / Jan Huebner

Für Autofahrer ist es im Laufe der Autoentwicklung deutlich heller geworden: Die Skala der Automobilbeleuchtung reicht von kümmerlichen Funzeln bis zum LED-Licht, ein geradezu fantastischer Erfolg. Aber: Wo viel Licht ist, ist auch immer Schatten. Was nützt das hellste Licht, wenn es blendet oder wenn es im Defektfall nur sehr zeitaufwändig und teuer zu reparieren ist?

Das Autolicht ist nicht umsonst bei den Hauptuntersuchungen und den Kfz-Beleuchtungswochen der Autobranche immer wieder im Fokus. "Einfach einen Schalter drehen und schon ist deutlich mehr zu sehen!" - Schön wär's! Auch hier gibt es eine große Kluft zwischen Theorie und der (Beleuchtungs-)Praxis.

Woran merkt man, dass die Scheinwerfer nicht richtig eingestellt sind?

Blick eines Autofahrers, bei Nacht auf die Straße
Lichtkegel bei einer Nachtfahrt Bildrechte: imago/Kickner

Sind die Scheinwerfer zu niedrig eingestellt, ist der Lichtkegel ziemlich klein und die Straße nur schlecht ausgeleuchtet. Sind die Scheinwerfer zu hoch eingestellt, machen einen oft die entgegenkommenden Verkehrsteilnehmer darauf aufmerksam – durch die Lichthupe. Sie werden durch die falsch eingestellten Scheinwerfer geblendet, diese wirken dann wie Fernlicht. Wer also häufig angeblendet wird, sollte die Justierung seiner Scheinwerfer überprüfen lassen.

Muss man zum Einstellen der Scheinwerfer immer in eine Werkstatt?

Es wäre anzuraten. Denn, liegt ein Fehler in der Grundeinstellung der Leuchtmittel vor, muss der Neigungswinkel direkt am Scheinwerfer eingestellt werden.  Da hat eigentlich nur eine Fachwerkstatt das richtige Werkzeug. Ohne, ist die Einstellung des Neigungswinkels sehr fummelig und fehleranfällig. Wer es aber trotzdem einmal probieren möchte, kann es selbst versuchen, wenn das Fahrzeug herkömmliches Halogenlicht hat.

Neigungswinkel selbst eingestellt. So geht man vor:

  • Der Wagen sollte aus ca. zehn Metern Entfernung an eine weiße Wand strahlen.
  • Der richtige Neigungswinkel (meistens 1,2 Grad) ist direkt auf einem Aufkleber oder im Handbuch des Autos angegeben.
  • Dann zeichnet man auf Höhe der Mittelachse der Scheinwerfer eine Hilfslinie an die Wand. Eine um den entsprechenden Neigungswinkel nach unten verschobene, zweite Linie wird gezeichnet; bei 1,2 Grad und zehn Meter Abstand muss die zweite Linie zwölf Zentimeter niedriger sein.
  • An dieser Linie wird der Mittelpunkt des Lichtkegels ausgerichtet. Justiert werden die Lichter dabei in der Regel über zwei Schrauben direkt am Scheinwerfer.


Ein Aufwand, der ohne Spezialgerät ziemlich hoch ist. Werkstätten brauchen dagegen nur ein paar Minuten, um die Leuchten wieder richtig zu justieren.

Und wer sollte zum Justieren in die Werkstatt?

  • Wer das Einstellen lieber von einem Fachmann machen lassen möchte.
  • Wer kaum Licht vor sich auf der Straße hat.
  • Wer ständig von anderen Fahrern angeblinkt wird.
  • Wer mit Xenon- oder LED-Lichtern fährt, denn die lassen sich ohne geeignetes Werkzeug kaum selbst justieren.
  • Wer mit intelligenten High-Tech-Lichtsystemen, die mitlenken und mitdenken,  unterwegs ist. Dafür sind kamerabasierte Geräte nötig und die Einstellung kann mehrere Stunden dauern.

Ein paar Worte zu den Einäugigen und Nebelfahrten:

Auto mit Licht im dichten Nebel auf Straße
Bei Nebel reicht das Tagfahrlicht nicht Bildrechte: imago images / imagebroker

Die Klagen über ständig durchbrennende Scheinwerferlampen reißen nicht ab. Ursache ist Sparsamkeit am falschen Ende. Und damit sind sowohl die Hersteller gemeint, deren Bordelektrik durch zu billige Komponenten immer mal wieder Spannungsspitzen ins Netz schießt, aber auch die Autofahrer, die beim Kauf von Ersatzlampen unbedingt ein paar Euro sparen wollen. In den meisten Fällen kann der Einbau von "Longlife"-Lampen namhafter Hersteller dem Lampensterben ein Ende setzen!

Aktuell fahren viele Autos im "Tarnmodus", wenn es neblig ist. Viele Autofahrer drehen den Lichtschalter auf 'Auto' und kümmern sich dann nicht mehr um die Beleuchtung ihres Fahrzeugs. Da diese Systeme aber nur hell und dunkel unterscheiden können, ist das Auto bei Nebel, Regen oder Schneefall nur mit dem Tagfahrlicht unterwegs.

Oldtimer mit Karbidlampe
Oldtimer mit Karbidlampe Bildrechte: imago images / CHROMORANGE

Einst & Jetzt: Los ging es bei der Autobeleuchtung mit simplen Wachskerzen. Wenig später wurde es hell: Karbidlampen sorgten für (relativ) gleißendes Licht.

Mit dem Siegeszug der Elektrizität zog diese auch ins Automobil ein: Jahrzehntelang lag die Bordspannung bei sechs Volt, mehr gaben die Gleichstromlichtmaschinen nicht her. Entsprechend müde war die Lichtausbeute.

Mit dem Drehstromgenerator (heute oft auch als Lichtmaschine bezeichnet) stieg die Bordspannung auf zwölf Volt, was zuerst die Lichtausbeute erhöhte und schließlich das Halogenlicht ermöglichte. Mit der "H4-Lampe" wurde es endlich hell vor deutschen Autos!

Das Halogenlicht in seinen diversen Ausbildungen ist bis heute noch Stand der Technik. Vor 25 Jahren entwickelte Bosch das "Xenon-Licht", welches die Vorzüge der Halogenlampe mit einem Schlag ins Abseits schob. Allerdings sind Xenon-Scheinwerfer bis jetzt noch Premium-Fahrzeugen vorbehalten.

Parallel zum Xenon-Siegeszug führte die Industrie Schritt für Schritt zunächst LED-Leuchten und schließlich Laserlicht in ihren Spitzenmodellen ein. Lichttechnisch betrachtet, liefert die Xenon-Technik auch heute noch das beste Autolicht, ist aber nicht so "intelligent" wie LED- oder Laserlicht.

Mehr Auto:

MDR um 4