Blick von oben auf das Georgium Dessau: ein weißes Schloss zwischen mehreren Laubbäumen.
Nach zwölf Jahren können Menschen die Gemäldegalerie im Georgium Dessau besuchen. Bildrechte: SMG Dessau-Roßlau, Sebastian Köhler

Wichtige Sammlung mit Alten Meistern Nach Sanierung: Anhaltische Gemäldegalerie in Dessau wird endlich wiedereröffnet

22. Dezember 2023, 17:59 Uhr

Die Anhaltische Gemäldegalerie im Dessauer Schloss Georgium ist wieder offen. Am Freitag, den 22. Dezember 2023, hat das Direktorium die neue Dauerausstellung mit zahlreichen Werken Alter Meister vorgestellt. Seit 2011 wurden die Räumlichkeiten saniert. Die Wiedereröffnung hatte sich immer wieder verschoben, weil neue Mängel gefunden wurden und die Kosten sich erhöht hatten. Die Sammlung der Anhaltischen Gemäldegalerie gehört mit Hauptwerken von Lucas Cranach und Johann Tischbein zu den wichtigsten in Ostdeutschland.

Es strahlt wieder von außen wie von innen: das Schloss Georgium in Dessau. Als Teil des Gartenreichs Dessau-Wörlitz gehört es zum UNESCO-Welterbe und beherbergt seit 1959 die Anhaltische Gemäldegalerie. Es gilt als eines der bedeutenden Kunstmuseen in Ostdeutschland und ist nun auch dieses Titels würdig.

Denn nachdem mehr als zwölf Jahre lang die Gemälde nicht gezeigt werden konnten, präsentiert man sich inzwischen als zukunftsorientiertes Kunstmuseum, aber eben im Gewand eines Schlosses. Museumsdirektor Ruben Rebmann meint, "dass eine solche Sammlung in einem modernen Museumsneubau bei weitem nicht so gut wirken würde, wie das in diesen Schlossräumen der Fall ist." Immerhin seien viele Werke genau für solche Räumlichkeiten mit verzierten Decken geschaffen worden.

Museum zwischen Schloss und Moderne

Der Eingangsbereich der Anhaltischen Gemäldegalerie ist modern. Mit Museumsshop und Garderobe hat man versucht, die Funktion des Kunstmuseums mit dem Schloss besser in Einklang zu bringen. Moderne Leuchten im Treppenhaus korrespondieren mit den restaurierten historischen Sälen mit Stuckdecken und Parkettböden.

Ein Renaissance-Gemälde einer Dorfszene: Viele Kinder und ältere Frauen sammeln sich vor einem Haus, aus dem eine Person herauskommt.
Die Kunstsammlung in Dessau besitzt vor allem Werke Alter Meister wie Pieter Breughel d.J. Bildrechte: Anhaltische Gemäldegalerie Dessau/Dietmar Gunne

In drei Räumen im Erdgeschoss wird der Ort selbst thematisiert: Es geht um die Geschichte des Schlosses, des Parks des Georgiums und nicht zuletzt um den Ursprung der Sammlung. Daneben befindet sich der Festsaal, in dem schon seit einigen Monaten Veranstaltungen stattfinden und bereits einige der Alten Meister hängen. Diese Arbeiten führen zur umfangreichen Ausstellung im Obergeschoss.

Überragende Kunst aus vielen Epochen

Dort hat man einen Rundgang inszeniert, um der Breite der Sammlung gerecht zu werden. Denn hier schlummert ein wahrer Schatz, der nach zwölf Jahren wieder aus dem Depot ans Licht der Öffentlichkeit kommt, "mit den besten Gemälden aus der Sammlung vom späten Mittelalter beziehungsweise der Zeit der Reformation über die Barockzeit mit Malern wie Peter Paul Rubens. Dann weiter bis in die Zeit der Romantik und hin zur Moderne, also zu Meistern wie Wassily Kandinsky und Fritz Winter", fasst Direktor Ruben Rebmann zusammen.

Ein dreiteiliges Gemälde: Eine Frau hält ein Kleinkind auf dem Schoß. Darum sitzen weitere Personen und fliegen kleine Engel.
Der Fürsten Altar von Lucas Cranach dem Älteren ist eine der Perlen der Dessauer Sammlung. Bildrechte: Anhaltische Gemäldegalerie Dessau/Sebastian Kaps

Allein acht Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren sind zu sehen. Daneben hängt ein hochkarätiges Altarbild des Altmeisters Hans Baldung Grien. Aber auch viele Dessauer Künstler sind vertreten. 260 Gemälde hat Rebmann ausgewählt aus dem Bestand von 1.800 Werken. Sie wurden chronologisch gehängt, als kleiner Parcours durch die Kunstgeschichte.

Weil der Sammlungsbestand so vielfältig ist, konnte man für einige Epochen sogar thematische Räume schaffen: zum Beispiel mit Landschaften, Porträts oder Stillleben. "Gerade hier im Bereich der Stillleben, genauer gesagt der Frucht- und Blumenstillleben, ist die Sammlung so reich und so stark, dass ein Einzelraum dafür geschaffen wurde, wo man die Kunst des Stilllebens im 17. Jahrhundert sowohl in Flandern als auch in Holland kennenlernen kann", erläutert Rebmann.

Ein naturalistisches Gemälde eines Blumenstraußes in einer Vase.
Eines der Hauptwerke im Themenraum ist das Stillleben von Balthasar van der Ast. Bildrechte: Anhaltische Gemäldegalerie Dessau/Dietmar Gunne

Dessauer Kunstmuseum im besten Zustand

Alle Gemälde werden hoch ästhetisch auf dunkelrotem Grund präsentiert – vor allem aber in bestem Licht und technischer Ausstattung. Um die historischen Wände nicht zu beschädigen, wurden sogenannte Vorhangschalen davorgebaut. Auf denen kann man die Bilder befestigen und die Technik verdecken. "Diese technischen Bedingungen sind jetzt so gut und auch so stabil", freut sich Rebmann.

Gerade die technischen Bedingungen haben eine Öffnung der Gemäldegalerie in den vergangenen Monaten verhindert: "Da geht es vor allen Dingen um die Luftfeuchtigkeit, die stabil genug sein muss, dass wir erstmals in der Lage sind, aus seriösen Museen auch Leihgaben zu bekommen." Denn neben der Dauerausstellung, in der die Gemälde regelmäßig ausgetauscht werden sollen, werden auch Sonderausstellungen im Erdgeschoss geplant – damit die Besucher nicht nur einmal kommen, sondern gerne immer und immer wieder.

Weitere Informationen (zum Aufklappen)

Adresse:
Schloss Georgium
Puschkinallee 100
06846 Dessau-Roßlau

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Montag, von 10 bis 18 Uhr
Dienstags geschlossen

Redaktionelle Bearbeitung: tsa

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR am Morgen | 23. Dezember 2023 | 10:15 Uhr

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