Unterrichtsversorgung Offener Brief wegen Lehrermangel – Bildungsministerin irritiert

20. März 2024, 17:51 Uhr

An der Grundschule Tröglitz in der Gemeinde Elsteraue liegt die Unterrichtsversorgung nur noch bei 74 Prozent. Die Gemeinde hat deshalb einen Offenen Brief an Bildungsministerin Eva Feußner geschrieben. Doch diese zeigt sich irritiert und verweist darauf, dass die Probleme längst angegangen würden.

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Die Gemeinde Elsteraue im Burgenlandkreis hat erneut einen offenen Brief an Bildungsministerin Eva Feußner geschrieben. Anlass ist der anhaltende Lehrermangel in der Grundschule im Ortsteil Tröglitz. Laut Bürgermeister Andreas Buchheim (parteilos) liegt die Unterrichtsversorgung an der Schule aktuell bei 74 Prozent.

Schulleiterin: "Es brennt"

Auch Schulleiterin Heike Schade klagt über die Zustände. Der Unterrichtsausfall sei in diesem Jahr bereits auf 71 Stunden angestiegen, sagte sie im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT. Derzeit seien sieben Lehrer auf sieben sehr große Klassen verteilt. Für Entlastung sorge lediglich eine Lehramtsstudentin, die fünf Stunden pro Woche zusätzlich an der Schule arbeitet. "Es brennt", sagt Schade. "Das ist eine enorme Belastung."

Mindestens zwei weitere Stellen notwendig

Neben ihrer Tätigkeit als Schulleiterin müsse sie auch als Klassenleiterin arbeiten. Zudem gingen demnächst Kollegen in den Ruhestand. Das verschärfe den Mangel noch einmal drastisch. Schon jetzt, so Schade, wären mindestens zwei weitere Vollzeitlehrkräfte nötig, um die Unterrichtsversorgung wieder zu gewährleisten. Das Nachholen von Fehlstunden sei dabei noch nicht eingerechnet.

Feußner weist Vorwurf der Untätigkeit zurück

Sachsen-Anhalts Bildungsministerin Eva Feußner (CDU) hatte auf den offenen Brief mit Unverständnis reagiert. Feußner sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Montag, sie wundere sich über den Brief. So habe es an der betroffenen Grundschule Tröglitz bereits befristete Einstellungen gegeben. Außerdem sei eine studentische Kraft, die Lehramt studiere, eingesetzt worden.

Darüber hinaus verwies die CDU-Politikerin auf bisherige Gespräche des Landesschulamts und der schulfachlichen Referentin zur Situation an der Schule. Nach den Worten Feußners waren daran Eltern und Kollegen beteiligt: "Und ich glaube, der Bürgermeister war auch dabei." Die Gespräche fänden regelmäßig statt. Der Bürgermeister wisse, dass die Kontakte "sehr, sehr eng" seien.

Ich wundere mich eigentlich über den Brief, weil der Bürgermeister das auch weiß, dass die Kontakte sehr sehr eng dort sind.

Eva Feußner (CDU), Bildungsministerin Sachsen-Anhalts

Bereits im vergangenen Sommer hatten Elternvertreter an Feußner geschrieben. Damals hatte die Ministerin zugesagt, dass geprüft werde, wie man das Problem lösen könne.

Lehrermangel spitzt sich weiter zu

Seitdem hat sich die Situation laut Bürgermeister Buchheim nicht verbessert. Zwei weitere Lehrkräfte hätten die Schule verlassen, eine sei hinzugekommen, eine weitere in Aussicht. Außerdem seien weitere Abgänge bereits angekündigt. "Leider muss ich befürchten, dass sich die Probleme im nächsten Schuljahr noch weiter zuspitzen werden" – nicht zuletzt, weil auch die Schülerzahl weiter steige.

Auch wenn Buchheim die Bemühungen des Ministeriums anerkenne, könne man die für die Stellen benötigten Lehrer nicht "backen". Das Thema müsse "Chefsache" werden, fordert der Bürgermeister.

Gehaltsniveau anpassen

Für Tröglitz kommt laut Buchheim die geografische Lage erschwerend hinzu. "Wir haben junge Leute, die aufs Land wollen, und wir hatten auch Bewerber hier, die die Schule schön fanden. Aber wir sind hier im Dreiländereck. Wenn man fünf Kilometer weiter eine Lohnklasse höher bekommt ist es halt schwierig." Aus diesem Grund fordert er Ministerin Feußner auf, das Lohnniveau von Grundschullehrern an das angrenzender Bundesländer anzupassen, um Weggänge zu reduzieren. Außerdem müssten die Regeln für die Befristung von Quereinsteigern geändert werden.

Bürgermeister: Mehr Geld in Schulen investieren

Zur Finanzierung schlägt der Bürgermeister vor, "teils sinnlos im Land verschwendete Gelder in Richtung Schulen umzuleiten." Als Beispiele nennt er Corona-Sondervermögen, Geldleistungen für Flüchtlinge, überhöhtes Bürgergeld sowie Gerichts- und Anwaltskosten für Kreisumlage-Klagen.

Buchheim hat Feußner erneut in die Gemeinde Elsteraue eingeladen. Als Termin schlägt er Anfang April dieses Jahres vor.

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MDR (Marcel Knop-Schieback, Annekathrin Queck, André Plaul, Attila Dabrowski, Dennis Blatt) | Zuerst veröffentlicht am 15. März 2024

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 19. März 2024 | 06:30 Uhr

15 Kommentare

SachsenAnhaltFan vor 18 Wochen

Wir müssen das Thema endlich anpacken. Wir brauchen mehr Studierende und wir brauchen mehr Quereinsteiger. Es müssen ALLE Massnahmen in Erwägung kommen die das Thema beheben. Wir müssen das System revolutionieren und mehr Geö

Vogtlander vor 18 Wochen

Das ist nun mal das Dilemma.Da bleibt zu hoffen das es die nächste Regierung ernst meint mit ihrer Verantwortung. Geld ist ja genug da.Da zählen keine Ausreden mehr.

Altlehrer vor 18 Wochen

Klar sind 74% Versorgung alarmierend wenig. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass gerade in vielen Sekundarschulen im Norden von Sachsen-Anhalt 80 % Versorgungsgrad der Standard sind und weit unter den offiziellen Statistiken liegt. Offiziel werden auch freigestellte oder langzeiterkrankte Kollegen der Versorgung zugerechnet ohne das diese unterrichten. Übrigens bleiben auch in diesem Jahr Studienplätze für das Lehramt an Grundschulen und Sekundarschulen unbesetzt. Deshalb ist die Forderung nach Aufwertung dieser Lehrämter grundsätzlich richtig.

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