Ein Haus bei Sonnenuntergang, davor stehen viele Menschen.
Vor der "HaSi", der Hafenstraße 7 in Halle, hat es im Januar erneut Protest gegeben. Bildrechte: Birk Kowalski

Studierende schreiben für den MDR Nach Abriss und jahrelangem Leerstand: Zukunft der "HaSi" in Halle bleibt ungewiss

25. März 2024, 06:23 Uhr

Nach langem Leerstand besetzten Aktivisten 2016 die Hafenstraße 7 in Halle. 2018 mussten sie ausziehen, weil die Hallesche Wohnungsgesellschaft (HWG) das "HaSi"-Gelände ausbauen wollte. Seitdem steht die Immobilie leer, ein denkmalgeschütztes Gebäude wurde abgerissen. Jetzt prüft die HWG den Verkauf. Warum Initiativen das scharf kritisieren: ein Gastbeitrag eines Studenten aus Halle.

Dieser Text ist im Rahmen des Projekts "Studierende schreiben" in Zusammenarbeit mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg entstanden.

Anfang Januar stehen mehr als hundert Menschen vor einem Haus in der Hafenstraße in Halle, darunter viele Familien mit Kindern. Bei dem Haus handelt es sich um ein Baudenkmal: 1856 wurde hier die erste städtische Gasanstalt mit drei Gasometern in Betrieb genommen. Auf der Saline, zwischen Halle Neustadt und Innenstadt, soll es an diesem Tag aber vor allem um die jüngere Geschichte des angrenzenden Grundstücks mit der Hausnummer 7 gehen: 2016 erlangte die Immobilie überregionale Aufmerksamkeit. Eine Gruppe besetzte das Haus und eröffnete ein soziales Zentrum. Aus der Hafenstrasse 7 wurde die "HaSi", ein Name, der noch heute unter Anwohnern gebräuchlich ist.

Räumung angekündigt: Aktivisten verlassen "HaSi" 2018

Zunächst gab es damals eine vorläufige Nutzungsvereinbarung der Aktivistinnen mit der Eigentümerin, der Halleschen Wohnungsgesellschaft mbH (HWG). Nachdem sie ausgelaufen war, wollte die HWG die Immobilie im Jahr 2018 räumen lassen. Die Räumung wurde zweimal abgesagt. Schließlich zogen die Aktivisten freiwillig aus. Danach habe man alles daran gesetzt, dass die Aktivistinnen nicht zurückkommen, erklärt ein Vertreter der HWG rückblickend.

Wie die Aktivisten berichten, wurden die Sanitäranlagen und mehrere Fenster des früheren Beamtenhauses an der Straßenfront beschädigt. Diese seien bis heute nicht ersetzt worden und verursachten einen vermeidbaren Schaden der denkmalgeschützten Bausubstanz.

Ein altes Haus in der Abendsonne, daneben ein Bauzaun
Nach dem Auszug der Aktivisten ist ein Gebäude auf dem "HaSi"-Gelände abgerissen worden. Bildrechte: Birk Kowalski

Arbeitskreis Innenstadt wirft HWG "unprofessionelles Handeln" vor

Nach dem Auszug wurde außerdem ein Gebäude des denkmalgeschützten Ensembles, das Kessel- und Reglerhaus, abgerissen. In einem Bericht der "Städtischen Zeitung" erklärte die HWG schon 2018, bei dem Abriss des Kessel- und Reglerhauses habe es sich um ein bedauerliches "Missverständnis" gehandelt. Der hallesche Arbeitskreis Innenstadt (AKI), eine Initiative, die sich für den Denkmalschutz in Halle einsetzt, brachte den Abriss damals nach eigenen Aussagen zur Anzeige. Wie die "Mitteldeutsche Zeitung" berichtete, kam es im Rahmen der Ermittlungen zu einer Hausdurchsuchung bei der HWG.

Dass die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft nicht klären konnten, wer für den Abriss des Denkmals verantwortlich war, zeigt dem AKI zufolge das "unprofessionelle Handeln der HWG". Die mangelnde Verantwortung "in einem sensiblen Objekt" sei auch in Hinsicht auf die "zumeist unbelegten Vorwürfe gegen das Wiederbelebungsprojekt HaSi" zu problematisieren.

Nach Berichten des AKI hat die Staatsanwaltschaft gegen die HWG ein Bußgeld verhängt, weil mindestens fahrlässig gegen das Denkmalschutzgesetz gehandelt worden sei. Allerdings habe man kein vorsätzliches Handeln oder eine persönliche Schuld nachweisen können, erklärt der AKI-Vorsitzende Henryk Löhr im Gespräch. Daher habe die Staatsanwaltschaft den Abriss als Ordnungswidrigkeit eingestuft. Die HWG wollte sich auf Nachfrage nicht zum Sachverhalt äußern.

Ein Mann steht vor einem blühenden Baum 1 min
Bildrechte: Birk Kowalski

Ehemalige "HaSi"-Nutzerinnen: Haben mit HWG über vergleichbaren Preis verhandelt

Kritik kommt auch heute noch von den ehemaligen Besetzerinnen. Pressesprecherin Theresa Bauer meint: "Das ist ein denkmalgeschütztes Gebäude und das darf man nicht einfach abreißen." Sie unterstellt der HWG: "Warum lässt man da alle Fenster offen, vor allem das Dachfenster und macht alles kaputt? Ist ja klar, wenn das Haus total zerfallen ist, darfst du es auf einmal abreißen."

Ist ja klar, wenn das Haus total zerfallen ist, darfst du es auf einmal abreißen.

Theresa Bauer Sprecherin der früheren "HaSi"-Besetzerinnen

Entsprechend aufgebracht waren die ehemaligen Nutzerinnen der "HaSi", als die HWG im vergangenen Herbst ankündigte, das Gelände zum Preis von mindestens 620.000 Euro zu verkaufen. Nach Aussagen der Aktivisten hätte man der HWG 2018 in den Verhandlungen einen vergleichbaren Preis angeboten.

Ein Haus bei Sonnenuntergang, davor stehen viele Menschen und ein Polizeiauto.
Protest vor der "HaSi" im Januar: Die Aktivisten hatten nach eigenen Angaben selbst über den Kauf der Immobilie verhandelt. Bildrechte: Birk Kowalski

HWG sucht Interessenten für das "HaSi"-Gelände in Halle

Die HWG erklärte auf Anfrage, dass sie damals plante, auf dem Gelände Wohnhäuser zu bauen. Aufgrund wirtschaftlicher und planerischer Rahmenbedingungen, sowie dem Investitionsbedarf im eigenen Wohnungsbestand sei inzwischen "eine kurzfristige Entwicklung des Grundstückes durch die HWG nicht realistisch". In Rücksprache mit der Stadt Halle (Saale) habe man sich für ein Interessensbekundungsverfahren entschieden, um das "zentral gelegene Areal dennoch für Wohnungsbau" zu erschließen.

Ein altes Haus in der Abendsonne, davor sind einige Autos geparkt
Die HWG sucht jetzt nach Interessenten für die Hafenstraße 7. Bildrechte: Birk Kowalski

Es hätten zwar mehrere Interessenten an dem Verfahren teilgenommen, jedoch sei keiner von ihnen in der Lage gewesen, alle Vorgaben des Verfahrens zu erfüllen: Neben dem Mindestpreis von 620.000 Euro seien das die geforderten Konzeptziele und der Nachweis über abgeschlossene ähnliche Projekte. Dementsprechend habe man das Verfahren beendet. Die HWG sei weiterhin im Kontakt mit Interessenten, die sich im Rahmen des Verfahrens gemeldet hatten. Man würde nun "die weiteren Möglichkeiten, wie sich das Areal Hafenstraße 7 entwickeln lässt", prüfen. Es ist zu erwarten, dass sowohl der AKI als auch die ehemaligen Besetzer mit Interesse beobachten, wie es mit dem Areal weitergeht.

Über den Autor Birk Kowalski studiert seit Oktober 2023 den Master Multimedia und Autorschaft an der Universität Halle-Wittenberg. Birk ist sonst vor allem in Sachen Radio unterwegs. Gute Musik, kulturelle Themen und aktuelle Politik sind ihm wichtig. Er schreibt aber auch gerne mal eine Reportage über Menschen, die im Alltag zu wenig Aufmerksamkeit bekommen. Wenn er mit kommunaler Politik in Kontakt kommt, ist er immer wieder vom leidenschaftlichen Engagement vieler Akteure begeistert.

MDR (Maren Wilczek)

4 Kommentare

Puffbohne vor 16 Wochen

Gut so, dass diese schäbige Bruchbude endlich abgerissen wurde, bevor noch jemand durch die marode Substanz zu Schaden kommt. Die Hausbesetzer hatten jahrelang Zeit, in Verkaufsverhandlungen zu treten und sich um die Finanzierung einer Sanierung zu kümmern. Außer realitätsferner Forderungen und einem unverschämten Kaufangebot für 1 Euro kam ja anscheinend nichts.

Deutscher_Patriot vor 16 Wochen

Na toll!
Wer kauft schon ein denkmalgeschütztes Haus, dass der Besitzer HWG runtergewirtschaftet und mutwillig zerstört hat?
Da musst du ja wohl mindestens noch eine Million reinstecken, um das Haus zu sanieren.
Hätte man die HaSi-Leute einfach drin wohnen lassen, wäre das Gebäude heute in Ordnung und instand gehalten.

... da mal drüber nach denken ...



steka vor 16 Wochen

620.000 Euro ist ein stolzer Preis für so ein Ruinengrundstück. Hinzu kommt dann och die deknkmalsgerechte Sanierung, die auch nicht billig ist und die Badensanierung für das durch die Gasanstalt kontaminierte Gelände. Also weiterhin abwarten bis der Denkmalschutz sich von selbst erldigt.

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