Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt FDP-Spitzenkandidatin Hüskens: "Wir brauchen andere politische Akzente"

Luca Deutschländer
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Sachsen-Anhalt wählt am 6. Juni einen neuen Landtag. Vorher waren in dieser Woche die Spitzenkandidaten der aktuell im Landtag vertretenen Parteien bei MDR SACHSEN-ANHALT zu Gast. Ebenfalls gute Chancen auf einen Einzug ins Parlament hat laut Umfragen die FDP. Spitzenkandidatin Lydia Hüskens erzählt, wie sie punkten will.

FDP-Spitzenkandidatin Lydia Hüskens steht im Grünen und lächelt in die Kamera.
Will nach zehnjähriger Unterbrechung zurück in den Landtag: Lydia Hüskens ist Spitzenkandatin der FDP. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Man hat es nicht leicht außerhalb des Landtages. Lydia Hüskens weiß das nur zu gut. Zehn Jahre sind nun schon vergangen, dass ihre Partei, die FDP, aus dem Landtag flog. Um die FDP war es politisch ruhig in der Öffentlichkeit – bis im vergangenen Jahr die Vorbereitungen für die Landtagswahl begannen. "Wir haben in der gesamten Zeit politisch und an Inhalten gearbeitet", sagt Hüskens, die Spitzenkandidatin. "Es ist nur unglaublich schwer, von außerhalb des Landtages damit durchzudringen."

Auf blauem Hintergrund sind die Logos mehrerer Parteien in Sachsen-Anhalt zu sehen. 4 min
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In gut zwei Wochen wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. MDR SACHSEN-ANHALT hat in dieser Woche mit den Spitzenkandidaten der sechs großen Parteien gesprochen. Ronald Neuschulz fasst das zusammen.

MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Sa 22.05.2021 12:00Uhr 04:05 min

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Nicht nur deshalb will die FDP am 6. Juni zurück in den Landtag. Als außerparlamentarische Opposition ist sie naturgemäß nicht einverstanden mit dem, was politisch zuletzt in Sachsen-Anhalt gelaufen ist. Der "ständige Streit" in der Landesregierung, die ausgebliebene Entwicklung, das ohne irgendeinen Effekt ausgegebene Geld – die Liste der Kritikpunkte von Lydia Hüskens ist lang. Sie und ihre Partei wollen es besser machen, am liebsten als Teil einer neuen Landesregierung. "Ich bin jemand, der gern gestaltet", sagt die 56-Jährige.

FDP setzt auf Bildung, Wirtschaft und den ländlichen Raum

Im Hauptberuf ist Hüskens derzeit Geschäftsführerin des halleschen Studentenwerks. Ihre politischen Ziele spult sie dennoch aus dem Stehgreif ab: "Wir brauchen andere Akzente", sagt sie. "Wir brauchen eine Politik, die den ländlichen Raum in den Mittelpunkt stellt." Im Mittelpunkt der FDP stehen außerdem die Themen Bildung und, na klar, Wirtschaft. Die Liberalen wollen "alles tun", damit Unternehmen wieder hochfahren können, sagt Hüskens. Ihr Ziel: ein besserer Austausch von Verwaltung und Unternehmen, ihr Weg dorthin: Entbürokratisierung.

Und die Bildung? Wie fast alle anderen Parteien, will sich auch die FDP für mehr Lehrkräfte an Sachsen-Anhalts Schulen einsetzen. Hüskens spricht von weiteren Ausbildungskapazitäten an den Unis in Magdeburg und Halle, will Junglehrer früher in die Schule schicken – und Lehrkräfte von Verwaltungsaufgaben entlasten, um so den Job attraktiver zu machen.

Einiges davon hat die noch amtierende Landesregierung bereits getan, das Personal fehlt aber noch immer. Hüskens sagt dazu: "Wir müssen offensiver für die Chancen Sachsen-Anhalts werben, als guter Standort für junge Familien." Wie genau ihr das gelingen will, sagt sie nicht. Was sie konkret sagt: Dass bis Ende 2022 alle Schulen an schnelles Internet angeschlossen sein müssen.

Fördergeld der EU besser abschöpfen

Und wie will die FDP ihre Ideen finanzieren? In einer Zeit, in der die Lösung von Problemen eine "ganze Reihe Steuergroschen kosten wird", wie Hüskens es nennt? Die Spitzenkandidatin der Liberalen glaubt, ein Weg führe über ein konsequenteres Abschöpfen von europäischem Fördergeld. "Sachsen-Anhalt gibt jährlich Geld an die Europäische Union zurück", beklagt Hüskens. "Wir wollen uns anschauen, was wir da nicht gut machen."

Die FDP will mit ihrem Angebot "natürlich Unternehmer" ansprechen, sagt Hüskens. Aber eben auch all diejenigen, die "ihre eigene Chance sehen, die selbst etwas bewegen wollen". Das bringe Sachsen-Anhalt voran, glaubt sie. Ein neuer Landtag brauche eine liberale Stimme. "Wir wollen Politik vom Menschen her denken und nicht vom Staat. Diese liberale Politik ist sehr rar im aktuellen Landtag", klagt sie.

FDP will regieren

Umfragen sahen die Liberalen zuletzt zwischen sechs und acht Prozent und somit wieder im Landtag. Und wenn es so käme: Was dann? Lydia Hüskens sagt, auf Basis der Umfragen seien Kombinationen mit CDU, SPD und Grünen möglich. Und was sagt sie, die Spitzenkandidatin? "Was die Umfragen sagen, ist realistisch."

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MDR/Luca Deutschländer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 22. Mai 2021 | 19:00 Uhr

8 Kommentare

Thommi Tulpe vor 8 Wochen

Wollte die FDP nicht schon nach der letzten Bundestagswahl mitregieren?
So die "Freien Demokraten" wieder in den Magdeburger Landtag einziehen, und danach sieht es laut Umfragen aus: Man wird gleich zwei Parteien die Schuld daran geben können, warum man lieber "nicht als schlecht regiert" - SPD oder/ und Grünen. In Berlin seinerzeit waren ja "nur" die Grünen dafür verantwortlich, dass diese Partei der keinen Stuhl auf der Regierungsbank besetzte.

wo geht es hin vor 9 Wochen

Wenn denn die FDP in Regierungsverantwortung kommen sollte, wird genau das passieren, was immer passiert: sie wird wieder mit den Wölfen heulen. Und woher alle Parteien immer wieder ganz genau wissen, was WIR BRAUCHEN? Haben die ALLE Menschen dazu befragt und herrschte da vollkommener Konsens? Wie ich solche sinnentleerte Phrasen verachte....

DanielSBK vor 8 Wochen

Ich denke, mit Ihrer Meinung stehen Sie sehr sehr allein da...

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