Nach Radentscheid ADFC Magdeburg fordert Tempo beim Ausbau der Fahrradwege

26. November 2022, 11:49 Uhr

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) fordert Tempo beim Ausbau der Rad-Infrastruktur in Magdeburg. Ein halbes Jahr nach dem Radentscheid müsse die Stadt die Planungen beschleunigen, damit im Jahr 2023 möglichst viele Maßnahmen umgesetzt werden könnten. Die Zeit liefe davon. Bei einer gemeinsamen Radtour machte sich Magdeburgs Oberbürgermeisterin Simone Borris ein Bild der aktuellen Fahrradsituation.

Gefährliche Stellen, fehlende Abstellanlagen, schadhaftes Pflaster: Laut dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Magdeburg (ADFC) gibt es in der Landeshauptstadt viel zu tun, was den Ausbau der Radinfrastruktur angeht. Deshalb kämpft er seit vielen Jahren für besseren Radverkehr in der Stadt.

Vor einem halben Jahr hat er einen Teilerfolg erzielt: der Stadtrat beschloss die Umsetzung vieler Forderungen des "Radentscheids", einem Bürgerentscheid für besseren Rad- und Fußverkehr. Nun fordert der ADFC ein höheres Tempo bei der Umsetzung der Maßnahmen. Bisher laufe es schleppend.

Noch kein Konzept der Stadt: ADFC befürchtet Verzögerungen

Norman Dreimann, der Vorsitzende des ADFC Magdeburg, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Stadt habe nach seinen Informationen noch nicht begonnen, das Radverkehrskonzept für die Stadt Magdeburg zu schreiben. Da das Konzept die Grundlage für die Umsetzung der Beschlüsse sei, seien Verzögerungen im Ausbau der Radinfrastruktur zu befürchten. Dreimann will, dass bereits 2023 mit der Umsetzung begonnen wird.

Das fordert der Radentscheid Magdeburg Der Radentscheid Magdeburg ist ein Bürgerbegehren mit Forderungen für besseren Rad- und Fußverkehr in der Stadt. Forderungen des Radentscheids waren unter anderem:

1. Sichere Schul- und Radwege
2. Sichere Kreuzungen und Abstellanlagen
3. Vorrang für PNV, Fahrrad- und Fußverkehr
4. Barrierefreie Bordsteine
5. Mehr Effizienz und Effektivität bei Planung und Umsetzung
6. Radschnellwege für Pendelverkehr.

Dafür wurden mehr als 8.000 Unterschriften gesammelt. Daraufhin wurden viele der Forderungen im Mai 2022 in einem Stadtratsbeschluss aufgenommen. Dieser beauftragt die Stadt Magdeburg, den Ausbau der entsprechenden Infrastrukturen voranzubringen. Die Initiatoren sind sicher, dass dies zum Wohlbefinden aller Verkehrsteilnehmer beitragen wird und Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern reduziert werden.

ADFC sieht Stadtrat in der Pflicht

Dreimann sagte dem MDR: "Wir werden weiter darauf hinwirken, dass diese Radverkehrskonzeption 2023 steht." Auch der Stadtrat müsse weiterhin seine Aufsichtsfunktion gegenüber der Stadtverwaltung wahrnehmen und auf eine zügige Umsetzung der Beschlüsse drängen. Der Radverkehr sei eine der günstigsten Mobilitätsarten und müsse gerade in Krisenzeiten gestärkt werden.

Ein junger Mann mit Rucksack und Pullover steht auf einem Fußweg.  1 min
Viele Magdeburger empfinden den Radverkehr als ausbaufähig. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
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Grundsätzlich, sagt Dreimann, sei man aber positiv gestimmt. In der Stadt Magdeburg passiere in der Stadtverwaltung gerade mehr zum Thema Radverkehr als in den letzten sieben bis acht Jahren.

Stadt arbeitet an Umsetzung der strukturellen Radverkehrsförderung

Magdeburgs Oberbürgermeisterin Simone Borris (parteilos) sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Stadt arbeite bereits an der Umsetzung der im Stadtrat beschlossenen Maßnahmen zur strukturellen Radverkehrsförderung. Das Radverkehrskonzept sei grundsätzlich beschlossen, es komme nun auf die Umsetzung im Detail an.

Rad- und Fußverkehrsverantwortlicher soll eingestellt werden

In der Stellenplanung seien dazu bereits ein Rad- und Fußverkehrsverantwortlicher sowie eine Stelle für Radverkehrskonzeption vorgesehen. Der Verantwortliche für Rad- und Fußverkehr soll ein Ansprechpartner sowohl für die Menschen der Stadt als auch für die Politik sein.

Borris sagte, sie sei sich sicher, dass es gelingen werde, einen Großteil der beschlossenen Maßnahmen umzusetzen. Allerdings könnten im Jahr 2023 voraussichtlich noch nicht alle Ziele erreicht werden. Derzeit arbeite man an einer umfassenden Stellungnahme für den Stadtrat.

Oberbürgermeisterin radelt mit ADFC durch Neue Neustadt

Am Freitag machte sich Borris bei einer vom ADFC organisierten Radtour persönlich ein Bild von der Fahrradsituation in der Neuen Neustadt. Auf der Tour wurden sowohl positive Beispiele für die Radverkehrsführung als auch problematische Stellen angeschaut und im Anschluss über mögliche Konzepte und Lösungen gesprochen. Simone Borris sagte, sie wolle die Fahrradtouren vierteljährlich machen und sich so nach und nach ein Bild der Situation in der ganzen Stadt machen.

Sie selbst bewertet die Fahrradsituation in Magdeburg unterschiedlich. An verschiedenen Stellen der Stadt seien die Radwege gut ausgebaut. Es gebe allerdings eine ganze Reihe an Stellen, an denen Nachbesserungsbedarf bestehe, weil Fahrradwege zum Beispiel im Nichts endeten. Dort müsse angepackt werden.

Das sind laut Polizei Unfallschwerpunkte Laut der Polizei gab es im Jahr 2021 in der Stadt Magdeburg 500 Unfälle, in die Fahrradfahrer verwickelt waren. Als besondere Unfallschwerpunkte nennt die Polizei:

• Universitätsplatz
• Mittagstraße / Auf-/Abfahrt B 71 (Rtg. Süden)
• Albert-Vater-Str. / Auf-/Abfahrt B 71 (Rtg. Süden)
• Walther-Rathenau-Straße / Am Krökentor
• Hallische Straße / Bahnhofstraße
• Hasselbachplatz
• Erich-Weinert-Straße / Freie Straße

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MDR (Leonard Schubert)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 26. November 2022 | 14:00 Uhr

6 Kommentare

Denkschnecke am 28.11.2022

Warum fordert niemand, wenn sich Autofahrer über Baustellen beschweren, dass die sich erst einmal an Verkehrsregeln halten sollen? Ich erlebe allein alle zwei bis drei Tage auf meinem Arbeitsweg Rotlichtverstöße von Kraftfahrern, die Radfahrer gefährden, ganz zu schweigen vom Vorfahrtnehmen beim Abbiegen.

randdresdner am 27.11.2022

Es kann doch nur im Interesse aller sein, wenn die Radfahrerinnen und Radfahrer endlich ihre eigenen Wege bekommen. So findet ein gegenseitiges Behindern viel weniger statt. Warum wird dann so gezögert.

kleiner.klaus77 am 27.11.2022

Nachteilig ist z.B das Fahrradfahrer kaum auf die Einhaltung von Verkehrsregeln kontrolliert werden und dadurch auch nicht sanktioniert werden! Ich bin auch der Meinung, dass Kinder erst im öffentlichen Raum Fahrrad fahren dürfen, wenn sie dies wirklich sicher beherrschen, aber dies scheitert mit Sicherheit auch an fehlenden Kontrollmöglichkeiten!

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