Wahlplakate Kommunalwahl: Abhängen mit den Kandidaten

12. Juni 2024, 15:29 Uhr

Die Kommunalwahl ist vorbei – das heißt auch: Die Wahlplakate müssen wieder von den Laternen-Masten runter: Abertausende landesweit. Dafür sind meistens die Kandidaten der Wählerinitiativen und Parteien selbst zuständig. Mit den Alt-Plakaten lassen sich überraschende Dinge anstellen. Tipps aus Aschersleben.

Tom Gräbe
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Eine Leiter haben sie dabei – und eine Baumschere. Eckehard Peters und Andreas Schinkel von der CDU sind Anfang der Woche in Aschersleben unterwegs, um Wahlplakate abzunehmen. Abzuhängen sei leichter als aufhängen, sagt Andreas Schinkel. "Aber mehr Spaß macht es, sie aufzuhängen, weil dann der Wahlkampf bevorsteht und die ganze Spannung noch da ist. Jetzt hat man das Ergebnis ja schwarz auf weiß."

Beide sind nicht im neuen Stadtrat von Aschersleben vertreten. Zu tun gibt es für die ehemaligen Kandidaten trotzdem viel. Wer Plakate hängt, kommt ins Gespräch mit Nachbarn, Anwohnern. "Man wird meistens nach bundespolitischen und landespolitischen Themen gefragt", stellt Eckehard Peters fest. "Aber da muss man sagen, dass man natürlich viel Verständnis für die Fragen hat, aber das ist etwas, was wir nicht zu verantworten haben. Wir stehen hier für die Kommune."

Das Schicksal der alten Plakate

Die alten Plakate jedenfalls, die kommen jetzt weg. "Die werden entsorgt", sagt Eckehard Peters. Sie wären für die nächste Stadtratswahl wohl auch nicht mehr geeignet. Die ist erst in fünf Jahren.

Wochenlang überlebensgroße Bilder von sich an Laternen-Masten mitten in der Stadt auszustellen, daran kann man sich offensichtlich gewöhnen. Dass sie jetzt wieder verschwinden, sorgt aber auch für ein wenig Erleichterung. "Dann hängt man nicht mehr so offiziell in der Stadt rum", sagt Andreas Schinkel noch. Auch wenn die Wahl jetzt vorbei ist, es bleibt noch viel zu tun.

Ein kreativer Ansatz

Andreas Gottschalk von der SPD hat ebenfalls ein Wahlplakat-Entfernungs-Gerät dabei. An einer langen Stange hat er eine kleine Säge bzw. Schere befestigt. Damit lassen sich auch in zwei, drei Metern Höhe bequem von unten Kabelbinder an den Wahlplakaten durchtrennen. Ein paar Handgriffe und dann fällt das Plakat vom Mast.

Ein grauhaariger Mann in roter Jacke hält ein selbstgebasteltes Schneidegerät an einem Stiel in der Hand
CDU-Stadtratskandidat Eckehard Peters mit einer Baumschere - praktisch, um Plakate von den Laternenmasten zu holen Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

"Ich muss ehrlich sagen, ich habe heute ein ganz schlechtes Gefühl. Weil wir uns mit guten Kandidaten etwas ausgerechnet haben und das ist alles vollkommen desaströs daneben gelaufen", sagt er mit Blick auf das Wahlergebnis.

Für SPD-Kandidat Gottschalk hat es nicht gereicht für den Stadtrat. "Ich habe eigentlich auch persönlich gedacht, dass sich hier gerade in meinem Kiez ein paar Leute mehr für mich interessieren könnten. Aber es waren genau 15, ich habe geguckt."

Die Plakate jedenfalls lassen sich noch wiederverwenden, und zwar als Dämmmaterial. Hinter einer Holzverkleidung an der Decke in einem ausgebauten Schuppen an seinem Haus hat Andreas Gottschalk Plakate der letzten Wahlen verbaut. "Die besseren natürlich", die schlechteren zerschneidet er. Sie kämen dann in den Plastikmüll.

Draußen im Garten gibt es eine Wahlplakat-Erinnerung. In einen antiken Fensterrahmen hat Andreas Gottschalk leuchtende Erinnerungsstücke eingebaut. Wirklich witterungsbeständig sind die Plakate nicht – aber in der Regel aus Plastik. "Also, wenn es trocken ist, hält das ewig", sagt der SPD-Kandidat. Und so halten die Erinnerungen an eine Wahl mitunter viel länger als so eine Stadtrats-Periode.

Ein alter weißer Holzfensterrahmen mit Plakaten
Mit den alten Plakaten lässt sich einiges anfangen – Deko zum Beispiel. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

Stapelweise Erinnerungen und Dämmstoff

In der Garage auf dem Hof des Hauses von Familie Brandt stapeln sich hüfthoch Wahlplakate. Dezentes Gelb blitzt auf. "Das ist noch für den Winter", sagt Kathrin Brandt und lacht. Den Stapel gibt es schon länger. Hier liegen noch Plakate der Landtagswahl 2016. "Da war ich auch dabei. Da hatten wir ein richtig tolles Ergebnis, das zweitbeste von Sachsen-Anhalt für die FDP. Aber leider haben wir mit fünf Prozent die Hürde nicht geschafft."

Ihr Vater sage immer: "Nicht wegwerfen, wir brauchen die Dinger für den Winter." Er habe angefangen, mit den alten Plakaten die Kellerfenster abzudichten. "Und das dichtet echt gut ab, kann ich empfehlen", stellt sie fest.

Handarbeit ohne fremde Hilfe

Matthias Büttner von der AfD, der die meisten Stimmen in der Kreistagswahl im Salzlandkreis geholt hat, sagte MDR SACHSEN-ANHALT auf Nachfrage, dass die Zahl der Plakate der AfD im Salzlandkreis von den aufgestellten Kandidaten abgenommen haben. Die Personen hätten sich aufgeteilt in die jeweiligen Gebiete. Diejenigen, die Plakate aufgehängt haben, würden diese nun auch wieder abhängen. Eine Firma oder Agentur, die die Plakatierung übernehme, komme dafür nicht in Frage. Inwiefern die Plakate noch entsorgt werden, sagte Büttner: "Tatsächlch haben wir bei dieser Wahl auch Plakate aus einem vorherigen Wahlkampf plakatiert." Die Themen seien nach wie vor aktuell und passende Plakate könnten mehrmals Verwendung finden.

Landtagsabgeordneter Matthias Büttner
Matthias Büttner (AfD) aus dem Salzlandkreis Bildrechte: MDR/ Tom Gräbe

Das eigene Angesicht übergroß auf Plakaten

Kathrin Brandt wird wieder für die FDP im neuen Stadtrat sitzen. Der Wahlkampf sei entspannt gelaufen, sagt sie. "Es gab auch sehr gute Gespräche. Es war niemand dabei, über den ich mich geärgert hätte." Allerdings sitzt sie jetzt allein für die FDP im Stadtrat von Aschersleben. "Nach so vielen Jahren, dass wir jetzt nicht mehr zu dritt sind und arbeiten können, das finde ich schon traurig."

Die Lehrerin sieht sich übrigens nicht gern auf den Plakaten. "Wenn man sich so hängen sieht in diesen Größen, das ist doch schrecklich." Aber das gehöre nun mal dazu, genau wie die Plakate abzuhängen. Erst dann ist der Wahlkampf für die ehrenamtlichen Kandidaten auch wirklich vorbei.

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MDR (Tom Gräbe, Cornelia Winkler)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 12. Juni 2024 | 05:40 Uhr

2 Kommentare

Britta.Weber vor 5 Wochen

Manche Plakate sollten archiviert werden für Historiker und für das Vorlegen nach der Wahl.
Das Grünenplakat "Keine Waffen in Krisengebiete" ist solch ein Klassiker, der sich auch gut in jedem Kabarett macht.
Ansonsten halte ich es mit Loriot: "Der beste Platz für Politiker ist das Wahlplakat. Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen."

SGDHarzer66 vor 5 Wochen

Bei all diesen Attributen drängt sich der Name Striegel regelrecht auf.

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