Bundesfinale Jugend debattiert Schülerin zeigt Politik und Talkshows, wie es besser gehen kann

MDR San Mitarbeiter Engin Haupt
Bildrechte: MDR/punctum.Fotografie/Alexander Schmidt

Nicht nur Politiker und Wissenschaftler debattieren, sondern auch Jugendliche. Unter ihnen: Marlene Richnow aus Borne im Salzlandkreis. Die 15-Jährige hat sich für das bundesweite Finale von "Jugend debattiert" qualifiziert. Die Politiker könnten sich etwas für ihre Debattenkultur abschauen, findet die Schülerin.

Porträt einer Jugendlichen mit langen, rotblonden Haaren.
Die 15 jahre alte Marlene Richnow ist Schülerin am Dr.-Frank-Gymnasium in Staßfurt. Bildrechte: MDR/Engin Haupt

  • Marlene Richnow ist Schülerin am Gymnasium in Staßfurt. Im April hat sie am Landesfinale von "Jugend debattiert" teilgenommen.
  • In der finalen Debatte, die im Landtag von Sachsen-Anhalt stattfand, haben sich vier junge Sachsen-Anhalterinnen für das Bundesfinale qualifiziert.
  • Auf die Vorbereitung kommt es an, erklärt Marlene Richnow. Es sei wichtig, beide Seiten zu kennen und in der Debatte freundlich zu bleiben.

Vier junge Redner, ein Thema, eine Debatte. Beim Wettbewerb "Jugend debattiert" können Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland zeigen, welche rhetorischen Fähigkeiten in ihnen stecken. Die Landessieger der Bundesländer sind bereits ausgemacht. Sie treten nun am 9. und 10. Juni in Berlin zum bundesweiten Finale an.

So auch Marlene Richnow. Die Neuntklässlerin ist eine von vier Finalistinnen, die Sachsen-Anhalt vertreten.

Aus der Schule zu "Jugend debattiert"

Mit breitem Lächeln tritt Marlene Richnow aus dem Hörfunkstudio im MDR-Landesfunkhaus in Magdeburg. Gerade war sie zum ersten Mal im Radio. Ihr Interview sei gut gelaufen. Ganz natürlich, wie die 15-Jährige erzählt, weil sie aber auch dachte, die Aufnahme laufe noch gar nicht.

Marlene ist zusammen mit ihrer Mutter am Morgen aus Borne im Salzlandkreis nach Magdeburg gekommen. Zur Schule geht sie in Staßfurt, in die neunte Klasse des Dr.-Frank-Gymnasiums. Dort kam sie zu "Jugend debattiert", denn es war Teil des Unterrichts. Und Marlene, die Englisch, Ethik und Biologie zu ihren Lieblingsfächern zählt, überzeugte in den Debatten. So sehr, dass sie es bis in Landesfinale von Sachsen-Anhalt schaffte, das im April im Landtag stattfand.

Junge Frau und junger Mann mit blonden Haaren in schwarzer Kleidung an einem Rednerpult
Marlene Richnow (r.) hat sich im Landesfinale von "Jugend debattiert" für das bundesweite Finale in Berlin qualifiziert. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Marlenes Weg ins Finale in Berlin

Dort debattierte sie zu der Frage, ob die Produktion und Vermarktung von Lebensmitteln auf Insektenbasis staatlich gefördert werden sollte. Am Ende wurde Marlene Zweite. Für sie war die Platzierung das Ticket ins Bundesfinale, nach Berlin. Marlene möchte dort wieder weit kommen: "Aber bei mir ist der Konkurrenzgedanke nicht die erste Priorität. Wenn es nicht so gut läuft, dann sind es eben die tollen Erfahrungen, die ich mitnehme." Denn der Erfolg einer Debatte hänge auch häufig von der Tagesform ab, sagt sie.

Wenn es nicht so gut läuft, dann sind es eben die tollen Erfahrungen, die ich mitnehme.

Marlene Richnow Kandidatin im Bundesfinale "Jugend debattiert"

Wie funktioniert "Jugend debattiert"? Bei "Jugend debattiert" treten jeweils vier Redner in einer Debatte gegeneinander an. Zwei vertreten zu Beginn der Debatte das Pro-Argument, zwei die Gegenseite.

Debattiert wird in drei Teilen: einer Eröffnungsrunde, einer Freien Aussprache und einer Schlussrunde. Dann entscheidet eine Jury, welcher der vier Teilnehmer gewonnen hat. Bewertet wird nach Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft.

Aus Sachsen-Anhalt haben sich vier Schülerinnen für das Bundesfinale qualifiziert. Neben Marlene Richnow sind das Nele Dannenberg, Johanna Guse und Hannah Kleiner. Jede von ihnen hat ihre eigene Strategie beim Debattieren. Marlene verkürzt ihre besten Argumente zum Beispiel auf ein Stichwort, um sie auch in einer hitzigen Debatte nicht zu vergessen. Das wird sie auch in Berlin wieder so machen.

Das Bundesfinale besteht aus einer Qualifikationsrunde am 9. Juni und dem großen Finale am 10. Juni. Dann werden die acht Besten den bundesweiten Sieg unter sich ausmachen. In zwei Altergruppen (8. bis 10. Klasse und 11. bis 13. Klasse) wird es dabei jeweils einen Sieger oder eine Siegerin geben.

Wie sich Marlene auf Debatten vorbereitet

Am Debattieren reizt Marlene vor allem das Einarbeiten in Gegenpositionen. In manchen Debatten muss sie auch Standpunkte vertreten, die nicht ihrer persönlichen Meinung entsprechen. Manchmal wisse man ja, dass Themen auch von einer anderen Seite aus betrachtet richtig sein können: "Also gucke ich, wo meine eigene Meinung vielleicht subjektiv ist und mit welchen Argumenten ich sie entkräften könnte." So entdecke sie auch immer wieder neue Standpunkte für sich selbst.

Wenn die 15-Jährige das Thema ihrer Debatte kennt, recherchiert sie zuerst. "Ich durchsuche gefühlt das gesamte Internet und die Sozialen Medien wie Instagram, Tiktok und Youtube", erklärt sie. Anschließend legt sie sich eine Mindmap mit allen Pro- und Contra-Argumenten an: "Es ist für mich dann einfacher, mir die Argumente zu merken, weil ich es grafisch darstelle." So kann sie direkt sehen, welche Argumente die Gegenargumente entkräften können. "Und das hilft eben auch, die beiden Seiten für die Debatte zu üben."

Was gute Debatten ausmacht

Und dann ist da noch die Debattenkultur. Hier könnten sich auch Redner in Talkshows gerne mal etwas von "Jugend debattiert" abschauen, findet Marlene. Gerade bei politischen Themen sei es wichtig, die Debattenkultur umzusetzen, also sachlich und freundlich zu bleiben. Doch die Realität sieht anders aus: "Der freundliche Umgang miteinander fehlt häufig."

Der freundliche Umgang miteinander fehlt häufig.

Marlene Richnow über Debatten zu politischen Themen

In einer guten Debatte bleibt es sachlich und die Themen werden aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Das wäre Marlene auch in der Politik wichtig: "Dass Politiker nicht nur die eigene Meinung vertreten, sondern schauen, welche Meinungen denn von allen Seiten im Volk vertreten sind." Am 9. und 10. Juni machen es die Finalistinnen und Finalisten von "Jugend debattiert" noch einmal vor.

Auch die Mama fiebert mit

Dann schaut auch Marlenes Mutter stolz zu. Weil die bisherigen Debatten im schulischen Rahmen blieben, hat Annekatrin Richnow ihre Tochter noch nicht bei "Jugend debattiert" erlebt. Zu Hause unterstützt sie Marlene, indem sie mit ihrer Tochter über die Themen spricht. Marlene nun auch endlich bei einer Debatte zu sehen, "ist ein tolles Gefühl", sagt Annekatrin Richnow. Sie wird ganz fest die Daumen drücken, wenn ihre Tochter beim Bundesfinale auf der Bühne steht.

MDR (Engin Haupt)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 09. Juni 2023 | 08:10 Uhr

16 Kommentare

Tom0815 vor 14 Wochen

@C.T.
Ich nehme an für Ihr "Entweder man ist der gleichen Meinung und gendert wie die Leitmedien und R-R-G oder man ist Nazi... " haben Sie keine Mindmap benötigt um "sachlich" das Thema aus "verschiedenen Perspektiven" zu beleuchten? ;-)
Vielleicht den Artikel und die darin enthaltenen "Tipps" nochmal lesen?

Tom0815 vor 14 Wochen

@Erichs Rache
Weiter oben schreiben Sie, dass Sie einen sachlichen und differenzierten Diskurs für erstrebenswert halten, diesen aber hier in den Kommentaren vermissen.

Jetzt bin ich etwas verwirrt und versuche Ihren Kommentar "...gegen 708 hoffnunglose Ignoranten..." irgendwie einzuordnen in die im Artikel genannten Punkte die unter anderem eine gute Debatte ausmachen.
Passt aber weder zu "In einer guten Debatte bleibt es sachlich und die Themen werden aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet." noch passt es zu "Gerade bei politischen Themen sei es wichtig, die Debattenkultur umzusetzen, also sachlich und freundlich zu bleiben.".

Sie sehen. Nicht selten ist man selbst Teil des "Problems". ;-)
Ich nehme mich persönlich hier übrigens nicht davon aus manchmal ebenso ein Teil davon zu sein.

C.T. vor 14 Wochen

Wozu noch debattieren? Wir sehen und lesen es doch täglich. Entweder man ist der gleichen Meinung und gendert wie die Leitmedien und R-R-G oder man ist Nazi... Die Einsicht wird sie auch noch erlangen oder sie nimmt die Leitmeinung an und begibt sich abnickend an den Futtertrog...

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