Interview Lehrerin über Fake News an Schulen: "Schüler mündiger in die Welt entlassen"

23. Oktober 2022, 08:25 Uhr

Paula Friedrich unterrichtet Mathematik und Biologie an einem Gymnasium in Merseburg. Außerdem arbeitet sie als medienpädagogische Beraterin und unterstützt Schulen bei digitalen Bildungsprozessen. Im Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT sagt sie, ob Sachsen-Anhalts Schulen mit Fake News umgehen können und auf das 21. Jahrhundert vorbereitet sind.

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
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  • Paula Friedrich, Lehrerin für Biologie und Mathe an einem Gymnasium in Merseburg, sieht Fake News an Schulen als punktuelles Problem.
  • Schulentwicklung scheint laut Friedrich nicht schnell genug auf die sich ändernde Gesellschaft reagieren zu können. Die Entwicklung neuer Aus- und Fortbildungskonzepte brauche teils Jahrzehnte.
  • Im Gespräch erzählt Friedrich auch, was aus ihrer Sicht das Ziel von Schule sein sollte.

Paula Friedrich, Lehrerin an einem Gymnasium in Merseburg und medienpädagogische Beraterin für das Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerfortbildung, war Gast im Podcast "Digital leben" von MDR SACHSEN-ANHALT. In der Oktoberausgabe des Podcasts ging es darum, wie sich Fake News auf Schulen auswirken.

Im Gespräch wurde unter anderem deutlich, dass die Diskussion um Fake News an Schulen auch tieferliegende Probleme aufzeigt: an welchen Stellen es im "System Schule" knirscht. Im Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT blickt Paula Friedrich von "innen", aus der Schule heraus, auf die Problematik.

MDR SACHSEN-ANHALT: Paula, für wie groß hältst du das Problem Fake News an Sachsen-Anhalts Schulen? Was für Fake News hast du im Schulalltag schon gesehen?

Paula Friedrich: Da Fake News in unserer Gesellschaft – und damit auch in der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler – eine Rolle spielen, sind sie auch in der Schule präsent. Ich kann nur für meinen Wahrnehmungsbereich sprechen: Ich halte es für ein punktuelles Problem.

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Gibt es Lehrkräfte, die Fake News verbreiten, Verschwörungserzählungen verharmlosen oder Desinformationskampagnen aufsitzen?

Mir ist ein solcher Fall zu Corona bekannt. Eine Lehrkraft, die gegen das Impfen ist, thematisierte Corona im Unterricht und gab dabei auch die eigene Position preis. Grundsätzlich ist nichts daran auszusetzen, die persönliche Meinung zu teilen.

Aber bei den Schülerinnen und Schülern kam an, dass Impfen grundsätzlich nicht gut sei. Das prangerten sie zurecht an. In Gesprächen mit der Lehrkraft wurde dann deutlich, dass sie es gar nicht so gemeint hatte, sondern durch die Formulierungen ein falscher Eindruck entstand.

Meiner Meinung nach darf aber auch das nicht passieren. Es gehört zur Professionalität einer Lehrkraft, besonders in der Kommunikation mit Schülerinnen und Schülern, zwischen Wissensvermittlung und persönlicher Meinung zu trennen und dies ganz klar deutlich zu machen. Insofern finde ich diesen Fall schon problematisch.

Die Lehrerfortbildung zu Fake News ist freiwillig. Auch in der Lehrerausbildung ist es nicht verpflichtend. Ist das System Schule eigentlich auf die Welt des 21. Jahrhunderts vorbereitet?

Schulentwicklung ist ja ein dauerhaftes Arbeitsfeld aller Beteiligten des Systems Schule. Aufgrund der Strukturen und der vielen beteiligten Personen – Schule ist ein großer, schwerfälliger Tanker – scheint sie jedoch nicht schnell und flexibel genug auf die sich ändernde Gesellschaft reagieren zu können.

Bis ein neues Konzept etabliert ist, vergehen Jahre oder sogar Jahrzehnte. In einer sich immer schneller wandelnden Welt wird das zum Problem.

Lehrerin Paula Friedrich

Das wird beispielsweise in der Aus- und Fortbildung deutlich: Bis ein neues Konzept etabliert ist, vergehen Jahre oder sogar Jahrzehnte. Und in einer sich immer schneller wandelnden Welt wird das zum Problem.

Inwieweit braucht es vielleicht einen anderen Typ Lehrer? Oder eine andere Haltung?

Ich denke, die Frage ist nicht zielführend: Es gibt so viele verschiedene Lehrertypen, dass man gar nicht einen Lehrertyp herausstellen kann und sollte. Schule lebt von Vielfältigkeit und Verschiedenheit. Jeder hat in der Schule vermutlich die Erfahrung gemacht, dass er mit einem Lehrer besser zurechtkam als mit einem anderen. Und das ist gut so. Denn bei einem anderen Kind war es möglicherweise genau umgekehrt.

Jede Lehrerpersönlichkeit bietet auch eine Möglichkeit für die Schülerinnen und Schüler, sich in der eigenen Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Zum Beispiel, indem sie die Lehrkraft als Vorbild nehmen, sich an ihr reiben, zu ihr Vertrauen aufbauen und sich öffnen oder einen Konflikt austragen. All das gehört dazu und hilft, sich weiterzuentwickeln. Aber das an einem bestimmten Lehrertyp festzumachen, ist aufgrund der vielen Persönlichkeiten nicht möglich.

Wäre an Schulen denn alles besser, wenn dort das Thema Fake News stärker behandelt werden würde?

Alles sicherlich nicht. Dazu ist das System von viel zu vielen Faktoren abhängig. Aber zumindest würden wir einen Beitrag dazu leisten, unsere Schülerinnen und Schüler mündiger in die Welt zu entlassen. Und ich finde, das wäre ein lohnender Beitrag zur Bildung der Jugendlichen.

Was ist für dich eigentlich das Ziel von Schule?

Ich habe das ja schon im Podcast beantwortet: Für mich geht es darum, Schülerinnen und Schüler darauf vorzubereiten, ein glückliches Leben führen zu können. Das ist auf den ersten Blick unkonkret, hat aber einen Sinn, der auf ein Impact-Denken zurückzuführen ist. Durch diese übergeordnete Vision kann ich zielgerichtet über den passenden Outcome nachdenken und so dann konkret zum Beispiel auf Lehrpläne, Unterrichtsformen und Prüfungsformate schließen.

Sinnvoll wäre, sich darüber zu unterhalten, was Schule am Ende erreichen soll. Erst dann öffnen wir uns für kreative Lösungen zu bestehenden Problemen.

Lehrerin Paula Friedrich

Im Bildungssystem wird in meinen Augen noch zu sehr vom falschen Ende her gedacht: Wir überlegen hauptsächlich, welchen Input wir geben müssen. Sinnvoll wäre aber, sich darüber zu unterhalten, was Schule am Ende erreichen soll. Erst dann öffnen wir uns für kreative Lösungen zu bestehenden Problemen. Denn es ist sehr wahrscheinlich, dass es mehr als einen Weg zum Umsetzen dieser Vision gibt.

Mehr zum Thema: Digitalisierung und Schule

MDR (Marcel Roth)

20 Kommentare

DER Beobachter am 25.10.2022

Nichts anderes schrieb ich. Können Sie kein Deutsch? Ändert nichts an der höheren Impfquote und niedrigeren Infektions- und Sterberate Dk's. Und die Impfempfehlung und -angebot für entsprechendes Personal gibt's in Dk sogar auch immer noch. Ist doch eigentlich ein No-Go für Hohldenkerfans lieber Ralf....

ralf meier am 24.10.2022

LÜgen Sie ruhig weiter. Siehe dazu: Exxpress :'Dänemark bietet nur mehr Menschen ab 50 eine Impfung an.
Zitat: 'uch die dänische Gesundheitsbehörde erwartet, “dass die Zahl der Covid-19-Infektionen im Herbst und Winter zunehmen wird”, wie sie auf ihrer Website unterstreicht. “Daher empfehlen wir die Impfung von Personen ab 50 Jahren sowie ausgewählten Risikogruppen” und auch Personen, die viel Umgang mit Risikogruppen pflegen. Für den großen Rest der Bürger gilt die Empfehlung nicht mehr. ... Ausschließlich jene Personen unter 50 Jahren, “die ein höheres Risiko haben, an Covid-19 schwer zu erkranken, wird ebenfalls eine Impfung gegen Covid-19 angeboten”.'

Hobby-Viruloge007 am 24.10.2022

Schule sollte vermitteln, wie Manipulation funktioniert und wie Diktaturen funktionieren.
Manipulationstechniken zu erkennen hilft, sich in der komplexen Welt zurechtzufinden.
Man sollte auch vermitteln, dass man andere Meinungen aushalten muss und sich mit diesen unvorhergesehenen auseinandersetzten sollte. Die persönliche Diskreditierung von Andersdenkenden ist übrigens ein Zeichen einer nicht funktionierenden Demokratie.

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