Energiekosten Salzwedeler Baumkuchenbäckerei befürchtet Produktionsstopp

Seit 70 Jahren werden in der Salzwedeler Baumkuchenbäckerei Backwaren hergestellt. Doch angesichts der steigenden Preise bei Zutaten und Energie gerät das Unternehmen unter Druck. Auch wenn eine Insolvenz derzeit nicht ansteht, könnten Produktionslinien stillgelegt werden. Würde man alle Kosten auf die Kunden umlegen, müsste der Preis pro Kilo Baumkuchen von 43 Euro auf 120 Euro steigen.

Baumkuchen in der Salzwedeler Produktion
Steigende Preise gefährden die Produktion von Baumkuchen. (Symbolbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wegen hoher Rohstoffpreise und gestiegener Energiekosten erwägt die Geschäftsleitung der Salzwedeler Baumkuchen GmbH, zeitweise einzelne Produktionslinien stillzulegen oder ganz zu schließen. Eine Insolvenz, wie teilweise berichtet worden ist, stehe aber nicht an, versichert Geschäftsführerin Rosemarie Lehmann im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT. "Wenn wir bis Dezember nicht kalkulieren können, dann bedeutet das, dass ich entweder einige Produktionsstrecken schließe oder den Gesamtbetrieb."

Von einer Schließung wären insgesamt knapp 100 Mitarbeiter betroffen. "Uns geht es noch gut, aber das ist nur den Preisen geschuldet, die wir noch haben", macht Lehmann klar. Trotzdem würden schon jetzt deutliche Mehrausgaben anstehen. Für Rohstoffe gibt die Salzwedeler Baumkuchen GmbH 80 Prozent mehr aus als voriges Jahr, für die Verpackungen sogar 100 Prozent mehr.

Einsparungen sind kaum möglich

Auch die gestiegenen Energiekosten bereiten den Baumkuchenbäckern Sorgen, obwohl man schon optimiert habe, sagt Geschäftsführerin Lehmann. "Wir sind auf dem neuesten Stand der Technik, die man jetzt so einsetzen kann in der Bäckerei. Wir haben für alles eine Auswertung, sodass man den ganzen Ablauf entsprechend anpassen kann, und das haben wir auch schon gemacht in den letzten Monaten." Zum Beispiel seien die Öfen energieoptimiert, die ganze Elektrik sei auf LED umgestellt.

Inzwischen seien auch kaum noch Spielräume vorhanden, um die gestiegenen Preise an die Kunden weiterzugeben, sagt Lehmann. Schließlich sei Baumkuchen schon jetzt sehr teuer, rund 43 Euro sind aktuell pro Kilo fällig. Würde man alle Kosten auf die Kunden umlegen, hat die Geschäftsführung berechnet, müsste ein Kilo Baumkuchen 120 Euro kosten.

Politik muss eingreifen

Die Salzwedeler Baumkuchen GmbH gibt es schon seit 70 Jahren. Für die Produktion werden rund 800.000 Kilowattstunden Gas pro Jahr verbraucht. Mehr als ein Drittel davon verbrauchen allein die Öfen. Lehmann sieht deshalb die Politik in der Verantwortung. Gegen die steigenden Preise für Strom und Gas müsse ein Energiepreisdeckel her. In dieser Woche soll es deshalb Gespräche mit der Handwerkskammer und dem Wirtschaftsministerium geben.

Die Salzwedeler Baumkuchen GmbH hatte ihre Sorgen öffentlich gemacht. Doch auch andere Bäcker und Baumkuchenhersteller in Salzwedel sind von steigenden Kosten betroffen. In Salzwedel produziert neben der Salzwedeler Baumkuchen GmbH auch die Erste Salzwedeler Baumkuchenfabrik das Gebäck. Die Baumkuchenfabrik stehe ebenfalls nicht vor der Insolvenz, sagte die Geschäftsführerin MDR SACHSEN-ANHALT. Auch sie beklagt aber die aktuelle Unsicherheit und fordert Hilfe vom Staat.

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MDR (Katharina Häckl, Kevin Poweska, Hannes Leonard)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 19. September 2022 | 19:00 Uhr

31 Kommentare

R.Wagner vor 1 Wochen

Hallo, Ihr habt den Bundeswirtschaftsminister einfach nicht verstanden. Das Unternehmen wird nicht insolvent, sondern macht eine Produktionspause. Und die Mitarbeiter:innen haben dann Zeit für eine schöpferische Pause - zwar ohne Geld und ohne Warm - aber es ist doch alles nur vorübergehend. - Soweit hat dieser "hoch kompetente" Minister wirklich recht - bis endlich endgültig alles, aber auch alles platt ist.

Ich kann garnicht soviel essen, wie ich k...... muss.

Horst Hessel vor 1 Wochen

Das teure Gas kommt von den moralisch wertegeleiteten Guten, das preisgünstige von den Pösen aus der Taiga. Schon beim Gedanken an die Herkunft muss jedem das Blut in den Adern gefrieren also dann doch lieber an die Superdemokraten in Katar zahlen da ist schon von Haus aus warm.

Rotti vor 1 Wochen

Bei der eingegangenen Abhängigkeit und dem friedlichen Warenaustausch mit Russland hätte eine kluge und auf Volksinteressen ausgerichtete Regierung für Frieden gesorgt. Also die Eskalation in der Ukraine unterbunden. Jetzt begibt man sich in Abhängigkeit von Guantanamo oder Biden oder dem Selenski. Das ist auch nichts anderes.

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