Zugausfälle Eisenbahngewerkschaft kritisiert Personalpolitik der Deutschen Bahn

In Sachsen-Anhalt haben gerade Pendlerinnen und Pendler in den vergangenen Wochen häufig gelesen: "Zug enfällt". Die Deutsche Bahn sagt, das liege an einem hohen Krankenstand im Personal. Für die Eisenbahngewerkschaft ist das ein hausgemachter Skandal.

Durchgestrichenes Verkehrsschild Bahnübergang vor leeren Bahngleisen,
Die Landesvorsitzende der EVG, Janina Pfeiffer sagte: "Unsere Kolleginnen und Kollegen haben die Grenzen der Belastbarkeit überschritten." (Symbolbild) Bildrechte: imago images/Christian Ohde

In der Debatte um viele Zugausfälle in Sachsen-Anhalt hat die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) am Samstag Kritik an der Deutschen Bahn geübt. Es räche sich aktuell "die falsche Personalpolitik" der Deutschen Bahn AG sowie anderer Unternehmen, erklärte die Landesvorsitzende Janina Pfeiffer. "Nicht besetzte Stellwerke aufgrund von Krankheit sind ein echter Skandal, allerdings ein hausgemachter." Jahrzehntelang sei Personal abgebaut worden.

"Unsere Kolleginnen und Kollegen haben die Grenzen der Belastbarkeit überschritten", sagte Pfeiffer. "Störungen und Ausfälle im Bahnbetrieb sind unvermeidlich." Die Bemühungen für mehr Personal griffen bisher ins Leere und würden keine Entlastung bringen. Es werde deutlich, "dass es so nicht weiter gehen kann". Sie ergänzt: "Seit Monaten schruppen wir Eisenbahnerinnen und Eisenbahner Überstunden und Sonderschichten, verzichten alle auf Urlaub und arbeiten an freien Tagen."

Verkehrsministerin Hüskens kritisiert die Deutsche Bahn

Sachsen-Anhalts Verkehrsministerin Lydia Hüskens (FDP) hatte unter der Woche massive Kritik an der Deutschen Bahn wegen der vielen Zugausfälle geübt. "Das System Bahn konnte — verursacht durch die DB Netz AG — seine Systemrelevanz und Leistungsfähigkeit (...) nicht nachweisen", schrieb Hüskens in einem Brief an Bahn-Infrastruktur-Vorstand Berthold Huber.

Bereits seit Monaten häuften sich Streckensperrungen aufgrund nicht besetzter Stellwerke, führte Hüskens aus. Hauptsächlich betroffen sei die Achse Halle — Sangerhausen — Kassel mit täglich stundenweise Ausfallzeiten. Auch der Landrat des Landkreises Mansfeld-Südharz, André Schröder (CDU), hatte dringende Abhilfe gegen die Ausfälle im Zugverkehr gefordert.

Bahn-Begründung: "außergewöhnlich hohe Krankenstände"

Die Bahn begründete diese am Freitag mit "außergewöhnlich hohen Krankenständen". "Bei kurzfristigen Krankmeldungen — insbesondere beim Stellwerkspersonal — lassen sich diese leider auch durch eine flexible und vorausschauende Personalplanung nicht vollständig kompensieren", sagte eine DB-Sprecherin. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen will das Unternehmen in diesem Jahr rund 3.000 neue Beschäftigte einstellen.

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dpa, MDR (Johanna Daher)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 22. Oktober 2022 | 16:00 Uhr

10 Kommentare

hilflos vor 13 Wochen

Als die Bahn noch systemrelevant war, war die Haltung der Eisenbahner noch geprägt von Betriebsverbundenheit, Pflichterfüllung und Stolz. Das zeigte sich z. B im Berufsbeamtentum bei der Bahn. Das hatte z. B auch Einfluß aufs Streikverhalten! Beamte dürfen nicht streiken. Aber die guten Politiker und deren Helfer haben halt eine unorganisierte Würstchenbude erschaffen. Alles toll, wie Post, Krankenhäuser usw

Burgfalke vor 13 Wochen

Heute rechen sich über viele jahre die falschen Entscheidungen bzl. der Bahn durch unterschiedlichste Regierungen! Diese Fehlentwicklungen lassen sich nicht in wenigen Jahren beheben, egal wer da regiert!

Das nur an einzelnen Verkehrsministern festmachen zu wollen, ist falsch, denn es war stets gewollte Regierungspolitik. Alle haben weggesehen.

Südlich von D. wird in Österreich (Innsbruck)
u. Südtirol (Bozen?) ein wichtiges Bahnverkehrsprojekt realiesiert. Dieses Projekt ist in wenigen Jahren fertig. Man "bettelt", daß in D. die notwendigen Zulaufstrecken endlich gebaut werden. Nicht einmal die Planungen dafür sind fertig. Der Bau erfolgt dann Jahrzehnte später, obwohl der Brennertunnel dann längst fertig ist!

Basstian vor 13 Wochen

Scheuers Heimat Bayern war bis vor wenigen Jahren, vor allem im Süden, ein Diesellok-Dorado. Jetzt sind sie langsam aufgewacht und elektrifizierten. Aber z. B. Kempten (70 000 Einwohner) ist immer noch ein Paradies für die 50 Jahre alte DB-Baureihe 218 und andere Selbstzündertriebfahrzeuge.

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