Die Angeklagte Beate Zschäpe kommt am Dienstag (05.06.2018) im Landgericht in München zum 428. Verhandlungstag im NSU-Prozess.
Seit 2019 sitzt Beate Zschäpe in Chemnitz im Gefängnis. Das Oberlandesgericht München hatte sie zu lebenslanger Haft verurteilt. (Archivbild) Bildrechte: imago images / Sebastian Widmann

Befragung im Gefängnis Beate Zschäpe räumt vor Ausschuss Mitschuld an NSU-Morden ein

22. Mai 2023, 19:43 Uhr

Vor fünf Jahren wurde sie zu lebenslanger Haft verurteilt - nun hat Beate Zschäpe vor dem bayerischen NSU-Untersuchungsausschuss ausgesagt. Bis heute sind viele Fragen rund um die Rechtsterroristen offen. Mitglieder des Ausschusses waren am Montag im Chemnitzer Gefängnis, um Zschäpe zu befragen.

Der NSU-Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtags hat am Montag in der JVA Chemnitz die verurteilte Rechtsextremistin Beate Zschäpe vernommen. Die Zeugenvernehmung nahm etwa acht Stunden in Anspruch, sagte der Ausschussvorsitzende Toni Schuberl auf einer anschließenden Pressekonferenz. Erstmals habe Zschäpe persönlich umfassend Fragen beantwortet und sich kooperativ gezeigt, so Schuberl. Große, überraschende Aussagen Zschäpes habe man nicht erwartet, die habe es auch nicht gegeben. Ein Wortprotokoll der Vernehmung soll in absehbarer Zeit veröffentlicht werden, hieß es.

Bayern im Fokus der Befragung

Die Vernehmung am Montag war das erste Mal, dass sich Zschäpe seit dem Ende des Prozesses zu den Taten des NSU äußerte und das erste Mal überhaupt, dass sie direkt auf Fragen antwortete. Während ihres Prozesses hatte sie sich fast ausschließlich in schriftlichen Einlassungen geäußert und schriftlich auf Nachfragen geantwortet. Der bayrische Untersuchungsausschuss hatte mit der Vernehmung Zschäpes vor allem feststellen wollen, ob es ein Versagen bayerischer Behörden gab und ob der NSU Unterstützer in Bayern hatte. Letzteres habe Zschäpe verneint, so Schuberl. Diese Aussagen müssten nun ausgewertet und überprüft werden.

Zschäpe betont Mitschuld an Morden

Den Angaben zufolge habe Zschäpe einige Details preisgegeben, die so bisher nicht bekannt gewesen seien. So habe sie bestätigt, dass das Trio Hilfe beim Beschaffen einer zweiten Waffe hatte. Außerdem habe sie mehrfach deutlich eine Mitschuld an den Verbrechen eingeräumt. "Ich hätte es verhindern können, was ich nicht gemacht habe. Daher bin ich schuldig", wurde Zschäpe von den Ausschussmitgliedern zitiert. Sie habe das Leben ihrer Freunde Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt über das Leben der Unschuldigen gestellt.

Terrorzelle 2011 enttarnt

Die Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) bestand aus Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Das Trio war von 2000 an jahrelang mordend durch Deutschland gezogen. Ihre Opfer waren neun Gewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft sowie eine deutsche Polizistin. Mundlos und Böhnhardt verübten zudem zwei Bombenanschläge in Köln mit Dutzenden Verletzten. Die beiden töteten sich 2011, um ihrer Festnahme zu entgehen - erst damit war der NSU aufgeflogen.

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Lebenslange Haft für Zschäpe

Zschäpe, die einzige Überlebende des Trios, wurde 2018 nach mehr als fünf Jahren Prozessdauer als Mittäterin zu lebenslanger Haft verurteilt. Einen Beweis dafür, dass sie selbst an einem der Tatorte war, hatte es nie gegeben. Das Oberlandesgericht München stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat eine Revision Zschäpes im August 2021 verworfen. Sie verbüßt ihre Haftstrafe seit 2019 in der JVA Chemnitz.

MDR (ben/mina)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 22. Mai 2023 | 20:00 Uhr

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