Bundespräsident Erwartungen und Wünsche in Freiberg vor Steinmeier-Besuch

In seiner fünften "Ortszeit Deutschland" wird Frank-Walter Steinmeier für drei Tage seine Amtsgeschäfte von Freiberg aus führen. Der Bundespräsident will mit Menschen ins Gespräch kommen und an einer "Kaffeetafel kontrovers" mit den Menschen in Freiberg reden. Dabei soll es um die Solidarität mit der Ukraine gehen, um den Umgang mit den Folgen des Krieges, die wirtschaftliche Lage, die gestiegenen Lebenshaltungskosten und das Zusammenleben in der Stadt. Was erwarten die Freiberger vom Staatsoberhaupt?

Bundespräsident Steinmeier und Blick über die Stadt Freiberg
Der Tag vor dem Besuch des Bundespräsidenten ist für viele Freibergerinnen und Freiberger ein Tag wie jeder andere in der Vorweihnachtszeit. Bildrechte: MDR/Stephan Flad/imago images/Rainer Weisflog

Am Tag vor dem dreitägigen Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier geht es in Freiberg noch vorweihnachtlich beschaulich zu. Die Freiberger erledigen Einkäufe, viele zieht es auf den Weihnachtsmarkt. Von Vorfreude oder Aufgeregtheit wegen des politischen Besuchs ist nicht viel zu spüren.

Die Einwohner

Auf der Straße kann MDR SACHSEN kein repräsentatives Stimmungsbild einfangen. Die Meinungen der Passanten am Montag sind vielfältig. "Das ist mir egal. Er kann doch kommen", sagt ein Mann. Seine Ehefrau ergänzt: "Das interessiert mich eigentlich nicht."

Blick in eine belebte Fussgängerzone im vorweihnachtlichen Freiberg mit einem Renaissance-Erker.
Viele der zufällig Befragten in der Freiberger Burgstraße haben keine besonderen Erwartungen an den Besuch des Staatsoberhaupts. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Eine andere Passantin blickt skeptisch. "Hoffentlich bringt der Besuch etwas, wenn er nur für drei Tage hier ist." Eine andere Freibergerin freut sich. "Dass er sich in den kleinen Städten auch einmal sehen lässt und mit den Leuten in Kontakt kommt, finde ich schon in Ordnung."

Frank-Walter Steinmeier - Der Bundespräsident wurde am 5. Januar 1956 in Detmold/Kreis Lippe geboren. Er ist seit 1995 mit Elke Büdenbender verheiratet. Gemeinsam haben sie eine Tochter.

- Der Jurist und ehemalige Bundesaußenminister wurde am 12. Februar 2017 zum 12. Bundespräsidenten gewählt. Im Februar 2022 bestätigte die 17. Bundesversammlung ihn für eine zweite Amtszeit.

- Das Amt des Bundespräsidenten verkörpert die Einheit des Staates. Autorität und Würde dieses Amtes sollen auch darin zum Ausdruck kommen, dass es auf vor allem geistig-moralische Wirkung angelegt ist. Das Staatsoberhaupt ist im Vergleich zu anderen Organen möglichst unabhängig, insbesondere nicht verantwortlich im parlamentarischen Sinn. Quelle: Bundespräsidialamt

Die Geschäftsleute

Heike Wenige betreibt den "Taschenbuchladen" in der Stadt und ist vorsichtig optimistisch. "Wir freuen uns, dass er die Stadt besucht und ein Stimmungsbild vom Leben hier mitnimmt." Sie hofft, dass die Probleme, die die Menschen hier hätten, im Berliner Politikbetrieb mehr vorkämen.

Heike Wenige, Inhaberin "Taschenbuchladen" Freiberg
Heike Wenige hofft, dass die Freibergerinnen und Freiberger mit ihren Problemen stellvertretend für viele andere in Berlin vorkommen. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Andrea Gerlach von der gleichnamigen Goldschmiede möchte, dass der Bundespräsident ehrliche Eindrücke von der Region mit nach Berlin nimmt. "Schließlich haben wir hier eine kleinteilige Wirtschaft mit vielen Unternehmen, die weniger als zehn Mitarbeiter haben." Das wirke sich auch auf die Löhne aus, die gezahlt werden könnten. "Die niedrigen Löhne bringen in der derzeitigen Situation für viele Menschen hier viel härtere Einschnitte mit sich."

Andrea Gerlach, "Goldschmiede Gerlach" Freiberg
Andrea Gerlach von der "Goldschmiede Gerlach" in Freiberg hofft, dass der Bundespräsident ehrliche Eindrücke erhält. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Der Oberbürgermeister

Der parteilose Oberbürgermeister Sven Krüger freut sich, dass der Bundespräsident zu den Freiberger Bürgerinnen und Bürgern kommt. "Wir wissen selbst, dass in den vergangenen beiden Jahren nicht immer alles richtig war." Darüber zu urteilen, sei mit dem Wissen von heute auch leicht. "Daher ist es gut, das wir auch mit Vertretern unterschiedlicher politischer Gruppen an der 'Kaffeetafel kontrovers' die Möglichkeit haben, miteinander ins Gespräch zu kommen." So könne man für das nächste Mal lernen.

Sven Krüger, Oberbürgermeister der Stadt Freiberg
Oberbürgermeister Sven Krüger erhofft sich einen Dialog mit Vertretern unterschiedlicher politischer Gruppen. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Kaffeetafel kontrovers

Kaffeeklatsch soll es beim Gesprächsformat "Kaffeetafel kontrovers" am Mittwoch nicht geben. Vielmehr soll es um Russlands Krieg gegen die Ukraine, die wirtschaftliche Lage, gestiegene Lebenshaltungskosten und das Zusammenleben nach mehr als zwei Jahren Pandemie gehen - die Themenliste ist lang.

Pflegedienstleiterin Nathalie Heide von der AWO Freiberg wird dort ganz konkrete Anliegen ansprechen. "Die Pflege wird unbezahlbar." Das gelte sowohl für die Dienstleister, als auch für die Betroffenen. "Hier muss die Politik schnellstens handeln."

Die Vorsitzende des Gewerbevereins Freiberg, Anke Krause, will Frank-Walter Steinmeier auf die Corona-Folgen für die Einzelhändler ansprechen. "Ich hoffe, dass die Politik nachsteuert und die Einzelhändler mehr Zeit für die Tilgung der erhaltenen Kredite bekommen."

Anke Krause, Vorsitzende des Gewerbevereins Freiberg
Anke Krause, die Vorsitzende des Gewerbevereins Freiberg, hofft auf Erleichterungen für die Einzelhändler. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Neben der Diskussion bei der "Kaffeetafel kontrovers" hat Frank-Walter Steinmeier einen vollen Terminkalender beim dreitägigen Arbeitsbesuch in Freiberg. Er ist bei Unternehmen zu Gast, besucht eine Schule, die Bergakademie und trägt sich ins Goldene Buch der Stadt ein.

MDR (tfr/mwe)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Chemnitz | 05. Dezember 2022 | 16:30 Uhr

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