Ein Mann umarmt eine Frau.
Kerstin Täuber ist für die Bewohner des Regenbogenhauses die "Mume". Aus der Notunterkunft in der Büttenstraße müssen sie ausziehen. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Philipp Brendel

Obdachlose fühlen sich gehört Reden und zuhören nach jahrelangem Streit um Regenbogenhaus Zwickau

21. Februar 2024, 12:58 Uhr

Seit vielen Jahren gibt es Streit um die Zukunft des Regenbogenhauses in Zwickau zwischen Stadt und Betreiberin. Diese hatte zeitweise nur noch über ihre Anwälte kommuniziert. Die weitere Nutzung der Notunterkunft für Wohnungslose ist rechtlich untersagt. Der Streit kostete allen Beteiligten viele Nerven. Nun zeichnet sich Licht am Horizont des Konflikts ab.

Am Mittwochmorgen bekommt Kerstin Täuber ständig Nachrichten. Auch klingelt bei ihr immerzu das Telefon. Erste Bewohner ihrer Unterkunft für sozialbedürftige Wohnungslose seien angeblich in eine neue Unterkunft in der Zwickauer Erlmühlenstraße umgezogen. Das zumindest berichtet die Zeitung "Freie Presse". "Das stimmt nicht. Sie wohnen alle noch hier im Regenbogenhaus", sagt Täuber MDR SACHSEN aufgeregt und wütend. Die 63-Jährige ärgert sich über diese Meldung, gerade weil die jüngsten Gespräche mit der Stadt so gut liefen.

Die alte Baracke in der Büttenstraße, in der 26 sozial Bedürftige leben, darf aus rechtlichen Gründen und wegen Sicherheitsmängeln nicht weiter genutzt werden. Lange hatten sich Kerstin Täuber und die Bewohner gegen einen Umzug in eine neue Unterkunft gewehrt. Nun sei die selbstständige Betreuerin zuversichtlich: "Wir sind auf einem guten Weg."

Eine Frau schaut in die Kamera.
Nach vielen Streitigkeiten mit der Stadt könnte es nun eine Einigung mit der Betreiberin des Regenbogenhauses, Kerstin Täuber, geben. Sie zeigt sich zuversichtlich mit Blick auf die jüngsten Gespräche. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Philipp Brendel

Das wir hier weg müssen, haben wir begriffen.

Kerstin Täuber Betreiberin des Regenbogenhauses Zwickau

Am Dienstag sei Täuber zusammen mit allen Bewohnern in der Erlmühlenstraßen zur Besichtigung gewesen und habe Gesprächen mit Vertretern der Stadt geführt. "Ich war nach langer Zeit wieder richtig happy", sagt Täuber. Jahrelang hatte sie für die Zukunft der alten Notunterkunft gestritten. Nun sei aber die Lösung der Streitigkeiten wichtiger: "Das wir hier weg müssen, haben wir begriffen."

Umbauten sollen Einzug ermöglichen

Die 23 Männer und drei Frauen, die im Regenbogenhaus wohnen, hatten befürchtet, in den Wohnungen in der Erlmühlenstraße nicht mehr genug Privatsphäre zu haben. In der jetzigen Unterkunft hat jeder ein Einzelzimmer. In der Erlmühlenstraße müssten sich manche künftig jedoch ein Zimmer teilen. Deswegen sollen nun Umbauten geprüft werden, sagt Zwickaus Baubürgermeisterin Silvia Queck-Hänel. "Außerdem ist Barrierefreiheit dort nicht gegeben. Die müssen wir schaffen", betont sie.

Ein blockartiges Haus.
Die Männer und Frauen aus dem Regenbogenhaus sollen künftig in einem von zwei Wohnkomplexen in der Erlmühlenstraße wohnen. Dazu müssen die Wohnungen eventuell nochmal umgebaut werden. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Philipp Brendel

Queck-Hänel sprach nach eigenen Angaben jüngst mit den Bewohnern im alten Regenbogenhaus. "So ein Umzug ist ein riesengroßer Kraftakt", weiß die Baubürgermeisterin. Die Ängste der Männer und Frauen, von denen manche mehr als zehn Jahre in der Wohnbaracke leben, könne sie deswegen gut verstehen. Sie zeige Verständnis, wenn der geplante Umzug länger dauert.

So ein Umzug ist ein riesengroßer Kraftakt.

Silvia Queck-Hänel Baubürgermeisterin der Stadt Zwickau

Gleichzeitig bedauert Queck-Hänel, dass es die Stadt in den vergangenen Jahren versäumt habe, sich ernsthaft um die Anliegen und Sorgen der Regenbogenhaus-Bewohner zu kümmern. "Nun sind wir in guten Verhandlungen", sagt die Baubürgermeisterin.

Männer und Frauen in einer Unterkunft für Wohnungslose.
Die Bewohner des Regenbogenhauses haben ihre Wohnbaracke in der Büttenstraße liebgewonnen. Doch das Gebäude ist desolat und entspricht nicht mehr den Brandschutzbestimmungen. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Philipp Brendel

Stadt organisiert Notunterkünfte neu

Die Stadt Zwickau will zusammen mit der Diakonie Westsachsen die Notunterkünfte für wohnungslose und sozial bedürftige Menschen neu organisieren und in der Erlmühlenstraße konzentrieren. Derzeit sind diese noch im ganzen Stadtgebiet verteilt. Ziel sei es, die Betreuung Tag und Nacht zu ermöglichen, erklärt Baubürgermeisterin Queck-Hänel. Aktuell sei nur eine Nachtbetreuung möglich. "Die Notunterkunft in der Planitzer Straße entspricht auch nicht mehr den notwendigen Bedingungen", sagt sie.

Deswegen soll diese perspektivisch in die Erlmühlenstraße umziehen. Die vorgesehenen Gebäude sollen dafür noch saniert werden. Für die Bewohner des Regenbogenhauses ist der Umzug in einen bereits sanierten Wohnkomplex in der gleichen Straße geplant. Queck-Hänel betont, dass sich Zwickau nicht aus der Betreuung wohnungsloser Menschen zurückzieht. Vielmehr soll diese Aufgabe künftig die Diakonie Westsachsen übernehmen. Der Träger werde dabei finanziell von der Stadt unterstützt. Dem Konzept für die Neuorganisation der Notunterkünfte muss der Zwickauer Stadtrat am 29. Februar noch zustimmen.

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