Viele Besucher in einer alten Sägemühle.
Großer Andrang in der Schauwerkstatt der Herklotzmühle. Hier haben die Besucher erfahren, wie Holz aus den nahen Erzgebirgswäldern früher verarbeitet wurde. Bildrechte: MDR/Philipp Brendel

Mühlentag Großer Andrang und große Sorgen in der Herklotzmühle bei Altenberg

20. Mai 2024, 18:02 Uhr

Zum Mühlentag haben zahlreiche Denkmale mit ihrem wertvollen technischen Erbe geöffnet. In der Herklotzmühle im Osterzgebirge erfahren Besucher nicht nur viel über die Arbeit in der alten Sägemühle, sondern auch manches über die Sagenwelt der Region.

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Die Wiesen sind nass vom Regen. Kühle Frische liegt in der Nase. Und von weitem poltern schon die nächsten Donner. Trotz der kurzen Regengüsse steht eine lange Besucherschlange an der Herklotzmühle, um einmal ins Innere der Sägemühle von 1588 zu schauen.

Während Hornmusikanten zur Eröffnung musizieren, begrüßt der Mühlengeist gleich am Eingang die Gäste. Malte ist zusammen mit seinen zwei Brüdern und Papa Michael aus Radeberg hierher gekommen. "Ich finde den Geist toll, weil er uns Süßigkeiten gegeben hat", sagt der Sechsjährige.

Ein Mann, drei Jungen und ein als Geist kostümierter Mann schauen in die Kamera.
Michael und seine drei Söhne sind gleich am Eingang vom Mühlengeist mit etwas Süßem begrüßt worden. Bildrechte: MDR/Philipp Brendel

Geräte aus Großmutters Zeiten

Neben Malte schnauft auf einmal ein Traktor vor sich hin, auf einem Anhänger rattern verschiedenste Gerätschaften aus Großmutters Zeiten. "Wir haben hier typische Geräte, die es früher auf einem Bauernhof gab", erklärt Robert Fuchs von den Alttraktoren-Freunden Weisseritzkreis.

Ein Mann steht an einem alten technischen Gerät und lächelt in die Kamera.
Der Antrieb von Waschmaschinen durch ein Wasserrad konnte es den Hausfrauen schon vor 100 Jahren einfacher machen, erklärt Robert Fuchs. Bildrechte: MDR/Philipp Brendel

Die Maschinen werden über Lederriemen angetrieben, die Kraft kam früher von einem Wind- oder Wasserrad, wie das in der Mühle, erklärt Fuchs. Er zeigt auf ein altes Butterfaß und einen Separator, mit dem Milch und Sahne getrennt wurden. Daneben geht der Hebel einer Wasserpumpe ohne jeden Handgriff in die Höhe, Wasser fließt unentwegt heraus. In einer alten Waschmaschine flitzen Stäbe im Kreis.

Eine Menschenschlange an einer alten Mühle.
Zum Mühlentag kommen jährlich bis zu 1.300 Besucher zur Herklotzmühle. Bildrechte: MDR/Philipp Brendel

Vom großen Mühlrad fasziniert

Julius ist fasziniert von dem wilden Spiel der alten Geräte. Er, sein Bruder Dominik und Mama Isabel hatten wohl den kürzesten Weg von allen Besuchern. "Wir sind hier aus Seyde und wollten uns die Herklotzmühle mit ihren alten Gerätschaften anschauen", erzählt Isabel Altwein. Unterhalb der Sägemühle zeigt Julius auf eine große, runde Holzkonstruktion. "Das große Mühlenrad finde ich auch super", sagt er. Auch wenn das Rad seit Längerem stillsteht.

Eine Frau und zwei Jungen schauen in die Kamera.
Isabel, Julius und Dominik Altwein kommen ganz aus der Nähe aus Seyde. "Ich finde das Mühlrad klasse", sagt Julius. "Und ich finde die alten Geräte cool", sagt Dominik. Bildrechte: MDR/Philipp Brendel

Verein bangt um technisches Denkmal

Das habe seinen Grund, erklärt Matthias Herklotz. Sein Großvater habe die Mühle vor knapp 100 Jahren gekauft, sein Vater sie bis 1992 betrieben. Zusammen mit dem Förderverein Herklotzmühle habe Matthias Herklotz das technische Denkmal danach vor dem Verfall gerettet.

Doch nun bangt der Verein um die Wiederinbetriebnahme des historischen Wasserrads, erklärt Herklotz: "Die Wasserradwelle von 1936 fault von einer Seite aus weg. Jetzt stehen wir da und können unsere denkmalgeschützte Wasserkraftanlage nicht betreiben."

Menschenschlange an einer alten Mühle
Die Sägemühle bei Altenberg gibt es an dieser Stelle seit mehr als 400 Jahren. Bildrechte: MDR/Adam Beyer

Eine neue Wasserradwelle schlägt mit 40.000 Euro zu Buche, erklärt Herklotz. 25.000 Euro würde der Denkmalschutz geben, das restliche Geld müsse der Verein aber selbst aufbringen, sagte er. Dabei laufe die Zeit davon, da die Fördermittelzusage nur bis Ende Mai gelte. Deswegen werden auch am Mühlentag fleißig Spenden gesammelt. "Es wird sehr schwer, alles aufzubringen, aber wir wollen es versuchen", sagt Herklotz.

Wie der Baum zum Brett wird

In der Sägemühle können sich die Gäste den Weg vom Baum bis zum fertig geschliffenen Brett anschauen. Inmitten einer großen Besuchermenge steht Matthias Herklotz an der Sägemaschine. Als die Sägeblätter mit lautem Quitschen einen dicken Baumstamm in mehrere lange, grobe Bretter zerteilen, halten sich zwei Jungen die Ohren zu.

Ein Mann steht an einem alten technischen Gerät und lächelt in die Kamera.
Matthias Herklotz erklärt, wie die Sägemaschine funktioniert. Hier werden dicke Baumstämme ganz fix zu schlanken Brettern. Bildrechte: MDR/Adam Beyer

Doch sie bleiben weiter an der großen Maschine stehen und schauen mit großen Augen zu. Auch Sophia fand es ganz schön laut, aber auch spannend. "Wir haben auch gesehen, wie das Holz gehobelt wurde. Da sind echt viele Sägespäne herumgeflogen", sagt die Neunjährige.

Ein Mann, eine Frau, ein Junge und ein Mädchen lächeln in die Kamera.
Mit Oma Anita und Opa Martin haben sich Sophia und Rafael in der Herklotzmühle angeschaut, wie hart die Arbeit früher in einer Sägemühle war. Bildrechte: MDR/Philipp Brendel

Weitere Öffnungstermine für Interessierte

Neben vielen technischen Einblicken können die Besucher am Mühlentag in einer Schaubrennerei der Gin-Herstellung zuschauen oder die Kinder beim Mühlenquiz rätseln. Wer es am Mühlentag verpasst hat, die Herklotzmühle zu besuchen, muss nicht traurig sein. Jeden ersten Sonnabend im Monat öffnet die Mühle für Interessierte. Zudem öffnen sich die Türen jährlich zum Tag des offenen Denkmals im September und zum Tag des traditionellen Handwerks im Oktober.

MDR (abe)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 20. Mai 2024 | 19:00 Uhr

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