Bergbaude Panoramahöhe
Marco Standke und Kater Paul wärmen sich im Gewächshaus auf. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Berggießhübel Aufwärmen im Gewächshaus: Ein Jahr nach dem Brand auf der Panoramahöhe

17. Januar 2024, 05:00 Uhr

Die Bergbaude auf der Panoramahöhe am Rande des Elbsandsteingebirges ist vor gut einem Jahr komplett abgebrannt. Familie Standke, die hier in vierter Generation lebt, möchte ihr Haus wieder aufbauen. Doch das ist gar nicht so einfach, was auch an der deutschen Bürokratie liegt.

Wenn der eiskalte Wind zu arg über die Panoramahöhe bläst, geht Marco Standke ins Gewächshaus. Dort wirft er ein paar große Holzscheite in einen winzigen Kachelofen und hält seine Hände darüber. Unterdessen dröhnen die Böen und suchen sich ihren Weg durch den kargen Wald und über die Bergkuppe.

"Von November bis Februar ist das hier so", sagt der 35-Jährige. Am Tag des Brandes im Dezember 2022 habe ein richtiger Sturm geherrscht, mit heftigen Querwinden, erzählt er. In nur einer halben Stunde hatte sich das Feuer einen wilden Weg von der Heizungsanlage im Erdgeschoss des Hauses bis zum Dachstuhl gefressen. "Mein Vater versuchte erst noch, mit dem Feuerlöscher zu löschen, keine Chance", erinnert sich Marco Standke und streicht dem roten Kater Paule über den Kopf, der mauzend ein Schälchen Milch einfordert.

Im Gewächshaus dudelt leise das Radio, auch ein Fernseher steht in der schmalen Behelfsunterkunft, dazwischen jede Menge Kartons. Die Pflanzen mussten weichen.

Seit einem Jahr kein Heim mehr

Draußen im eisigen Wind liegen Fundamentsteine auf kleinen Sandhügeln. An einigen Stellen geht es abrupt in ein Kellerloch. Das sind die letzten Überreste von der Bergbaude Panoramahöhe. Es war das Heim der Familie Standke mit Marco in vierter Generation und auch ein Ausflugsziel für Wanderer und Spaziergänger. "Hier war doch irgendwo die Bergbaude", sei Marco Standke in den vergangenen Monaten angesprochen worden. "Ja genau hier, Sie stehen fast darauf", habe er dann sagen müssen.

Bergbaude Panoramahöhe
Die Bergbaude "Panoramahöhe" war im Dezember 2022 abgebrannt, der Schutt wurde im April 2023 geräumt. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Seit mehr als einem Jahr hat Familie Standke kein Haus mehr. Marcos Eltern behelfen sich unter anderem mit einer Ferienwohnung. Der 35-Jährige pendelt zwischen der Wohnung seiner Freundin in Dresden und der Baustelle Bergbaude hin und her. Rund eine Million Euro kostet laut Marco Standke der Wiederaufbau. Weil die Versicherung für das abgebrannte Haus aus den 1950er-Jahren nur den Zeitwert gezahlt hat, seien Kredite nötig.

Warten auf die Baugenehmigung

Doch das wäre alles nicht so schlimm, wenn es vorwärts ginge, meint der 35-Jährige. Seit April vergangenen Jahres sind die Überreste des abgebrannten Hauses geräumt. Seit Mai warten er und seine Eltern auf die Baugenehmigung zum Wiederaufbau. Die Mitarbeiter in den Behörden seien verständnisvoll, aber über die vielen Vorschriften stöhnt der Berggießhübler. "Du rennst nur von Behörde zu Behörde, um herauszufinden, was du alles nicht darfst."

Zum Beispiel müsse beim Wiederaufbau der Dachstuhl extra verstärkt werden, zum Schutz vor umfallenden Bäumen. "Obwohl kein Baum in Reichweite ist - was für ein Wahnsinn!", ruft Marco Standke aus. Er nehme es aber mit Humor. Seinem Vater hingegen sei das Lachen vergangen.

Marco Standke würde sich wünschen, dass die Mitarbeiter in den Ämtern ihren Ermessensspielraum nutzen würden. Dann würde einiges schneller gehen und sich nicht so viel im Kreis drehen. "Aber man möchte sich ja nicht verantwortlich machen. Wenn man sagt, 'ich habe das so entschieden', ist man dafür haftbar in Deutschland."

Zisterne für Löschwasser soll her

So gibt es auch noch keine Lösung fürs Löschwasser. Das Feuer hatte im Dezember 2022 ganze Arbeit leisten können, denn mangels Löschwasser musste die Feuerwehr zeitraubend mit Tankwagen heranfahren. Eine Zisterne soll deshalb her, doch die Standortfrage konnte bislang nicht geklärt werden.

Um überhaupt das Haus wieder aufbauen zu können, will Marco Standke auf dem Spielplatz der abgebrannten ehemaligen Gaststätte eine Zisterne aus Säcken platzieren. Das sehe doof aus, weshalb er hoffe, dass es eine Übergangslösung werde.

Bergbaude Panoramahöhe
Weil Löschwasser fehlte, ließ sich das Feuer auf der Panoramahöhe nicht eindämmen. Eine Zisterne aus Wassersäcken wäre eine Lösung. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Dreimal musste Familien Standke ihren Antrag auf Wiederaufbau ändern. Dass der Ersatzneubau, wie es im deutschen Gesetz heiße, so viele Hürden mit sich bringe, hatte Marco Standke nicht erwartet, wie er sagt.

Er wollte ursprünglich im vergangenen September mit dem Bau starten. Aktuell hofft er, dass die Baugenehmigung im Januar kommt: "Damit wir im März ausheben können, Bodenplatte machen, mauern und dann gucken, was vor dem Winter noch geht." Dann könnte es noch klappen, im Sommer 2025 einen Imbiss mit Toiletten auf der Panoramahöhe anzubieten.

Bismarckturm ist für Besucher offen

Marko Standke liebt die Panoramahöhe und möchte unbedingt die Bergbaude als Familienbetrieb erhalten. Die Gastwirtschaft, die zuletzt nicht mehr lief, will er Stück für Stück wieder aufbauen. "Mein Traum ist, dass hier oben die fünfte Generation aufwächst."

Blick von unten nach oben - Bismarkturm, Bergbaude Panoramahöhe
Zwischen 10 und 18 Uhr ist der Bismarckturm offen und seine Aussichtsplattform kann betreten werden. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Trotz der widrigen Umstände ist der Bismarckturm auf der Panoramahöhe für Wanderer zugänglich. Vor dem Brand hatten Besucher bei den Standkes am Haus geklingelt und gegen ein Eintrittsgeld den Turmschlüssel erhalten. Jetzt - da es weder Klingel noch Haus gibt - wird der grau-grüne Aussichtsturm aus Granitstein täglich früh auf- und abends zugeschlossen. Hinter der Eingangstür im Turm hängt ein weißer Briefkasten als "Kasse des Vertrauens". 104 Stufen geht es den engen Treppenaufgang hinauf auf eine kleine Plattform mit Bank und Aussicht auf die Sächsische Schweiz und die Festung Königstein.

Panoramahöhe * Es handelt sich um eine 439 Meter hohe Erhebung bei Berggießhübel.
* 1900 ließ der Geheime Kommerzienrat Carl Eschebach einen 26 Meter hohen Aussichtsturm aus Granit zu Ehren des Kanzlers Otto von Bismarck errichten.
* Zeitgleich entstand eine erste Gastwirtschaft.
* In den 1930er-Jahren ging der Turm in den Besitz der Stadt Berggießhübel über.
* Familie Standke lebt mittlerweile in vierter Generation auf der Panoramahöhe und betreut als Pächter den Bismarckturm.
* Von 2017 bis 2019 war die Gastwirtschaft der Bergbaude nur noch an Wochenenden auf.
* Dann kamen die Corona-Pandemie und der Brand. Die Bergbaude ist damit das dritte Mal abgebrannt; zwei Feuer gab es davor um 1900 und in den 1940er-Jahren.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Dresden | 17. Januar 2024 | 14:30 Uhr

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