Ein Mann mit Bart steht in einem Wohncontainer.
Magnus Hecht ist Geschäftsführer des Vereins Afropa, Betreiber einer Geflüchtetenunterkunft in Dresden-Johannstadt. Bildrechte: MDR/Micha Steinwachs

Migration Wohnungsnot: Neue Wohncontainer für Geflüchtete in Dresden betriebsbereit

09. Januar 2024, 12:22 Uhr

Für 2024 erwartet Dresden weiterhin eine hohe Zahl an Geflüchteten. Innerhalb weniger Monate hat die Landeshauptstadt nun mehrere Wohncontainer-Dörfer errichtet, die bald in Betrieb genommen werden. Einer der Standorte wird von einem Verein mit spezieller Perspektive betrieben.

Dresden wird ab kommender Woche sechs Containerstandorte für Geflüchtete in Betrieb nehmen. Zuvor wurde lange darüber im Stadtrat gestritten, vergangenen Mai fiel der Entschluss für die Container.

Platz für insgesamt 500 Menschen

"Die mobilen Wohneinheiten bieten Platz für rund 500 Menschen. Sie sind sehr wichtig, um unserer Pflichtaufgabe der Unterbringung geflüchteter Menschen nachzukommen", sagt die Dresdner Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke). Alle Kommunen und Städte in Sachsen müssen die von der Landesdirektion zugeschriebenen Geflüchteten unterbringen - so auch Dresden.

An sechs Standorten gibt es dafür nun neue Container. In den Stadtteilen Gorbitz, Seidnitz, Trachau und Johannstadt sollen alleinstehende Asylbewerber unterkommen. Zwei weitere Unterkünfte in Niedersedlitz und Strehlen bieten Platz für Familien. Die Öffnung der neuen Container kommt rechtzeitig. Denn bis April laufen Kontingente für Hotelzimmer aus, in denen die Stadt zurzeit Menschen beherbergt. 200 weitere Personen müssen dann neue Unterkünfte finden.

Auf einem Platz stehen mehrere Wohncontainer.
Im Container-Dorf in Dresden-Johannstadt sollen 65 Geflüchtete unterkommen. Bildrechte: MDR/Micha Steinwachs

Dresden rechnet 2024 mit mehr als 2.000 Geflüchteten

Als eine Art Notsituation beschreibt Sozialbürgermeisterin Kaufmann die Unterbringung von schutzsuchenden Menschen in der Stadt. Auch in diesem Jahr erwartet sie, etwa so viele Menschen unterbringen zu müssen wie im vergangenen Jahr. Die Stadt rechnet mit etwa 2.200 Personen, die im Jahr 2024 in Dresden Schutz suchen werden. Mit den neuen Containern will sie vermeiden, auf große Sport- oder Messehallen zurückgreifen zu müssen.

"Das ist kostspielig und das möchten wir den Geflüchteten auch nicht zumuten. Mit den Containern kann es gelingen, keine weiteren Notunterkünfte aufzubauen", so Kaufmann. Für maximal 24 Monate dürfen die Geflüchteten laut Stadtratsbeschluss in den Containern leben. Spätestens dann sollen sie in Wohnungen oder feste Unterkünfte umziehen. Sozialbürgermeisterin Kaufmann schließt aber nicht aus, dass einige der Container länger betrieben werden könnten. Dafür braucht es aber einen neuen Stadtratsbeschluss.

Geflüchteten-Verein betreibt einen Containestandort

In Containern am Sachsenplatz in Dresden-Johannstadt werden 65 geflüchtete Männer unterkommen. Betrieben wird die Unterkunft vom Verein Afropa. Die Migrantenorganisation ist erstmals als Betreiber von Unterkünften aktiv. Sie hat auch die Leitung für die Container in der Industriestraße in Trachau übernommen.

Viele von unseren Vereinsmitgliedern sind selbst geflüchtet. Das ist eine besondere Perspektive, die wir in die Arbeit an den beiden Standorten einbringen.

Magnus Hecht Geschäftsführer Verein Afropa

Geschäftsführer Magnus Hecht sagt, der Verein gebe eine besondere Perspektive, weil darin viele Vereinsmitglieder arbeiteten, die selbst selbst geflüchtet sind. Die Johanniter und der Caritasverband sind Betreiber der übrigen neuen Wohneinheiten. In der Woche ab dem 15. Januar ziehen die ersten 170 Personen in die neuen Container ein.

MDR (mad)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden | 09. Januar 2024 | 07:30 Uhr

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