Ein Mann steht in Handschellen neben einem Polizisten.
Die Zahl der Straftaten in Thüringen hat sich erhöht. Aufgeklärt wurden insgesamt weniger Fälle. Bildrechte: picture alliance/dpa | Johannes Neudecker

Kriminalstatistik Kriminalität in Thüringen steigt: Mehr Diebstähle und Drogenfunde

08. April 2024, 14:36 Uhr

Die Zahl der Straftaten in Thüringen ist 2023 gestiegen. Das geht aus der polizeilichen Kriminalstatistik hervor. Die politisch motivierte Kriminalität verharrt auf hohem Niveau.

Die Zahlen, die Innenminister Georg Maier (SPD) am Montag vorstellt, sind ernüchternd. Im vergangenen Jahr hat es in Thüringen 150.457 erfasste Straftaten gegeben. Das sind rund 14.500 Fälle mehr als im Jahr davor. Im Jahr 2022 zählte das Landeskriminalamt, das für die polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) Thüringens zuständig ist, noch knapp 134.000 Fälle. Die aktuelle Zahl für 2023 ist der deutlichste Anstieg von Kriminalität im Freistaat in den vergangenen fünf Jahren.

Die Zahl der Verdächtigen ist mit mehr als 57.000 leicht gestiegen, unter ihnen zählte die Polizei rund 15.600 nicht deutsche Tatverdächtige, was einen Anteil von über 27 Prozent an der gesamten Zahl ausmacht. Darunter sind knapp 4.000 ausländische Tatverdächtige, die im Verdacht stehen, gegen das Asylrecht verstoßen zu haben.

Pandemie-Jahre haben möglicherweise Einfluss auf Kriminalität

Die Experten des LKA gehen in ihrer Analyse davon aus, dass die Gründe für den Anstieg unter anderem auch in den Pandemie-Jahren zu suchen sein könnten. Durch die massiven Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit im öffentlichen Raum könnte es in diesen Jahren zu weniger Kriminalität gekommen sein. Nun funktioniert das öffentliche Leben wieder - und das könnte ein Grund für den Anstieg der Zahlen sein.

Zudem hatte es in der Thüringer Polizei in den vergangenen Jahren eine Umstellung im Fallerfassungsprogramm gegeben. Dabei könnte es auch zu statistischen Fehlstellen gekommen sein, die eine geringe Kriminalitätsquote ausgewiesen haben könnte.

Weniger aufgeklärte Fälle in Thüringen

Trotz dieser Erklärungsversuche bleibt der deutliche Anstieg der Zahlen. Dem gegenüber steht aber keine gestiegene Aufklärungsquote. Im Gegenteil: Sie ist laut der aktuellen PKS mit 61,9 Prozent knapp um 1,3 Prozentpunkte gesunken. So stehen den rund 150.500 Straftaten knapp 93.100 aufgeklärte Fälle gegenüber. Zum Vergleich: Im Jahr 2022 wurden über 63 Prozent der 134.000 Straftaten durch die Thüringer Polizei aufgeklärt.

Prinzipiell ist bei der polizeiliche Kriminalstatistik aus dem Jahr 2023 ein Anstieg in fast allen Kriminalitätsfeldern zu sehen, vor allem eine hohe Zahl an Diebstählen. In diesem klassischen Kriminalitätsfeld wurden rund 40.000 Diebstähle erfasst, dass waren knapp 6.500 Fälle mehr als im Vorjahr. Auch bei Straftaten im Bereich von Sexualdelikten hat es einen signifikanten Anstieg gegeben.

Sexualdelikte nehmen zu

So wurden 2023 über 3.200 Fälle von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, wie es juristisch korrekt heißt, registriert. Damit ist diese Zahl in den letzten fünf Jahren immer weiter angestiegen. 2019 wurden noch 1.830 Fälle in diesem Bereich registriert. Den deutlichsten Anstieg hat es im Bereich der Kinderpornografie gegeben. Hier wurden 2023 rund 1.340 Fälle erfasst. Zum Vergleich: 2019 waren es noch rund 300.

Neue Methoden der Ermittler und Funde im Darknet

Allerdings bedeutet das nicht, dass es vor fünf Jahren weniger solcher Fälle gab. In den vergangenen Jahren haben sich die Ermittlungsmethoden der Fahnder verändert. Durch engere internationale Zusammenarbeit sind in den vergangenen Jahren große Internetplattformen im Darknet von den Ermittlern gefunden und geschlossen worden. Daraus hatten sich Hinweise auf zehntausende Tatverdächtige in ganz Deutschland ergeben, die sich solches Material besorgt hatten.

Auch die Thüringer Polizei ist in diese Ermittlungen eingebunden und deckt immer mehr dieser Fälle auf. Im gesamten Bereich der Sexualdelikte lag die Aufklärungsquote bei rund 83 Prozent. Es wurden knapp 2.300 Tatverdächtige gefasst, davon waren 370 nicht deutsche Tatverdächtige.

Ebenfalls gestiegen ist die Zahl der Gewaltkriminalität. So wurden im vergangenen Jahr rund 4.400 Fälle erfasst, im Jahr davor waren es noch knapp 4.000. Die Aufklärungsquote in diesem Bereich lag bei über 82 Prozent und es konnten rund 4.100 mutmaßliche Täter ermittelt werden, davon waren waren rund 1.260 nicht deutsche Tatverdächtige.

Hunderte Kilo mehr Drogen gefunden

Im Bereich der Drogenkriminalität hat sich die Zahl mit rund 10.000 erfassten Fällen im Vergleich zum Vorjahr kaum geändert. Was aber massiv angestiegen ist, ist die Zahl der Drogenfunde. So wurden im Jahr 2023 fast 320 Kilo Marihuana gefunden, im Vorjahr waren es noch knapp 100 Kilogramm. Während 2022 noch knapp 900 Gramm Kokain durch die Fahnder sichergestellt werden konnten, waren es im vergangenen Jahr 2,7 Kilogramm.

Massiv war auch der Anstieg der Funde bei Methamphetamin, was in der Regel die Droge Crystal Meth ist. Hier wurden im vergangenen Jahr in Thüringen fast 45 Kilogramm sichergestellt, im Jahr davor waren es knapp 17 Kilogramm. Der Marktwert bei den gefundenen Drogen in Thüringen dürfte in die Millionen gehen.

Politisch motivierte Kriminalität: 3.097 Fälle in Thüringen

Neben der Polizeiliche Kriminalstatistik hat Innenminister Georg Maier am Montag auch die Statistik zur politisch motivierten Kriminalität in Thüringen vorgestellt. In diesem Bereich verharrt der Quote im Vergleich zum Vorjahr auf gleichbleibend hohem Niveau.

Was ist mit "politisch motivierter Kriminalität-ausländische Ideologie-" gemeint?

Der "politisch motivierten Kriminalität-ausländische Ideologie-" werden laut Bundeskriminalamt Straftaten zugerechnet, wenn es bei der Tat und/oder dem Motiv Anhaltspunkte dafür gibt, dass aus dem Ausland stammendes Denken entscheidend für eine Straftat war. Vor allem wenn das Ziel der Tat sein soll, Verhältnisse im Ausland zu beeinflussen. Gleiches gilt, wenn aus dem Ausland heraus Verhältnisse und Entwicklungen in der Bundesrepublik Deutschland beeinflusst werden sollen. Die Staatsangehörigkeit der Täter ist nach Angaben des BKA unerheblich. 

So wurden 3.097 Fälle erfasst, im Jahr davor waren es noch rund 3.160 Fälle von politisch motivierter Kriminalität in Thüringen. Der Bereich Rechtsextremismus bleibt in Thüringen weiterhin der mit der höchsten Zahl. So wurden über 1.800 Straftaten in diesem Phänomenfeld von der Polizei registriert. Was einen weiteren Anstieg von rechten Straftaten in Thüringen bedeutet: 2022 waren es mehr als 1.500 Fälle.

Auch der Bereich Linksextremismus hat weiter zugenommen. Die Ermittler registrierten 444 Fälle im vergangenen Jahr. In 2022 waren es rund 350. Im Bereich religiös motivierte Straftaten, was in der Regel den politischen und gewaltbereiten Islamismus umfasst, hat es einen Anstieg von 14 auf 22 Fälle in Thüringen zwischen 2022 und 2023 gegeben.

"Propagandadelikte" am stärksten gestiegen

Am stärkten angestiegen sind vor allem die sogenannten Propagandadelikte. Hier wurden über 1.130 Fälle registriert. Im Vergleich zum Vorjahr, da waren es 964 Fälle. Dabei geht es vor allem um das Verbreiten von Propagandamitteln verfassungswidriger und terroristischer Gruppen sowie das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Dazu zählen unter anderem Symbole des Nationalsozialismus oder das Verbreiten von Neonazimusik. Zurückgegangen ist in Thüringen die politisch motivierte Gewaltkriminalität. Da wurden 2022 noch über 260 Fälle gezählt, im vergangenen Jahr waren rund 100 Fälle weniger.

Der Anteil der Tatverdächtigen lag mit rund 2.100 leicht unter dem Niveau des Vorjahres. Über 1.200 Tatverdächtige und damit mehr als die Hälfte, waren im Bereich Rechts festzustellen. Rund 400 Tatverdächtige konnten im Phänomenbereich Links ermittelt werden. In fünf Fällen wurde wegen Terrorismusverdachts im islamistischen Bereich ermittelt. Das waren vier Fälle weniger als 2022.

Statistik sagt nichts über Verfolgung der Straftaten aus

Polizeiliche Kriminalitätsstatistiken sind immer Datensammlungen aller bei der Polizei erfassten Straftaten. Dem gegenüber werden alle Fälle gestellt, bei denen die Polizei einen Tatverdächtigen ermittelt hat, der in einer entsprechenden Verfahrensakte erfasst ist.

Die Statistik sagt nichts darüber aus, wie die Fälle dann im Bereich der Justiz weiter verfolgt werden. Also ob die Verfahren von Staatsanwaltschaften oder Gerichten eingestellt wurden. Oder in welchen Fällen es zu einer Anklage oder am Ende zu einer Verurteilung gekommen ist, die eine Tat dann auch strafrechtlich bestätigt.

Mehr zur Kriminalität in Thüringen, Mitteldeutschland und bundesweit

MDR (lou)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 08. April 2024 | 14:00 Uhr

159 Kommentare

Wessi vor 9 Wochen

Nö @ wodiho...Sie haben unbelegt behauptet, daß Deutsche (also, das Volk das industrielle Menschenvernichtung zu verantworten hat) nicht so leicht zum Messer griffen.Einem "Verfolgten der 2.Generation" "Schaum vor dem Mund" vorzuhalten, spricht gegen mutmaßliche Enkel des Tätervolkes.

Wessi vor 9 Wochen

Das wichtigste in unserem Land ist haargenau die Unschuldsvermutung @ dimehl. Wenn Sie das auf Menschen anderer Ethnie nicht angewendet sehen wollen, gehören Sie nicht in dieses System.Sie sind kein Demokrat.Es sind Menschen, nicht "irgendwelche Ausländer"...mit dieser Einstellung hat die "Herrenrasse" genügend Unheil angerichtet.

dimehl vor 9 Wochen

Dies ist eine Frage der Gewichtung.
Was ist wichtiger:
die Sicherheit der einheimischen Bevölkerung oder die Unschuldsvermutung bei Menschen, die ohnehin, auch ohne den Aspekt möglicher Straftaten, in Folge eines rechtsstaatlichen Verfahrens dieses Land wieder verlassen müssen.
Zumal: Abschiebegewahrsam / Abschiebehaft sind hierzulande schon heute rechtlich geregelt und möglich.
Da ich zur einheimischen Bevölkerung gehöre, ist mir persönlich meine Sicherheit wichtiger als die Unschuldsvermutung bei Menschen, die über besser kurz als lang in irgendeinen anderen Teil der Welt zurückgebracht werden.
In umgekehrter Konstellation würde ihre Gewichtung in Bezug auf meine Person genauso ausfallen.

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