Landespolitik Thüringer FDP will nach AfD und Linken auch nicht mit Grünen Koalition bilden

11. Juni 2023, 08:23 Uhr

Viele Partner bleiben nicht: Thüringens FDP-Chef Kemmerich will mit Linken, AfD oder mit den Grünen keine Regierungskoalition bilden. Die FDP selbst muss um den Wiedereinzug in den Thüringer Landtag bangen.

Bis zur regulären Landtagswahl in Thüringen ist es noch deutlich mehr als ein Jahr, doch die Parteien stecken teils jetzt schon mögliche Koalitionen ab. Ein Vierer-Bündnis mit den Grünen kommt für die FDP schon mal nicht in Frage.

Viele mögliche Partner bleiben nicht: Thüringens FDP-Chef Thomas Kemmerich würde mit Linken, AfD oder mit den Grünen keine Regierungskoalition bilden wollen. "Ich sehe mit den Grünen tatsächlich nicht die Möglichkeit lösungsorientiert zusammenzuarbeiten - für Thüringen, auf Landesebene", sagte der frühere Kurzzeit-Ministerpräsident am Samstag der "Deutschen Presse-Agentur". Zuvor hatte er diese Haltung bei einer Podiumsdiskussion beim Thüringentag formuliert. Bündnisse mit den Linken oder der AfD schließt die Thüringer FDP schon länger aus. Kemmerich will als Spitzenkandidat der FDP zur Thüringer Landtagswahl im nächsten Jahr antreten.

Bevorzugte Koalition von FDP hat keine Mehrheit in Thüringen

Übrig für eine klassische Regierungsbeteiligung bliebe der FDP damit nur noch eine Koalition zusammen mit CDU und SPD. Allerdings hätte eine solche Dreier-Konstellation nach den Werten jüngster Umfragen wohl auch keine Mehrheit.

Vor wenigen Tagen hatte die Grünen-Fraktionschefin Astrid Rothe-Beinlich Offenheit für Regierungsbündnisse mit mehr als drei Partnern signalisiert. "Ich sehe das als Verantwortung von Demokratinnen und Demokraten, wenn es darum geht, ein Land regierbar zu machen", hatte Rothe-Beinlich gesagt. Bei einem schwierigen Wahlergebnis müsse man überlegen, wie ein demokratisches Bündnis gegen die in Thüringen als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD geschmiedet werden könne.

Kemmerich hofft bei Klimaschutz auf Ingenieure statt auf Verbote

Kemmerich erteilte einer möglichen Vierer-Koalition mit FDP und Grünen eine Absage. Es gebe "große, unüberwindbare Differenzen" - etwa in der Bildungspolitik, beim Thema Inklusion und auch beim Klimaschutz. "Mir ist dieser Alarmismus bei der Frage Klima zu laut und zu heftig." Es gebe Aufgaben, die zu lösen seien. "Wir glauben an die Ingenieurswissenschaft, an die Möglichkeit, mit Technologien die Dinge zu lösen", sagte Kemmerich. Ohnehin sei fraglich, ob es die Grünen noch einmal in den Landtag schafften.

Thüringer FDP ist keine Fraktion im Thüringer Landtag

Die Thüringer FDP war selbst 2019 nur haarscharf über die Fünf-Prozent-Hürde gekommen, im Landtag hat sie derzeit vier Abgeordnete und kann damit keine eigene Fraktion bilden, sondern ist als parlamentarische Gruppe organisiert. In den jüngsten Umfragen stand die FDP in Thüringen zuletzt bei fünf Prozent - und müsste damit um den Wiedereinzug in den Landtag bangen. Die Grünen standen bei sechs Prozent und müssen damit ebenso um einen erneuten Einzug in den Landtag bangen. Im Bund ist die FDP Teil der Ampelregierung, zusammen mit SPD und Grünen. Kemmerich sagte, von den Entscheidungen in Berlin mache er Entscheidungen in Thüringen nicht abhängig.

Kemmerich war in Thüringen im Jahr 2020 mit einer Regierungsbildung gescheitert. Damals ließ sich der heute 58-Jährige mit Stimmen von CDU, AfD und FDP zum Ministerpräsidenten wählen und nahm die Wahl an. Einen Tag später kündigte er seinen Rücktritt an, den er drei Tage später vollzog - ohne Minister für ein Kabinett ernannt zu haben.

Thüringer Grünen: Alle sollten rhetorisch etwas "abrüsten"

Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Thüringer Grünen-Fraktion, Madeleine Henfling, sagte, alle müssten die Frage beantworten, was passiere, wenn es für übliche Koalitionen nicht reiche. "Das Ziel aller sollte tatsächlich sein, eine sinnvolle Regierungsbildung hinzubekommen." Sie würde sich freuen, sagte sie, "wenn alle mal ein bisschen runterkommen würden, mal abrüsten würden und wir wieder ansatzweise auf einer Sachebene unterwegs sein könnten."

Zuletzt gab es in der Thüringer CDU einen Richtungsstreit. Während der Altenburger Oberbürgermeister einer Koalition mit der Linkspartei offen gegenüber steht, hatte der langjährige Waltershäuser Bürgermeister eine Zusammenarbeit mit Teilen der AfD vorgeschlagen. Diesen Vorschlag hatte der Thüringer CDU-Landeschef Mario Voigt zurückgewiesen.

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MDR/dpa (rom)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 10. Juni 2023 | 18:00 Uhr

61 Kommentare

Reuter4774 vor 48 Wochen

Nun ja stimmt nicht ganz Harka. Mindestlohn in der Pflege und alle Welt jammert jetzt das die Alten bzw ihre Angehörigen jetzt deutlich mehr zuzahlen müssen. Und der Rest jammert über den gestiegenen Pflegeversicherungsbeitrag. Wer hat also Recht gehabt???

Reuter4774 vor 49 Wochen

Agnostiker
Mich wundert lediglich dass die Meisten immer denselben Trott wählen aber alle drüber meckern? Und so gewählt hat hinterher komischerweise auch Keiner, keiner ist es dann gewesen? Da passt doch einiges nicht zusammen.

Harka2 vor 49 Wochen

@Alexa007
Ich denke, ihm ist klar, dass er bei einer zukünftigen Regierung nicht mitspielen darf, ergo bringt er sich mit solchen Aussagen mal wieder in die Medien, bevor er ganz vergessen wird.

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