Autos stehen auf einem Parkplatz.
Im Gewerbepark an der B87 bei Apolda wollen drei Unternehmen zusammen Strom erzeugen. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Energiepreise Apoldaer Unternehmen wollen eigenen Strom erzeugen

26. November 2023, 18:09 Uhr

Die Preise für Strom sind nach wie vor hoch. Das merken vor allem energieintensive Unternehmen wie Ospelt, Filinchen und Hörisch in Apolda. Sie wollen in Zukunft gemeinsam eigenen Strom erzeugen, damit die Maschinen auch sicher weiterlaufen können. Momentan werden mehrere Varianten geprüft.

MDR THÜRINGEN-Reporterin Conny Mauroner
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Es ist eine gute Nachricht vom Vergleichsportal Verivox: Viele Haushalte können im neuen Jahr auf sinkende Strom- und Gaspreise hoffen. Demnach geben etwa die Hälfte der örtlichen Versorger die gesunkenen Großhandelspreise an ihre Kunden weiter.

Für Strompreise gilt ein Rückgang von im Durchschnitt 13 Prozent. Auch Unternehmen profitieren davon, doch aufatmen lässt sich kaum. In Apolda geht man deshalb jetzt eigene Wege.

Unternehmen verlieren Vertrauen in Versorgungssicherheit

Das Vertrauen in die Preise für Strom und vor allem die Versorgungssicherheit ist weg - auch bei Torsten Hörisch, dem Geschäftsführer der Hörisch-Präzisions GmbH.

Die Strompreise der vergangenen Monate schlagen sich auch in seinen Büchern nieder. "Der internationale Druck ist da. Ich als weltweit liefernder Drehteile-Produzent werde verglichen. Die Einkäufer vergleichen die Kontinente und da steht Europa, speziell Deutschland, momentan nicht gut da. Die Strompreise sind hoch, sie sind nicht attraktiv für viele Firmen und viele große Firmen denken auch über Abwanderung nach."

Die Strompreise sind hoch, sie sind nicht attraktiv für viele Firmen und viele große Firmen denken auch über Abwanderung nach.

Torsten Hörisch Geschäftsführer der Hörisch-Präzisions GmbH

Abwanderung ist für Hörisch keine Option. Viel zu verwurzelt sei sein Unternehmen im Gewerbegebiet an der B87 bei Apolda.

Hörisch wollte seinen eigenen Strom erzeugen und hat erst einmal getestet. Zum Einsatz kam ein kleines Windrad auf dem Dach des Unternehmens, doch schnell war klar - so wird das nichts. "Als einzelnes Unternehmen hat man auch kaum Rückhalt von der Politik."

Zwei Männer stehen vor einer Präsentation
Michael Leiprecht, Vorsitzender der Wirtschaftsfördervereinigung Apolda/Weimarer Land (l.), und Torsten Hörisch, Geschäftsführer der Hörisch Präzisions GmbH Apolda Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Unternehmen wollen gemeinsam Energie erzeugen

Bei einem Energieforum im Rahmen des "Tages der offenen Betriebe" wurde dann die Idee geboren, mit Partnern zusammenzugehen.

An der Spitze als Koordinator agiert die Wirtschaftsfördervereinigung Apolda/Weimarer Land mit ihrem Vorsitzenden Michael Leiprecht. "Das Interesse zusammenzugehen war bei den Firmen sehr groß - mit Blick auf die Energiesicherheit und Erneuerbare Energien." Firmen wie Hörisch, Filinchen und auch der Tiefkühl-Pizza-Produzent Ospelt wollen nun gemeinsam handeln.

Verschiedene Firmenschilder in einem Gewerbegebiet
Die Firmen Ospelt, Filinchen und Hörisch in Apolda prüfen gemeinsam Möglichkeiten der Stromerzeugung. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Mehrere Varianten der Energiegewinnung werden geprüft

Nur über das "Wie" wurde diskutiert. Windrad, Biomasse oder vielleicht doch eine Form der Erdwärme nutzen? All das soll eine Studie von Experten klären. Für diese "Studie zum Transformationsprozess" gab das Energieministerium nun Geld. Die Fördermittel wurden bewilligt, weil das Gewerbegebiet an der B87 eine Art Pilotprojekt ist.

Noch im ersten Quartal 2024 sollen die Ideen auf dem Tisch liegen. "Dann kommt ein Konzept, was möglich ist. Im Blick sind alle Alternativen: Windkraft, Solar, Biomasse. Ziel ist es, die Energie selber bereitzustellen. Das sichert den Fortbestand der Unternehmen und damit auch Arbeitsplätze", so Leiprecht.

Maschinen müssen Tag und Nacht laufen

Die beteiligten Unternehmen sind allesamt Stromfresser mit ihren Backöfen, Waschmaschinen und Härteanlagen für die Stahlindustrie. Ihr Energiebedarf liegt im Regelfall über einer Gigawattstunde (eine Million Kilowattstunden) pro Jahr. Neben dem Preis für den Strom sind sie vor allem an Kontinuität und Versorgungssicherheit interessiert.

Ein Firmengebäude in einem Gewerbegebiet
Die Maschinen der Unternehmen müssen Tag und Nacht laufen, auch die von Hörisch. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Die Maschinen müssen laufen - Tag und Nacht. Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen. Aktuell arbeiten die Firmen zu und erstellen Energiepläne: Wann brauchen die Maschinen den meisten Strom? Diese Zahlen werden von Experten analysiert und in Form gebracht.

Komplett autark wird das Gewerbegebiet an der B87 wohl trotzdem nicht werden, dennoch ist das Projekt bereits jetzt ein Leuchtturm, wenn es darum geht zu zeigen: Gemeinsam sind wir stark.

Michael Leiprecht Vorsitzender Wirtschaftsfördervereinigung Apolda/Weimarer Land

Auch regionale Versorger werden mit ins Boot geholt. "Komplett autark wird das Gewerbegebiet an der B87 wohl trotzdem nicht werden", sagt Michael Leiprecht, "dennoch ist das Projekt bereits jetzt ein Leuchtturm, wenn es darum geht zu zeigen: Gemeinsam sind wir stark."

MDR (jw)

Transformation der Wirtschaft in Mitteldeutschland

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 26. November 2023 | 18:16 Uhr

24 Kommentare

Gucker vor 12 Wochen

Herrje, hier sind ziemlich viele ideologische Amateure unterwegs. Also, Insellösungen zur Stromversorgung sind ein technologischer Rückschritt. U.a., weil der Ressourceneinsatz steigt, wenn sich jeder für seine Firma ein eigenes Kraftwerk baut usw. am Stromnetz müssen die Unternehmen aber trotzdem bleiben so gut wie keiner 100% Autarkie erreicht. PV-Anlagen sind in unseren Breiten Rohstoffverschwendung, der Wirkungsgrad beträgt max. 20%, in den WIntermonaten EInspeisung null, nachts soundso null - da dreht sich kein Zähler "rückwärts" und kein Unternehmen kann sich mit einer pV-Anlage sicher versorgen.
Und nochmal die Frage: Bitte nennt KONKRET die "Subvention" für konventionelle stromerzeugung oder KKW-Erzeugung. Für EEG-Strom sind wiederum allein 2021 über 31 Mrd. Euro Subvention geflossen im Zuge der EEG-Umlage. Die Kosten für die Energiewende werden vorsichtig bis in 2030er Jahre auf eine Billion Euro geschätzt, das zahlen die Bürger.

Ralf G vor 12 Wochen

Peter - Die PV Anlagen gibt es, weil sie subventioniert werden. Das ist wie mit Elektroautos.
Nehmen wir noch die Windanlagen dazu dann gilt: alles ohne Subventionen nicht marktfähig.

DER Beobachter vor 12 Wochen

Gucker: z.B. Erschließung und Grundwasserspiegelsenkung von Braunkohletagebau und dessen Renaturierung nach der Auskohlung. Gibt ja übrigens Gründe, warum die AKW- und die Steinkohlezechenbetreiber raus wollten...

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