Das Empfangsgebäude und der Tower des Flughafen Erfurt-Weimar.
Der Flughafen Erfurt-Weimar soll in diesem Jahr 5,9 und im nächsten Jahr von 5,3 Millionen Euro erhalten. Bildrechte: picture alliance/dpa | Martin Schutt

Flugverkehr Naturschützer kritisieren Millionen-Zuschüsse für Flughafen Erfurt als klimaschädlich

12. April 2023, 12:11 Uhr

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz kritisiert die geplanten Zuschüsse für den Flughafen Erfurt-Weimar. 5,9 Millionen Euro soll der Flughafen erhalten. Laut BUND wird das Geld dringend für andere Investitionen benötigt.

Die von der Thüringer Landesregierung geplanten höheren Zuschüsse für den Flughafen Erfurt-Weimar hat der Bund für Umwelt- und Naturschutz kritisiert. Investitionen in den Regionalflughafen seien klimaschädliche Subventionen, daher müssten die Zuschüsse abgebaut werden, teilte der Thüringer Landesvorsitzende des BUND, Robert Bednarsky, am Dienstag mit.

Das Geld werde dringend für Investitionen in den Bus-, Schienen- und Radverkehr benötigt. Thüringen braucht laut BUND eine sozial gerechte und ökologische Mobilitätswende. Schon früher hatte der Thüringer BUND gefordert, Thüringens einzigen Flughafen zu schließen.

In diesem Jahr über 2 Millionen mehr für Flughafen Erfurt-Weimar geplant

Das Thüringer Infrastrukturministerium hatte in der vergangenen Woche angekündigt, dass der Flughafen in diesem Jahr einen Zuschuss von 5,9 und im nächsten Jahr von 5,3 Millionen Euro erhalten soll. 2022 hatte das Land den Flughafen noch mit lediglich 3,3 Millionen Euro unterstützt.

Grüne kritisieren: 43 Euro für jeden Fluggast

Auch die Landessprecherin der Grünen, Ann-Sophie Bohm, hatte die Erhöhung der Airport-Zuschüsse kritisiert und vorgerechnet, dass das Land künftig 43 Euro pro Fluggast ausgebe. Sie forderte das Infrastrukturministerium auf, die Zuschüsse zu senken und zugleich jene für den öffentlichen Nahverkehr zu erhöhen.

Laut Ministerium sind die höheren Zuweisungen nötig, um die stark gestiegenen Energie- und Materialkosten zu finanzieren. Außerdem stehen Investitionen an, wie zum Beispiel in die Sicherheitstechnik und in die Start- und Landebahn. Auch neue Feuerlöschfahrzeuge müssten angeschafft werden, weil die alten Fahrzeuge fast 20 Jahre alt seien.

Flughafenmitarbeiter laufen zwischen geparkten Flugzeugen
Im Jahr 2022 hatte der Flughafen Erfurt-Weimar 140.000 Fluggäste. Bildrechte: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Jens Meyer

Landeszuschüsse sollen wieder reduziert werden

Nach Angaben des Ministeriums sollen die Landeszuschüsse für den Flughafen ab 2025 wieder schrittweise reduziert werden. Der Airport Erfurt-Weimar ist zu 95 Prozent in Landesbesitz. Die restlichen fünf Prozent hält die Stadt Erfurt.

Thüringens einziger Flughafen rechnet in diesem Jahr mit stabilen bis leicht steigenden Passagierzahlen. Nach Angaben des Flughafens soll das Vorjahresniveau von etwa 140.000 Fluggästen gehalten werden. Einige Prognosen gehen laut Ministerium sogar von einem Zuwachs von bis zu 20 Prozent aus.

Das sagen unsere User:

"Klar der Flughafen ist für Thüringer bequem", räumte Mensrea ein, meinte aber gleichzeitig: "Wenn trotz jahrzehntelanger Förderung die Situation weder besser noch anders wird, sollte man drüber nachdenken." Gurg sah mangels "Nutzen für das Gemeinwohl" keine Berechtigung für Steuermittel, denn es gebe genügend per Bahn erreichbare Flughäfen. Als Alternativnutzung der Fläche schlug Ronny Schröder auf Facebook Sozialwohnungsbau vor.

Dagegen verwiesen Befürworter des Flughafens wie Quantix auf einen nur minimalen Anteil der Landesgelder im Vergleich zum Gesamthaushalt. "Dafür wird im kommenden Jahr knapp 150 bis 200.000 Menschen und ihren Familien ermöglicht, stressfrei in den Urlaub zu fliegen." Bei zwei Ferienfliegern am Tag hielten sich die Klimaauswirkungen in sehr kleinen Grenzen. RalfG. fragte dazu, ob alternativen Fahrten nach Leipzig oder Frankfurt sogar nicht noch klimaschädlicher wären. Nicht aus Sicht von Gurg: "Die Bahn fährt ohnehin. Größere Flughäfen sind effizienter und größere, gut ausgelastete Flugzeuge gegenüber kleineren auch."

Steka vermutete "Hauptstadtprestige der Landesregierung" als möglichen Grund für den Erhalt. Magdeburg habe keinen eigenen Flughafen. Während Harka2 zugunsten des Flughafens Charter- und Transportflüge ins Feld führte sowie Trainingsflüge unter anderem von Lufthansa und Bundeswehr machte es Karsten Weimar auf Facebook kurz: "Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab!"

MDR (co/jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 11. April 2023 | 17:00 Uhr

88 Kommentare

Harka2 am 13.04.2023

@knarf
Dann überschlagen wir mal kurz, um wie viel länger die ersten Schutzmasken aus Asien es zu Beginn der Coronakriese gebraucht hätten. Der Flieger brauchte keinen Tag, über die Transib mit Umladen in Brest wäre die Ware dann nach zwei-drei Wochen in Erfurt gewesen, wo allerdings keine Güterbahnhöfe mehr existieren, um die Wagen zu entladen.

Harka2 am 13.04.2023

@martin
Es geht darum, dass jede Infrastrukturmaßnahme Geld kostet, aber nur beim Luftverkehr muss sich das alles in Euro rechnen. Natürlich verbessert eine Umgehungsstraße die Lebensqualität vieler und Geld spielt dabei selten eine Rolle. Natürlich wünschen wir uns alle geteerte Radwege, auch wenn eine Schotterpiste reichen würde. Komischerweise stellt bei diesen Verkehrsmitteln niemand eine Kosten-Nutzen-Analyse an. Das macht man nur bei Flughäfen, nicht bei Straßen, Autobahnen, Radwegen, Schienenverkehr oder den Wasserwegen.

Für mich ist das bestenfalls eine Neiddiskussion derer, die nicht fliegen können oder wollen. In Erfurt landeten die ersten Frachtflieger mit den Schutzmasken, als Corona so richtig ans laufen kam. In Erfurt landen die Rettungsflieger für die aus Afghanistan geretten. Wirtschaftlich mag das nicht sein, aber notwendig, genau wie eine Ortsumgehung oder Autobahn.

Matthi am 13.04.2023

Selbst der neue Berliner Flughafen Schreibt nach seiner langen Bauzeit Rote Zahlen bei den hohen Baukosten durch Bekannte Probleme wird das wohl lange Zeit so bleiben. Was im Klartext heißt ohne Steuerzuschüsse geht es nicht.

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