Schülerinnen und Schüler arbeiten 2011 mit ihren Lern-Netbooks.
Im August beginnt das neue Schuljahr - auch für rund 2.000 Fünftklässlerinnen und Fünftklässler in Erfurt. Bildrechte: picture alliance / ZB | Jens Wolf

Erfurt Puzzle um Schulplatzvergabe: Alle Fünftklässer untergebracht - Wo es trotzdem noch Schwierigkeiten gibt

04. Juli 2024, 21:30 Uhr

Die künftigen Fünftklässler in Erfurt haben für das kommende Schuljahr alle einen Platz gefunden. Doch die Schulplatzvergabe in der Landeshauptstadt bleibt schwierig, es gibt noch immer zu wenig Plätze.

Die künftigen Fünftklässler in Erfurt haben alle einen Platz für das kommende Schuljahr. Dafür musste die Stadt als Schulträger gemeinsam mit dem Schulamt Mittelthüringen insgesamt sechs neue Klassen schaffen.

Sowohl das Königin-Luise-Gymnasium als auch die Jenaplan-Schule haben einen weiteren Klassenzug in der Jahrgangsstufe fünf geschaffen. Hinzu kommen je zwei Klassenzüge am neu gegründeten Gymnasium 11 und an der Gemeinschaftsschule "Am Langen Graben".

Insgesamt mussten für das kommende Schuljahr rund 2.000 Fünftklässlerinnen und Fünftklässler untergebracht werden. Rund 400 von ihnen kommen bei freien Schulträgern, zum Beispiel kirchlichen Trägern, unter.

Wie Schulamtsleiter Ralph Leipold sagte, müssten theoretisch auch diesen rund 400 Schülern kostenlose Plätze an staatlichen Schulen angeboten werden können. Praktisch kann die Stadt diese Plätze aber nicht vorweisen.

Zwei Schulneubauten in Erfurt geplant

Laut Werner Ungewiß, Leiter des Bildungsamtes der Stadt, bräuchte es sechs neue Schulen in der Stadt, um ausreichend Plätze mit einer Auslastung von 85 Prozent bereitstellen zu können - das wäre das Ziel.

Aktuell plant die Stadt zwei Schulneubauten in der Greifswalder Straße und in der Blumenstraße, in die zum einen das neue Gymnasium 11 und zum anderen die Gemeinschaftsschule "Am Langen Graben" einziehen sollen. Die Schulplatzvergabe sei aktuell immer eine Mangelwirtschaft, sagte Ungewiß.

Für das kommende Schuljahr konnte den künftigen Fünftklässlern in 150 Fällen weder der Erst- noch der Zweitwunsch gewährt werden. Insbesondere, weil es einen Ansturm auf die Gemeinschaftsschulen wie die Integrierte Gesamtschule (IGS) gab. In 113 Fällen konnten sich Eltern und Schulamt auf andere Schulen einigen.

In 34 Fällen hätten Eltern Widerspruch gegen die zugeteilten Plätze beim Schulamt eingelegt, so Schulamtsleiter Leipold. Diese würden jedoch wenig erfolgversprechend sein, so Leipold. Im vergangenen Jahr hatte das Oberverwaltungsgericht Weimar nachträglich entschieden, dass zehn Schüler, die sich per Klage einen Platz gesichert hatten, die Schulen wieder verlassen mussten.

Schule in Kerpsleben mit weiterem Klassenzug?

Aktuell steht noch die Entscheidung über einen weiteren Klassenzug in Klassenstufe fünf an der Schule in Kerspleben aus. Dort sollen perspektivisch neun Schülerinnen und Schüler aus Vieselbach untergebracht werden. Für diese ist aktuell ein Platz an einer Schule im Stadtteil Urbich vorgesehen.

Für den Schulweg müsste jedoch eine eigene Busverbindung eingerichtet werden, die die Erfurter Verkehrsbetriebe laut Bildungsamt aber nicht stemmen können.

Taxi
Die Stadt Erfurt müsste für Schüler aus Vieselbach einen privaten Transport durch ein Taxiunternehmen finanzieren. Bildrechte: Colourbox.de

Deshalb müsste die Stadt hier einen privaten Transport durch ein Taxiunternehmen finanzieren. Außerdem würde die Fahrzeit für die Schüler knapp 45 Minuten betragen - nach Kerspleben wären es nur etwa 15 Minuten.

Das Schulamt prüft den Angaben zufolge, ob der Klassenzug in Kerspleben eingerichtet werden kann und die Schüler von der Lage des Wohnorts her Anspruch auf diese Plätze hätten.

Bis zum Schuljahresbeginn am 1. August muss das Bildungsamt außerdem noch die Essensversorgung in Schulen klären, die derzeit umgebaut werden. Zudem steht die Planung der Schulsportstunden in den städtischen Turnhallen noch aus - auch hier seien die Kapazitäten knapp, so Ungewiß.

Schulnotstand in Erfurt

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Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR (caf)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit vom Tage | 04. Juli 2024 | 18:25 Uhr

4 Kommentare

MamaEF vor 39 Wochen

Bedauerlich, dass nie reflektiert wird, was in den letzten Jahren in Richtung Schule/ Kita etc. passiert ist. Dem aufmerksamen Beobachter fallen da einige neue Kitas und Schulen, Spiel- und Sportplätze im Stadtgebiet auf und wer Kinder hat/ hatte, der weiß auch um so einige Sanierungsmaßnahmen, bzw. Um- und Anbauten an betreffenden Gebäuden. Da gibt es sicher vieles was hier zu Verzögerungen/ Änderungen geführt hat, bei Planung oder Umsetzung.
Und nur weil eine neue Regierung ins Amt kommt, wird ja nicht alles umgeworfen. Ob RRG oder der neue Erfurter OB. Am Anfang der Amtszeit werden erstmal schon beschlossene Projekte der Vorgänger abgearbeitet, bevor man überhaupt eigene Konzepte angehen kann. Und wie überall sind dann Regeln, Vorgaben, Bürokratie und Personal/ Material und das liebe Geld die Bremsklötze.

MamaEF vor 39 Wochen

Ja ein Trauerspiel. Das liegt aber weder am alten noch neuen OB. Keiner von beiden konnte allein walten und schalten. Und Kinder und Bildung haben in diesem Land eben keine Lobby, wie etwa Autobauer oder Fussball.
Insofern ist es egal, wer regiert. Bildung und Soziales werden immer auf knappe Kante geregelt.
Und auch an Einrichtungen, bei denen gezahlt werden muss läuft nicht alles perfekt. Solange die Bildung / Ausbildung der nächsten Generation nicht als wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe angesehen wird, geht das Gemurkse bei Bund, Land und Kommune weiter. Los geht es ja zudem schon viele Eltern, die der Meinung sind, dass "der Staat" das schon regelt, oder der "Dienstleister" gegen Schulgeld. Lieber den Kids, sobald sie es halten können, ein Smartphone in die Hand gedrückt und schon haben die Eltern wieder Zeit sich selbst zu finden, zu optimieren, zu verwirklichen .... schöne neue Welt.

Freies Moria vor 39 Wochen

Schon irre. Schulplanung kann man im Grunde schon vom Geburtsjahrgang her betreiben. Auch die Migration ist keine Ausrede, die allerwenigsten kommen mit kleinen Kindern.
Wohlgemerkt, es geht hier um zehnjährige Kinder. Die Planung konnte also exakt im ersten Jahr von RRG beginnen...

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