Nachhaltigkeit Reparieren statt wegwerfen: "Reparierbar" in Greiz rettet Elektrogeräte

06. November 2022, 16:55 Uhr

Kaputte Geräte unter Anleitung selbst reparieren - das ist das Ziel der "Reparierbar" in Greiz. Die Macher dieses neuen Repair-Cafés kämpfen gegen die Wegwerfmentalität und machen ihre Gäste gleich ein bisschen schlauer.

Zum Schluss wollen Peter Haupt und Lars Kanis es wissen: Sie öffnen den alten Dart-Automaten. Das gute Stück hat locker 30 Jahre auf dem Buckel und funktioniert leider nicht mehr fehlerfrei. Peter Haupt kontrolliert ein paar Anschlüsse dort, wo vorne auf dem Gerät Taster angebracht sind. Dann steckt er den Netzstecker in die Kabeltrommel und startet den Automaten.

Vom Toaster bis zum Schwibbogen

Gemeinsam mit seinen beiden Kollegen hat Peter Haupt in den vergangenen zwei Stunden eine lange Schlange von Greizern abgearbeitet. Die Besucher der "Reparierbar" kamen mit Toastern, Laptop-Computern oder elektrischen Schwibbögen. Alles defekt, aber zu schade zum Wegwerfen oder von besonderer Bedeutung für die Besitzer.

"Ich finde das phänomenal, diese Riesenschlange", sagt Peter Haupt und Lars Kanis kann ihm da nur zustimmen. Er hat gerade die Brotschneidemaschine einer älteren Dame auseinandergebaut. Der Schalter funktioniert nicht mehr. Jetzt will der Reparatur-Spezialist der Sache auf den Grund gehen.

"Die Friemler": unter diesem Namen sind Lars Kanis, Peter Haupt und Roy Wobisch in der "Reparierbar" in Greiz aktiv. Hier ist das "10arium" untergebracht, eigentlich ein Veranstaltungsort für Kultur, aber auch für soziale Projekte.

Chefin Melanie Staege wollte hier schon von Anfang an einen Ort etablieren, wo Menschen defekte Geräte reparieren lassen können. "Es hat leider nie geklappt, weil uns die Leute fehlten, die das dann auch umsetzen können", sagt die junge Frau.

Positive Resonanz seit September

Seit einigen Wochen ist die "Reparierbar" nun am Start. Und mit Erfolg. Schon beim ersten Termin im September kamen viele ins "10arium", damals war das Publikum gemischt. Heute sind mehr ältere Leute vor Ort.

Ich bin eigentlich gelernter Elektroinstallateur, aber ich traue mich auch an andere Sachen heran.

Lars Kanis Freiwilliger Helfer in der "Reparierbar" in Greiz

Lars Kanis hat inzwischen die Brotschneidemaschine geöffnet. Er untersucht die Schaltkontakte im Inneren. Dort scheint etwas nicht zu stimmen. Lars Kanis greift zum Lötkolben. "Man muss sich gut in die Geräte hineindenken können", sagt der "Friemler" und fügt hinzu: "Ich bin eigentlich gelernter Elektroinstallateur, aber ich traue mich auch an andere Sachen heran."

Über der Maschine steigt weißer Rauch vom Lötzinn auf. Nach dem Abkühlen muss Lars Kanis wieder alles zusammenbauen. Dann ein Druck auf den Startknopf: die Messerscheibe dreht sich, alles funktioniert wieder.

Keine Garantie wie beim Reparaturservice

Am Nachbartisch hat Peter Haupt inzwischen den Laptop eines jungen Mannes geöffnet. Das Display ist kaputt, und der Besitzer hat auch kein neues dabei. Da kann Peter Haupt nicht helfen, denn das hier ist keine klassische Reparaturwerkstatt.

Wir müssen sorgsamer mit unseren Rohstoffen umgehen.

Peter Haupt Freiwilliger Helfer in der "Reparierbar" in Greiz

Eigentlich sollen die Besitzer der defekten Geräte in der "Reparierbar" unter Anleitung selbst Hand anlegen. Denn auch im Erfolgsfall gibt es keine Garantie wie bei einem Reparaturservice. Die "Friemler" arbeiten hier in ihrer Freizeit. "Wir müssen sorgsamer mit unseren Rohstoffen umgehen", sagt Peter Haupt. "Aber es gibt ja Leute, die kaufen sich wegen einer defekten Fernbedienung gleich einen neuen Fernseher."

Defekte Fernbedienungen sind der Dauerbrenner

Dabei sind es oft banale Gründe, warum etwas nicht mehr funktioniert. Roy Wobisch öffnet gerade eine Fernbedienung und zeigt der Besitzerin das Problem. Einige Kontakte sind verschmutzt. Mit etwas Reiniger ist das schnell behoben und die Fernbedienung funktioniert wieder. "Ich mache das schon ein paar Jahre", sagt Roy Wobisch. "Es sind immer wieder die üblichen Verdächtigen."

Defekte Fernbedienungen sind der Dauerbrenner bei den Veranstaltungen. Aber auch andere Geräte landen immer wieder bei den "Friemlern". "Beim letzten Mal hatten wir eine ganze Galerie DDR-Mixer hier", sagt Peter Haupt. "Diesmal ist kein einziger dabei, aber dafür viele andere Küchengeräte."

Nicht immer können die "Friemler" helfen, aber oft

Und eine Armbanduhr, die Roy Wobisch als nächstes auf den Tisch gelegt wird. Der Uhrmacher hatte die Reparatur abgelehnt, erzählt die Besitzerin, dabei scheint nur die Batterie leer zu sein. Eine Ersatzbatterie hat die Besucherin dabei, deshalb öffnet Roy Wobisch das Gehäuse und macht sich an die Arbeit. Zehn Minuten später läuft die Uhr wieder - und die Besitzerin ist glücklich.

Nicht immer können die "Friemler" helfen. Beim alten Dart-Automaten scheint es ein Problem mit der Software zu geben. Da stoßen auch die drei Profis an ihre Grenzen. Trotzdem konnten sie an diesem Abend vielen Geräten ein zweites Leben schenken.

Nächste "Reparierbar" am 11.11.2022 | 17 Uhr Schon am 11. November gibt es die nächste "Reparierbar" in Greiz. Ab 17 Uhr können sich dann wieder Besucher mit ihren defekten Geräten in der Friedrich-Naumann-Straße 10 einfinden.

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MDR (co)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | ThÜRINGEN JOURNAL | 06. November 2022 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

randdresdner am 07.11.2022

Ein sehr schöner Artikel. Ich kann nur hoffen, dass sich immer mehr Menschen finden, die das Reparieren entdecken (sowohl Kunden als auch Menschen mit Geschick und Wissen, dies zu tun).

Mittelalt am 07.11.2022

Ich finde die Idee super. Davon sollte es viel mehr geben.

steka am 06.11.2022

Geht eben nur mit Altgeräten. Multimax funktioniert immer noch, Boschgeräte nur Wegwerfartickel, drinne alles verklebt und verschweißt.

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