Rechtsextreme demonstrieren am Hauptbahnhof. Rheinland-Pfalz will sich mit einem neuen Ermittlungsdezernat noch besser gegen politisch motivierte Kriminalität wappnen.
Die neue Studie zeigt: Rechtsextremistische Strukturen in der Region Saalfeld-Rudolstadt haben sich verstärkt. Bildrechte: picture alliance/dpa | Fredrik von Erichsen

Saalfeld-Rudolstadt Rechtsextreme Strukturen kommen immer mehr in Mitte der Gesellschaft an

11. Januar 2024, 14:44 Uhr

Eine neue Studie belegt, dass sich rechtsextreme Strukturen im Raum Saalfeld-Rudolstadt verfestigt haben. Beispielsweise finden Treffen Rechtsextremer immer häufiger in bürgerlichen Lokalen statt Szenetreffs statt.

Im Raum Saalfeld-Rudolstadt haben sich in den vergangenen Jahrzehnten rechtsextreme Strukturen weiter verfestigt. Das geht aus einer Studie des Jenaer Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft hervor.

Die Forscher hatten dazu öffentliche Informationen des Verfassungsschutzes, Antworten der Landesregierung auf Kleine Anfragen von Abgeordneten sowie Interviews unter anderem mit Szenebeobachtern, Journalisten und Politikern ausgewertet.

Rechtsextreme Treffen immer öfter in bürgerlichen Gaststätten statt Szenetreffs

Die Forscher stellten fest, dass in den letzten Jahren zwar bekannte Szenetreffs weggefallen seien, die rechtsextreme Szene sich aber gleichzeitig verlagert habe. Sie treffe sich nun in Lokalen und Unternehmen, die bisher nicht dafür bekannt waren, rechtes Klientel zu empfangen. Dies sei ein Zeichen für die größere Akzeptanz von Rechtsextremem. In der Region hätten sich außerdem Reichsbürger etabliert, unter anderem in Wöhlsdorf. In Cursdorf habe sich außerdem die Anastasia-Bewegung angesiedelt, die als antisemitisch gilt.

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Rechtsextreme marschierten mit Fackeln bei Corona-Demos mit

Die Forscher haben außerdem die Beziehungen zwischen Rechtsextremen und den sogenannten Corona-Demonstranten in den vergangenen Jahren untersucht. So hätten sich bei mehreren der etwa 150 Demonstrationen in Rudolstadt, Saalfeld und Bad Blankenburg Rechtsextremisten mit Fackeln unter die Demonstranten gemischt.

Neben der Sub-Kultur um Rockmusik oder Kampfsportler wurde von den Jenaer Forschern auch die Rolle von rechtsextremen Kleinstparteien in der Region beleuchtet. Ebenso wurde das Wirken der Turonen, der Hammerskins, des Thüringer Heimatschutzes und der Unterstützer des NSU analysiert.

Je stärker die AfD, desto schwächer Kleinparteien wie ehemalige NPD

Die im Juni 2023 in "Die Heimat" umbenannte NPD spielt nach Ansicht der Forscher in der Region keine Rolle mehr. Der Kreisverband Saalfeld-Rudolstadt/Sonneberg existiere nur noch auf dem Papier. Ein früheres Mitglied sei im Umfeld der 2021 gegründeten "Neue Stärke Partei" aktiv. Im Allgemeinen nehme die Relevanz der Kleinparteien mit dem Erstarken der AfD zwischen 2014 und 2017 ab, so die Forscher. Im Fall der AfD seien aber keine neonazistischen Strukturen aus den früheren Jahren bekannt.

Manche Personen schon seit über 30 Jahren in rechtsextremer Szene der Region aktiv

Auch wenn sich die Strukturen der rechtsextremen Szene im Laufe der Jahre verändert haben, sprechen die Forscher von "personellen Kontinuitäten" in der Szene. Im Fall einer Jugendorganisation in Pößneck sei zwar durch Sozialarbeit und Polizei die rechtsextreme Struktur geschwächt worden, so das Zitat eines Interviews im Rahmen der Studie. Allerdings seien Rechtsextreme, die in den 1990er-Jahren schon aktiv waren, weiterhin im Hintergrund aktiv.

Die Studie war auf Anregung des Netzwerkes "Partnerschaft für Demokratie" Saalfeld-Rudolstadt entstanden. Die Wissenschaftler sollten prüfen, ob die subjektiven Eindrücke des Netzwerkes stimmen, dass sich rechte Strukturen in der Region verfestigt hätten. Die Studie wurde vom Bundesprogramm Demokratie Leben finanziert.

MDR (ost, uwk)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 10. Januar 2024 | 18:45 Uhr

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