Solarmodule für ein sogenanntes Balkonkraftwerk hängen an einem Balkon in einer Altstadt.
2023 gingen in Thüringen rund 6.000 neue sogenannte Balkonkraftwerke ans Netz. Bildrechte: picture alliance/dpa | Jens Büttner

Energie Neuer Rekord bei Installationen von Solaranlagen im Jahr 2023

24. Januar 2024, 17:21 Uhr

2023 sind in Thüringen so viele Photovoltaikanlagen gebaut worden wie noch nie. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Anzahl sogar mehr als verdoppelt. Aber im deutschlandweiten Vergleich hängt der Freistaat deutlich zurück.

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Thüringen hat 2023 im Vergleich zu den Jahren davor einen regelrechten Solaranlagen-Boom erlebt. Nach Angaben der Energie- und GreenTech-Agentur GmbH (Thega) gingen 2023 insgesamt 21.762 neue Anlagen in Betrieb. Auf 1.000 Einwohner kommen damit 10,2 neue Photovoltaikanlagen. Im vergangenen Jahr sind damit deutlich mehr Solaranlagen gebaut worden als in den Jahren zuvor. 2022 waren es 8.236 und im Jahr 2021 4.723.

Im deutschlandweiten Vergleich erreichte der Freistaat allerdings nur den viertletzten Platz. Nur in den Stadtstaaten Bremen (4,6), Berlin (2,8) und Hamburg (2,7) wurden im Verhältnis weniger gebaut. Die Spitzenreiter sind Niedersachsen und Rheinland-Pfalz mit 16,4 und 13,8 neuen Anlagen pro 1.000 Einwohner.

Balkonkraftwerke besonders beliebt in Thüringen

Der erzeugte Solarstrom deckt laut Thega etwa 20 Prozent des gesamten Stromverbrauchs im Freistaat. Vor allem die sogenannten Balkonkraftwerke seien sehr beliebt gewesen. Insgesamt gingen rund 6.000 Anlagen für den heimischen Balkon ans Netz. Damit ist laut Thega mittlerweile jede fünfte neu installierte Solaranlage in Thüringen ein Balkonkraftwerk.

Im Jahr 2022 waren es noch rund 1.400 neue Balkonkraftwerke. Aufgrund der hohen Nachfrage nach Dach- und Balkonanlagen geht die Agentur davon aus, dass Ende des Jahres die Marke von 100.000 Solaranlagen in Thüringen geknackt wird.

Marcel Weiland von der Thega sagte, dass der Zuwachs im Solarbereich ungebrochen hoch sei - trotz Engpässen bei der Anlagentechnik und Fachkräften im Handwerk. Das liegt an den niedrigen Preisen für Solaranlagen, gesetzlichen Neuerungen wie Steuererleichterungen und an der weiterhin hohen Nachfrage für Balkon-Solaranlagen.

Die installierte Leistung der bestehenden Solaranlagen habe sich im vergangenen Jahr um 263 Megawatt auf insgesamt 2.419 Megawatt erhöht. Bundesweit seien 2023 mehr als eine Million neue Solaranlagen installiert worden.

Ausbau von Windrädern stockt in Thüringen

Der Ausbau der Windräder in Thüringen stockte dagegen. Laut Agentur wurden lediglich sechs neue Anlagen im Kyffhäuserkreis und im Saale-Holzland-Kreis in Betrieb genommen. Deren Gesamtleistung liegt laut Angaben bei 32 Megawatt. Damit ständen jetzt in Thüringen 871 Windräder mit einer Gesamtleistung von 1.829 Megawatt. Sie deckten 37 Prozent des Thüringer Stromverbrauchs.

2022 waren noch 23 neue Windräder ans Netz gegangen - zwei ältere wurden stillgelegt. "Bei der Windenergie hängen wir derzeit in Thüringen unseren Zielen hinterher", betonte die Leiterin der Thega-Servicestelle Windenergie Ramona Rothe.

Nach dem "Wind-an-Land-Gesetz" der Bundesregierung müsse Thüringen bis 2027 1,8 Prozent der Landesfläche für Windenergie bereitstellen, bis 2032 sind es insgesamt 2,2 Prozent. Derzeit liege der Flächenanteil nur bei 0,6 Prozent. Nehme man den Entwurf des Raumordnungsplans Mittelthüringen hinzu, komme der Freistaat auf 1,1 Prozent Flächenanteil. Die genehmigten 37 Windenergieanlagen mit einer Leistung von 197 Megawatt sollen laut Rothe in den nächsten zwei Jahren ans Netz gehen.

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MDR (jhi/jn)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 24. Januar 2024 | 12:00 Uhr

4 Kommentare

Thomas S. vor 24 Wochen

Prima, wenn jetzt noch das grüne Umweltministerium endlich dafür sorgt, dass man auf den Anschluss seiner PV-Anlage durch den Netzbetreiber nicht mehr gut ein Jahr warten muss (Hessen: 4 Wochen, Niedersachsen4-6 Wochen), dann könnte auch in Thüringen mal die Sonne aufgehen. Beispielgebend für den Zustand von Politik und Republik.

Matrox5 vor 24 Wochen

In unserem Nachbarland Niederlande wird der PV-Ausbau von den örtlichen Energieversorgern vorangetrieben:
- In Zusammenarbeit mit den Handwerksbetrieben werden PV-Komplettpakete (Module, Wechselrichter, Installation) zu einem günstigen Fixpreis angeboten.
- Der erzeugte Strom wird bis zur Höhe des Eigenverbrauchs 1:1 vergütet, d.h. Einspeise-Vergütung und Abnahmepreise sind gleich - Effekt: Teure Energiespeicher für den einzelnen entfallen.
- Die Attraktivität für den Einbau von Wärmepumpen wird gesteigert - ggf. im Sommer erzeugter Überschuss kann im Winter verbraucht werden.
- Die Anlage geht in dem Moment in Betrieb, zu dem sie der Handwerker fertiggestellt hat: Dazu meldet er sie unmittelbar über sein Handy an.
- Die Hausanschlüsse wurden bereits vor Jahren durch ein kostenloses(!), fernablesbares „Smart-Meter“ vorbereitet.
- Die örtliche Gemeinde gibt ggf. einen Zuschuss.

Liebe mdr-Redaktion: Bitte mal recherchieren, wer und warum hierzulande solchen Lösungen im Wege steht!

rene bertram vor 24 Wochen

Dieses Jahr wird die Einschätzung kritisch da Balkonkraftwerke nicht mehr angemeldet werden brauchen. Und die großen PV Anlagen auf den Dächern, ja, die haben auch einige installiert, dürfen nur nicht ans Netz gehen, besser insgesamt in Betrieb genommen werden da der Energieversorger/Stadtwerke mit der Freischaltung nicht dergleichen tut. Wartezeit darauf ein halbes bis dreivirtel Jahr. Darüber kan ich selbst Nachweis erbringen.

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