Banken Bafin will Chef der VR Bank Bad Salzungen-Schmalkalden abberufen

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (Bafin) will den Vorstandschef der VR Bank Bad Salzungen-Schmalkalden abberufen: Wie das Handelsblatt am Montag berichtete, hält die Bankenaufsicht den Vorstandschef Stefan Siebert offenbar für nicht zuverlässig. Hintergrund sind nach Informationen von MDR THÜRINGEN Verwicklungen Sieberts in Immobiliengeschäfte der Bank. Diese sind auch Gegenstand der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Mühlhausen. Laut Handelsblatt hat der Aufsichtsrat der Bank dagegen jedoch rechtliche Schritte beschlossen. Bank-Sprecher Mike Helios wollte sich zu dem Bericht auf Anfrage von MDR THÜRINGEN nicht äußern. Auch die Bafin wollte sich nicht auf MDR-Anfrage äußern.

Untreueverdacht wegen Immobilienkaufs

Nach MDR-Informationen geht es der Bafin unter anderem um ein Immobiliengeschäft Sieberts im Jahr 2014. Damals hatte er für eine Million Euro ein Wohn- und Geschäftshaus in der Erfurter Innenstadt erworben - privat. Die Immobilie war jedoch vor dem Erwerb durch Siebert Bestandteil eines Immobilienpakets, über dessen Kauf die VR Bank mit dem bayerischen Immobilienunternehmen ZBI verhandelte. Im Zuge der Verhandlungen wurde die Erfurter Immobilie aus dem Paket herausgenommen und dann von Siebert privat erworben. Der Gesamtpreis von 23,7 Millionen Euro, den die Bank für das Paket an ZBI bezahlte, blieb jedoch gleich. Offenkundig hatte Siebert keine Anstalten gemacht, den von der Bank zu zahlenden Paketpreis um die eine Million zu verringern, die er dann privat an ZBI zahlte. 

Offenbar gründen Bafin und auch die Staatsanwaltschaft Mühlhausen auf diesem Umstand den Verdacht der Untreue zum Schaden des Bankvermögens gegen Siebert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen dieses Immobiliengeschäfts seit gut zwei Jahren gegen den Bankvorstand. Die Bank argumentiert, dass ZBI das Geschäft mit dem Immobilienpaket davon abhängig gemacht habe, dass auch die Immobilie in Erfurt gekauft würde. Weil die Bank und auch andere mögliche Käufer, darunter der Notar der Bank, das Wohn- und Geschäftshaus in Erfurt nicht haben wollten, habe Vorstandschef Siebert schließlich privat gekauft, um das Geschäft mit dem Immobilienpaket nicht zu gefährden. Der Notar hatte dieselbe Immobilie einige Jahre zuvor für 1,5 Millionen Euro an ZBI verkauft.

Streit mit der Bafin

Die VR Bank und die Bafin liegen seit längerem im Clinch miteinander. Auslöser waren Hinweise von zwei Whistleblowern aus der Bank im Frühjahr 2018 an die Aufsichtsbehörde wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten. Dabei ging es unter anderem um das Immobiliengeschäft sowie um Kreditgeschäfte im Fußballbereich. Hier sollen bei der Vergabe von Krediten an Profivereine bankinterne Rating-Richtlinien verletzt worden sein. Die Bafin hatte daraufhin die Unternehmensberatung Ernst & Young mit der Prüfung der Vorwürfe beauftragt. Ernst & Young war laut VR Bank zu dem Ergebnis gekommen, dass keine Ungereimtheiten vorlägen. Allerdings informierte die Bafin die für Wirtschaftskriminalität in Thüringen zuständige Staatsanwaltschaft Mühlhausen, welche daraufhin Ermittlungen unter anderem gegen Siebert aufnahm.  

Abfindung für Whistleblower

Kurz nach Bekanntwerden der Hinweise an die Bafin hatte die VR Bank die beiden Whistleblower, einer von beiden war der damalige Prokurist des Geldhauses, fristlos entlassen. Nach einem zwei Jahre dauernden Verfahren, in dem unter anderem das Immobiliengeschäft in Erfurt ausführlich erläutert wurde, einigten sich die Bank und der Prokurist auf einem Vergleich. Danach zahlte die Bank eine Abfindung an den Whistleblower. Zugleich verpflichtete sie sich, eine Schadenersatzklage gegen den Mann zurückzuziehen. Im Zuge dieser Klage hatte die Bank von ihrem ehemaligen Mitarbeiter 595.000 Euro gefordert. Dabei handelt es sich nach MDR-Informationen vor allem um die Kosten für das Gutachten von Ernst & Young. Diese mussten von der Bank beglichen werden.

Am Arbeitsgericht Suhl ist noch ein Prozess der zweiten Whistleblowerin anhängig. Bei dieser handelte es sich ebenfalls um eine damalige Mitarbeiterin der Bank, der ebenfalls fristlos gekündigt wurde. Der Prozess soll nach Angaben des Gerichts noch im November starten.

Genossenschaft mit 11.000 Mitgliedern

Die VR Bank Bad Salzungen-Schmakalden gehört einer Genossenschaft, der nach Angaben der Bank derzeit rund 11.000 Mitglieder angehören. Die Bank betreibt neben dem Bankgeschäft in der Region auch Geschäfte im Bereich der Transfer-Finanzierung im Profifußball. Außerdem engagiert sich das Unternehmen über Tochtergesellschaften in der Windenergie, im Immobiliengeschäft sowie in der Landwirtschaft. Die Bilanzsumme lag 2019 bei knapp 1,1 Milliarden Euro.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 13. November 2020 | 07:00 Uhr

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