Das alte Golfhotel in Oberhof von außen.
Das alte Golfhotel in Oberhof eröffnete im Jahr 1912. Bildrechte: MDR/Tino Geist

Schuderbachwiese Neuer Eigentümer und neue Pläne für altes Golfhotel in Oberhof

27. Februar 2024, 20:25 Uhr

Das alte Golfhotel an der Schuderbachwiese in Oberhof wechselt den Besitzer. Die Awo hat das denkmalgeschützte Gebäude vom Land Thüringen erworben und plant Abriss sowie Neubau. Doch zunächst bleibt noch eine Hürde.

Es ist ein trauriger Anblick. Seit Jahren ist das alte Golfhotel an der Schuderbachswiese in Oberhof (Schmalkalden-Meiningen) sich selbst überlassen. 1912 eröffnet und danach Anlaufpunkt für Golftouristen, ist es heute nur noch ein Lost Place. Die Fenster im Erdgeschoss sind vernagelt. Mittlerweile ist ein Teil des Daches eingestürzt. Ein Bauzaun sichert das Gelände notdürftig vor ungebetenen Gästen.

8,5 Millionen Euro für Abriss und Neubau des Hotels

Schon länger hat die Arbeiterwohlfahrt über ihre gemeinnützige Awo Sano GmbH Pläne, sich am Standort an der Schuderbachswiese zu erweitern. Gleich in der Nachbarschaft betreibt das Unternehmen bereits ein Ferienzentrum. Die Awo Sano unterhält bereits Kliniken und Ferienzentren in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Thüringen.

Nach ersten Plänen sollen nun 8,5 Millionen Euro in den Abriss und Neubau des alten Golfhotels fließen. Geplant sind zusätzliche Appartements, die das Angebot des Unternehmens im Thüringer Wald erweitern.

Es gibt keine Rettung. Das Gebäude ist vom Schwamm durchseucht und klitschnass. Es ist einfach tot.

Thomas Schulz (Freie Wähler) Bürgermeister von Oberhof

Das ehemalige Golfhotel gehörte zuletzt dem Land Thüringen. Der Kaufvertrag ist nach Angaben des Landes und des Käufers abgeschlossen. Zum 1. März 2024 ist die Übergabe geplant. Zum Kaufpreis will das Land keine Angaben machen.

Ein Loch im Dach eines alten Gebäudes.
Ein Teil des Daches ist mitlerweile eingestürzt. Bildrechte: MDR/Tino Geist

Stadt Oberhof sieht Verkauf positiv

Die Stadt steht den Plänen positiv gegenüber. Nach dem Aus für den Golfplatz auf der angrenzenden Schuderbachswiese werde auch kein Golfhotel gebraucht, so Bürgermeister Thomas Schulz (Freie Wähler). Vor wenigen Wochen hatte die Stadt einen neuen Flächennutzungsplan auf den Weg gebracht, der eine Nutzung der angrenzenden Schuderbachswiese als Golfplatz ausschließt.

"Die Gedankenspiele, wieder ein Golfhotel anzusiedeln, waren sehr reizvoll. Ohne einen Golfplatz ist das aber illusorisch. Deswegen kann ich sagen, das Thema ist durch. Man muss nicht mehr darüber nachdenken", sagt der Bürgermeister. Werden die Pläne des neuen Eigentümers realisiert, so würde eine weitere Ruine aus dem Stadtbild verschwinden. Das sei positiv.

Er hoffe nur, dass die Architekten einen Entwurf präsentieren, der sich gut in die Umgebung einfügt. Auch mit Blick auf den Denkmalschutz des Gebäudes positioniert sich der Bürgermeister klar: "Es gibt keine Rettung. Das Gebäude ist vom Schwamm durchseucht und klitschnass. Es ist einfach tot. Das baut niemand wieder auf."

Eine Wiese in Südthüringen.
Das Golfhotel ist an der Schuderbachswiese landschaftlich schön gelegen. Bildrechte: MDR/Tino Geist

Abriss oder Denkmalschutz?

Für den Abriss ist jedoch noch ein sogenanntes behördliches Erlaubnisverfahren notwendig. Auch nach Angaben der Awo Sano ist das Gebäude in einem desolaten Zustand. Der Abbruch sei Voraussetzung für den Neubau. Das Gebäude zu erhalten sei aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich, so die neue Eigentümerin. Ob die Genehmigung allerdings mit Blick auf den Denkmalschutz von der Behörde beim Landratsamt erteilt wird, ist unklar. Vor zwei Jahren war ein ähnlicher Antrag gescheitert.

Damals hatte die Staatskanzlei einem Abriss unter anderem mit Verweis auf unzureichende Gutachten nicht zugestimmt. Denkmal-Experten haben den Abriss bisher immer abgelehnt. Ob sich das mit dem Verkauf nun ändert, ist fraglich. Einen Termin für den Baustart gibt es deswegen noch nicht.

MDR (jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 27. Februar 2024 | 15:30 Uhr

17 Kommentare

steka vor 6 Wochen

Es stimmt, in der DDR ist vieles verfallen, aber immerhin gab es gut funktionierende Bahnhofgebäude auch auf den Dörfern, meist mit Gaststätte sowie beheizten Warteräumen und Toiletten. Das "Ruinen schaffen ohne Waffen" fing erst nach der Wende richtig an.

steka vor 6 Wochen

Tja wenn "die da oben" gegen sich selbst auch die maßstäbe anlegen würden wie gegen andere Rechtsträgern. Wenns aus Steuerfinanzierung geht, kann kann man schonmal ein Auge zudrücken, leerstehen und verfallen lassen. Wenns aber um Fremdfinanzierung geht, dann aber ganz genau pingelig auf Denkmalschutz achten. Warum verfallen denn so viele alte Gebäude ? Weil die Eigentümer gar nicht mehr in der Lage sind die Denkmalschutzauflagen zu erfüllen und zu bezahlen.

camper21 vor 6 Wochen

martin, lesen Sie doch nochmal meinen Artikel. Ich habe nicht nur geschrieben, dass der Staat oder das Land nicht die besseren Vermieter sind, sondern auch nicht die besseren Bewirtschafter solcher lmmobillien. Ich habe auch nicht nur die Landesregierung in Thüringen kritisiert, die die Denkmal geschützten Immobilien verkommen lassen, sondern auch die kleinen Bürger, die glauben, dass der Staat oder das Land die besseren Vermieter sind.

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