Soldaten des Aufklärungsbataillons 13 beim Appell auf dem Hof von Schloss Friedenstein
Soldaten des Aufklärungsbataillons 13 beim Appell auf dem Hof von Schloss Friedenstein in Gotha. Bildrechte: MDR/Dirk Reinhardt

Bundeswehr Appell im Fackelschein: Gothaer Aufklärer mit neuem Kommandeur und vor einschneidenden Veränderungen

20. Februar 2024, 07:22 Uhr

Ein möglichst genaues Lagebild über den Gegner zu beschaffen, das ist die Aufgabe der Aufklärungstruppe der Bundeswehr im Gefecht. Ein Bataillon dieser Truppe ist seit vielen Jahren in Gotha stationiert. Am Montagabend marschierte es im Hof des Schlosses Friedenstein zu einem feierlichen Appell auf. Der Anlass: Das Bataillon bekam einen neuen Kommandeur.

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Sie bewegen sich möglichst unerkannt im Gelände oder fliegen mit ferngelenkten, unbemannten Aufklärungsdrohnen über feindliches Gebiet - die Aufklärer der Bundeswehr. Ihre Aufgabe: Möglichst viele und genaue Informationen über den Gegner sammeln, seine Stärke, Standorte, Bewaffnung und seine Bewegungen registrieren. Mit ihren Informationen sollen sie den eigenen Kommandostellen dabei helfen, ein Gefecht zu bestehen oder noch besser zu gewinnen.

Mit "Fennek" und Drohnen den Feind aufklären

Sie gehören zu den Elitetruppen der Bundeswehr. Ein Teil davon ist seit vielen Jahren in Gotha stationiert - das Aufklärungsbataillon 13. Sein Domizil ist die Friedensteinkaserne am südlichen Rand der Kreisstadt. Rund 500 Soldaten und Soldatinnen gehören der Einheit an. Die Aufklärer sind vergleichsweise leicht bewaffnet. Ihr wichtigstes Fahrzeug ist der gepanzerte Spähwagen "Fennek", zu ihren wichtigsten "Werkzeugen" gehören unbemannte Aufklärungsdrohnen.

Oberstleutnant Benjamin Hoppe, Brigadegeneral Alexander Krone, Oberstleutnant Friedrich Biebrach am Rande eines Appells auf Schloss Friedenstein
Oberstleutnant Benjamin Hoppe, Brigadegeneral Alexander Krone, Oberstleutnant Friedrich Biebrach am Rande des Appells auf Schloss Friedenstein Bildrechte: MDR/Dirk Reinhardt

Gothaer Aufklärer in Balkan, Mali, Afghanistan

Seit Montag hat das Aufklärungsbataillon 13 einen neuen Kommandeur. Bei einem feierlichen Appell im Hof des Schlosses Friedenstein übernahm Oberstleutnant Benjamin Hoppe das Kommando über die Einheit von seinem Vorgänger Oberstleutnant Friedrich Biebrach. Dieser hatte das Bataillon in den vergangenen drei Jahren geführt. Solche dreijährigen "Verwendungen", wie es bei der Bundeswehr heißt, sind üblich. Insbesondere die Karrieren höherer Offiziere sind ein stetiger Wechsel zwischen Truppenkommandos und sogenannten Stabsverwendungen - ein alle paar Jahre stattfindender Wechsel zwischen Kaserne und Büro also. Dazwischen liegen oft noch Ausbildungen und Einsätze im Ausland.

In seiner Abschiedsrede verwies der scheidende Kommandeur Biebrach auf die zahlreichen Auslandseinsätze der Einheit in den vergangenen Jahren. Das Bataillon habe seit 1996 Soldaten und Soldatinnen für insgesamt 25 Einsätze unter anderem auf dem Balkan, in Afghanistan und in Mali gestellt, sagte er. Diese intensive Einsatztätigkeit sei ein "Ausweis der besonderen Rolle der Aufklärer" in der Bundeswehr. In den drei Jahren unter seinem Kommando habe das Aufklärungsbataillon eine zentrale Rolle in der Eingreiftruppe der Nato, der Nato Response Force, gespielt. Im vergangenen Jahr habe es als Teil der "Speerspitze der NRF, der Very High Readiness Joint Task Force" den Kern eines multinationalen Aufklärungsbataillons gebildet.

Soldaten des Aufklärungsbataillons 13 beim Appell auf dem Hof von Schloss Friedenstein
Bei einem feierlichen Appell im Hof des Schlosses Friedenstein übernahm Oberstleutnant Benjamin Hoppe das Kommando. Bildrechte: MDR/Dirk Reinhardt

Bataillon steht vor einschneidenden Veränderungen

Sein Nachfolger Hoppe - er ist ausgebildeter Artillerist, hat BWL studiert und ist vor einigen Jahren zu den Aufklärern gewechselt - wird das Gothaer Bataillon nun in einen Veränderungsprozess führen. Die Einheit wird nach den Worten seines Vorgängers Biebrach etwa 40 Prozent seiner Dienstposten an andere Verbände der Bundeswehr abgeben und eine seiner derzeit drei Aufklärungskompanien dadurch verlieren. Diese Veränderungen sind Teil einer Strukturreform des Heeres, mit der sich die Bundeswehr besser auf ihre Hauptaufgabe, der Landes- und Bündnisverteidigung einstellen soll.

Dieser Verlust bedeute "schmerzhafte Einschnitte" für das Gothaer Bataillon, so sein scheidender Kommandeur. Jedoch werde der Standort Gotha durch die geplante Vergrößerung einer hier stationierten Kompanie des Versorgungsbataillons 131 aus Bad Frankenhausen und die Neugründung des Heimatschutzregiments 5 neue Aufgaben für Soldaten und Soldatinnen erhalten. Außerdem spiele das Bataillon weiterhin eine wichtige Rolle bei der Ausbildung neuer Soldaten und Soldatinnen.

Wichtiger Teil der Nato-Eingreiftruppe

Der Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 37 "Freistaat Sachsen", Brigadegeneral Alexander Krone, verwies darauf, dass das Bataillon während der Corona-Pandemie "überdurchschnittlich viele" Soldaten und Soldatinnen für die Amtshilfe in Gesundheitsämtern und medizinischen Einrichtungen gestellt habe. Unter der Führung des bisherigen Kommandeurs Biebrach habe sich die Einheit vor allem während ihres Einsatzes im Rahmen der NRF "großartig entwickelt". Das Bataillon in Gotha gehört - wie die meisten der in Thüringen stationierten Bundeswehr-Einheiten - zur Panzergrenadierbrigade 37, die ihr Hauptquartier im sächsischen Frankenberg hat. Die Brigade wiederum ist Teil der 10. Panzerdivision, deren Kommandeur Generalmajor Ruprecht von Butler vor fast 20 Jahren selbst Bataillonskommandeur in Gotha war - und sich aus alter Verbundenheit zu der Einheit am Montagabend als Gast zum Appell im Schlosshof einfand.

Der Division und damit auch den ihr unterstellten Einheiten in Thüringen stehen aus Sicht der Bundeswehr große Aufgaben bevor: Sie ist als "Division 25" vorgesehen. Dahinter verbirgt sich die Zusage Deutschlands an die Nato, ab dem Jahr 2025 eine voll ausgestattete und schnell einsatzfähige Heeresdivision für ihre schnelle Eingreiftruppe zur Verfügung zu stellen.

Landrat: Danke, dass es die Bundeswehr gibt

Diese Pläne hatte Gothas Landrat Onno Eckardt (SPD) möglicherweise im Blick, als er den Soldaten und Soldatinnen beim Appell versicherte, "Ihr Beitrag für den Schutz des demokratischen Miteinanders und des Friedens" sei heute "so wichtig wie lange nicht mehr". Er sei dankbar, dass die Bundeswehr Teil dieses Staates und seiner Sicherheitsinfrastruktur sei.

Zum Abschluss des gut einstündigen Appells durfte der "alte" Bataillonskommandeur dann noch einmal im Jeep eine Ehrenrunde vor der angetretenen Einheit drehen - eskortiert von mehreren Motocross-Motorradfahrern. Eine Hommage an eine der - privaten - Leidenschaften des nun ehemaligen Chefs der "Friedensteiner" in Gotha.

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MDR (dr/sar)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 20. Februar 2024 | 08:30 Uhr

3 Kommentare

martin vor 7 Wochen

Ach die Linken haben die Wehrpflicht abgeschafft und die Bw kaputt gespart?

Und ich dachte immer, dass Peter Struck (bis 2005) der letzte SPD-Verteidigungsminister vor Frau Lamprecht (ab Ende 2021) war und dass die Abschaffung der Wehrpflicht unter zu Guttemberg eingeleitet und unter de Maiziere vollzogen wurde.

Wie man sich doch irren kann ....

Kleingartenzwerg vor 7 Wochen

Vor wenigen Jahren hat man sich zu solchen Veranstaltungen noch vor Linken und Grünen Demonstranten und Störern verstecken müssen.
Der Ukraine Konflikt hat denen die sich noch vor Jahren öffentlich gegen die Bundeswehr platziert haben, denen die die Wehrpflicht abgeschafft und die Truppe kaputtgespart haben gezeigt, dass es Sicherheit nicht zum Nulltarif gibt und ein BW kein militaristischer Unsinn ist.

steka vor 7 Wochen

Schönes Spektakel. Hat aber zu Zeiten des "Alten Fritz" in den bunten Uniformen mehr hergemacht. Oder mal bei dei Briten umsehen wie Paradeuniformen auch aussehen könnten. Ansonsen wirrkt so ein Appell in der heutigen zeit etwas lächerlich.

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