Ein Panzer schießt während sich ein darauf stehender Soldat die Ohren zu hält.
Seit Freitagmorgen rücken russische Panzer und Bodentruppe in die ukrainische Grenzregion Charkiw vor. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO / SNA

Ukraine-News Russland startet Großangriff auf Grenzregion Charkiw

10. Mai 2024, 22:16 Uhr

Diese Ukraine-News vom Freitag, 10. Mai 2024 sind beendet.

Aktuelle Ukraine-News

22:16 Uhr | Selenskyj spricht von "heftigen Kämpfen" entlang der gesamten Front

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat angesichts der jüngsten russischen Offensive eine starke Antwort der Ukraine angekündigt. "Es gibt heftige Kämpfe entlang der gesamten Front", sagte Selenskyj am Freitag in einer in Onlinediensten veröffentlichten Videobotschaft. "Wir werden den Besatzer unweigerlich so zerstören, dass alle russischen Offensivvorhaben vereitelt werden", fügte er hinzu.

Die Ukraine habe nach dem Großangriff Verstärkung in die Region Charkiw entsandt und mit Artillerie und Drohnen auf den russischen Angriff reagiert, teilte Selenskyj mit. Der ukrainische Präsident rief die westlichen Verbündeten Kiews erneut zur Lieferung weiterer Militärhilfen auf.

Die USA bezweifelten unterdessen, dass Moskau bei der jüngsten Offensive größere Fortschritte machen werde. "Wir erwarten keine großen Durchbrüche", sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby.

22:01 Uhr | Feuer in Öllager bei Luhansk

Die russische Nachrichtenagentur Tass hat einen Angriff auf ein Öldepot in der von Russland kontrollierten Region Luhansk gemeldet. Infolge eines ukrainischen Angriffs sei dort ein Feuer ausgebrochen. Ukrainische Blogger berichteten, das Depot in der Ortschaft Rowenky sei getroffen worden.

21:40 Uhr | Medwedew droht London und Paris mit Gegenangriffen

Der frühere russische Präsident und heutige Vize-Vorsitzende des Nationalen Sicherheitsrats, Dmitri Medwedew, hat London und Paris mit drastischen Gegenschlägen im Falle ukrainischer Angriffe mit britischen oder französischen Marschflugkörpern gedroht. Derartige Angriffe gegen russisches Gebiet würden nicht "von Idioten in bestickten Gewändern geleitet, sondern von Briten und Franzosen", schrieb Medwedew am Freitag auf Telegram. Mit den "bestickten Gewändern" spielte er auf die traditionelle Tracht der Ukrainer an.

Der frühere NATO-General und Generalleutnant a.D. Erhard Bühler 69 min
Bildrechte: MDR / Erhard Bühler

Die Antwort auf solche Angriffe werde "unter Umständen" nicht gegen Kiew gerichtet sein, drohte er. "Und das nicht nur mit konventionellem Sprengstoff, sondern auch mit Spezialmunition." Dies sollten auch die "nicht vollständig ausgebildeten Idioten Seiner Königlichen Hoheit" verstehen, sagte er an Großbritannien gerichtet. Der britische Außenminister David Cameron hatte vor einigen Tagen bei seinem Besuch in Kiew der Ukraine erneut Unterstützung zugesichert. Der britischen Nachrichtenagentur PA zufolge betonte er während seiner Reise, es liege an Kiew zu entscheiden, wie die Ukrainer gelieferte Waffen einsetzten.

20:16 Uhr | Kanada stockt deutschen Fonds für Luftabwehr in der Ukraine auf

Der kanadische Verteidigungsminister Bill Blair hat angekündigt, 76 Millionen kanadische Dollar (rund 52 Millionen Euro) zur deutschen Initiative zur Stärkung der ukrainischen Luftabwehr beizusteuern. "Diese Investition wird der Ukraine helfen, sich gegen die brutalen Angriffe zu verteidigen, die Krankenhäuser, Kraftwerke und Wohnblocks zerstört und Tausende unschuldiger Ukrainer getötet haben", sagte Blair am Freitag in Ottawa auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius.

Pistorius sagte seinerseits, Luftabwehrsysteme vom Typ Iris-T würden in den kommenden Wochen an Kiew geliefert, "weil wir keine Zeit zu verlieren haben".  Deutschland hatte die Initiative Immediate Action on Air Defense (IAAD) im April gestartet und Verbündete aufgefordert, mehr Luftabwehr an die Ukraine zu liefern und zu finanzieren. Auch US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hat Länder mit Patriot-Systemen ermuntert, diese an Kiew abzugeben.

17:12 Uhr | USA planen Artillerie und Munition in die Ukraine zu schicken

Die USA bereiten eine Lieferung mit Rüstungsgütern an die Ukraine im Wert von 400 Millionen Dollar vor. Darin inbegriffen seien Artillerie, Luftabwehr, panzerbrechende Munition, gepanzerte Fahrzeuge und Kleinwaffen, die sofort auf dem Schlachtfeld eingesetzt werden könnten, sagte ein Regierungsmitarbeiter.

Die US-Lieferungen sind wieder möglich geworden, nachdem der Kongress seine monatelange Blockade der militärischen Hilfen für die Ukraine aufgehoben hat. Es beinhalte unter anderem Munition für das Luftabwehrsystem Patriot, weitere Mehrfachraketenwerfer vom Typ Himars mit Munition sowie Stinger-Flugabwehrraketen und Artilleriemunition mit den Kalibern 155 und 105 Millimeter. 

16:41 Uhr | Ukraine rechnet mit Kampfjets im Sommer

Die Ukraine rechnet einem Insider zufolge im Juni oder Juli mit der Lieferung von ersten F-16-Kampfjets. Von welchem Land die Maschinen aus US-Fertigung stammen würden, sagt der hochrangige Militärvertreter nicht. Bisher haben Dänemark, die Niederlande, Norwegen und Belgien die Lieferung von F-16 zugesagt. Die Jets sollen der Ukraine helfen, die russische Luftüberlegenheit zu brechen.

15:22 Uhr | Selenskyj: "Heftiger Kampf" bei russischer Offensive in Region Charkiw

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach Beginn einer massiven russischen Bodenoffensive von einem "heftigen Kampf" in der ostukrainischen Region Charkiw gesprochen. "Russland hat eine neue Welle von Gegenoffensivaktionen gestartet", sagte Selenskyj am Freitag bei einer Pressekonferenz. "Die Ukraine begegnete ihnen dort mit unseren Truppen, Brigaden und Artillerie (...) Jetzt ist in dieser Richtung ein heftiger Kampf im Gange."

Das Verteidigungsministerium in Kiew hatte zuvor erklärt, die russischen Streitkräfte hätten am frühen Morgen in Charkiw versucht, mithilfe gepanzerter Fahrzeuge die ukrainischen Verteidigungslinien zu durchbrechen. Weiter hieß es aus dem Ministerium, die Angriffe seien "zurückgedrängt" worden, es fänden jedoch weiterhin "Kämpfe unterschiedlicher Intensität" statt.

14:47 Uhr | Ministerin Schulze eröffnet größtes Prothesen-Zentrum der Ukraine

Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) hat in der Ukraine die größte Werkstatt des von Russland angegriffenen Landes zur Herstellung von Prothesen für Kriegsverletzte eröffnet. Der Bau in der westukrainischen Stadt Lwiw wurde von Deutschland mit 1,8 Millionen Euro gefördert und gehört zu einem Zentrum für Orthopädie, in dem auch Fachkräfte ausgebildet werden und das an ein Rehabilitations-Zentrum angebunden ist.

"Das ist ein Ort der Hoffnung, das ist ein Ort der Stärke", sagte Schulze am Freitag bei der Eröffnungszeremonie. Viel zu viele Menschen hätten durch Minen, durch Granaten oder durch eingestürzte Gebäude Beine oder Arme verloren oder sogar ihr Leben. "Aber was man hier sehen kann ist, dass die Ukrainerinnen und Ukrainer sich davon nicht entmutigen lassen."  

13:35 Uhr | Russland startet Großangriff auf Grenzregion

Die russische Armee hat nach ukrainischen Angaben einen großen Angriff in der Grenzregion bei der Stadt Charkiw im Norden des Landes begonnen. Das ukrainische Verteidigungsministerium teilte mit, am Freitagmorgen ab 5 Uhr Ortszeit seien feindliche Bodentruppen im Schutz von Panzerfahrzeugen vorgerückt, um die Verteidigungslinien zu durchbrechen.

Ziel der Angriffe war demnach die ukrainische Stadt Wowtschansk, die etwa 40 Kilometer nordöstlich von Charkiw dicht an der Grenze liegt. Bislang seien die Angriffe abgewehrt worden, die Kämpfe dauerten in unterschiedlicher Intensität an, teilte das Militär mit. Unabhängig waren diese Angaben nicht zu überprüfen.

Feuerwehrleute löschen ein Feuer nach einem russischen Angriff. 1 min
Bildrechte: picture alliance/dpa/AP | Yevhen Titov

Über eine mögliche russische Offensive bei Charkiw wird seit Wochen spekuliert. Es gibt Berichte, dass die russischen Truppen dort mehrere Zehntausend Mann zusammengezogen haben. Für den Ernst der Lage spricht, dass das Verteidigungsministerium in Kiew sich dazu äußerte, nicht wie sonst der Generalstab.

Die Ukraine hat nach Angaben ihres Verteidigungsministeriums militärische Verstärkung in das Grenzgebiet in der nordöstlichen Region Charkiw entsandt. Damit sollen die dortigen Truppen dabei unterstützt werden, russische Angriffe abzuwehren, begründet das Ministerium die Maßnahmen.

12:05 Uhr | Russische Truppen greifen in Region Charkiw an

Die russischen Truppen haben nach Angaben des Gouverneurs der im Nordosten der Ukraine gelegenen Region Charkiw, Oleh Synehubow, versucht, die Grenze zur Ukraine zu durchbrechen. Sie hätten den Beschuss der nahe der Grenze zu Russland gelegenen Stadt Wowtschansk verstärkt, erklärt Synehubow auf dem Kurzmitteilungsdienst Telegram.

Die Angriffsversuche seien abgewehrt worden, die ukrainischen Streitkräfte hätten "selbstbewusst ihre Stellungen gehalten und keinen einzigen Meter verloren". Russland habe nicht die Mittel, um auf die gleichnamige Stadt Charkiw vorzurücken, erklärt Synehubow. Die Aktionen der russischen Truppen an der Grenze seien eine "Provokation".

09:21 Uhr | Meckel für Nato-Beitrittszusage für Ukraine

Der letzte Außenminister der DDR, Markus Meckel, hat eine Nato-Beitrittszusage für die Ukraine gefordert. Im Podcast "Wir sind das Volk" der Stiftung Friedliche Revolution Leipzig sagte das SPD-Mitglied, eine solche Zusage sollte zwar nicht während des Kriegs umgesetzt werden, aber für die Zeit danach. Er halte es für falsch, dass die Bundesregierung das nicht tue. Weiter sagte Meckel, man könne auch heute schon darüber nachdenken, ob auch Staaten, "die noch nicht angegriffen sind, die Nato-Mitgliedschaft erhalten", gerade in der Nachbarschaft von Russland, "dem man leider nicht trauen" könne.

08:25 Uhr | Ukrainischer Angriff trifft russische Ölraffinerie in Region Kaluga

In der russischen Oblast Kaluga ist einem Medienbericht zufolge nach einem ukrainischen Drohnenangriff eine Ölraffinerie in Brand geraten. Das meldet die staatliche russische Nachrichtenagentur RIA unter Berufung auf Insider von Rettungsdiensten. Bei dem Brand in der Raffinerie "Pervyi Zavod" in Kaluga seien drei Container mit Dieselkraftstoff und einer mit Heizöl zerstört worden.

Der Gouverneur von Kaluga, Wladislaw Schapscha, erklärte zuvor auf dem Kurzmitteilungsdienst Telegram, das Feuer in einem Unternehmen sei umgehend gelöscht worden. Um welche Art von Unternehmen es sich handelt, ließ er offen. Die Ukraine hat in den vergangenen Monaten verstärkt Energieanlagen auf russischem Territorium angegriffen und zielt damit vor allem auf die Treibstoffversorgung der russischen Truppen.

06:52 Uhr | Ukraine: Abschuss von zehn russischen Drohnen

Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben alle zehn Kampfdrohnen abgefangen und zerstört, die die russischen Streitkräfte in der Nacht zu Freitag gestartet hatten. Die ukrainische Luftwaffe erklärte auf dem Kurzmitteilungsdienst Telegram, Russland habe zudem zwei Flugabwehrlenkraketen abgefeuert. Was mit den Raketen geschehen ist, bleibt zunächst offen.

01:30 Uhr | Angebliche Drohnenabwehr südlich von Moskau

Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin teilt über die Nachrichten-App Telegram mit, dass russische Flugabwehreinheiten eine Drohne südlich von Moskau abgefangen haben. Es habe keine Verletzten oder Schäden durch herabfallende Trümmer gegeben, schreibt Sobjanin am frühen Freitagmorgen.

Ein medizinischer Mitarbeiter tröstet eine Frau am Ort eines russischen Luftangriffs. 3 min
Bildrechte: picture alliance/dpa/AP | Andriy Andriyenko

00:20 Uhr | Selenskyj wirbt für EU-Beitritt seines Landes

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat einmal mehr für den EU-Beitritt seines Landes geworben. "Unser Staat, unser Volk haben es verdient, und auch die Europäische Union braucht diesen Schritt – nicht nur politisch", sagte Selenskyj am Donnerstag in seiner täglichen Videoansprache. Die EU beziehe ihre Kraft auch eben daraus, niemanden vor der Tür zu lassen, der an die europäischen Werte glaube. Kiew setze darauf, dass im Juni die eigentlichen Beitrittsverhandlungen beginnen werden. Es wird erwartet, dass die EU-Mitglieder nach der Europawahl im Juni über den Beginn der Gespräche entscheiden.

00:00 Uhr | Ukraine-News am Freitag, 10. Mai 2024

Guten Morgen! In unseren Ukraine-News halten wir Sie weiterhin über die Entwicklungen im Krieg in der Ukraine auf dem aktuellen Stand. Alle wichtigen Nachrichten dazu erscheinen hier im Laufe des Tages.

Die Berichterstattung über den Russland-Ukraine-Krieg ist komplex. Es gibt eine Vielzahl von Medienvertretern vor Ort, darunter auch unabhängige Journalisten aus verschiedenen Ländern. Trotzdem ist wichtig zu wissen, dass die Beschaffung verlässlicher Informationen schwierig ist, weil viele verfügbare Quellen politisch motiviert sein können und schwer zu überprüfen. Dennoch gibt es unabhängige Experten, Organisationen und Journalisten, die differenzierte Einblicke bieten. Bei der Bewertung von Informationen sind verschiedene Quellen und eine kritische Haltung unerlässlich, um ein möglichst umfassendes Bild zu erhalten. Alles das berücksichtigt der MDR in seinen Berichten über den Russland-Ukraine-Krieg.

Quellen: u.a. AFP, dpa, Reuters, MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 10. Mai 2024 | 06:00 Uhr

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