Datensicherheit Daten richtig löschen: auf Festplatte und Smartphone

Wer alte Handys und Laptops weiterverkaufen oder recyceln lassen will, sollte sich Zeit nehmen, um seine Daten darauf vorher zu löschen. Warum das Zurückstellen auf Werkseinstellungen nicht immer reicht? Das verraten wir hier!

Ein Radiergummi auf einer Tastatur
Wer auf "Nummer sicher" gehen will, sollte in jedem Fall ein Löschprogramm zur Hand nehmen. Bildrechte: imago/Sven Simon

Ein schnellerer Prozessor, mehr Speicherplatz, eine bessere Kamera: Für viele sind das Gründe, sich regelmäßig neue Computer, Laptops oder Smartphones zu kaufen. Die alten Geräte sollen dann neue Besitzer finden oder zerlegt werden, um wertvolle Rohstoffe daraus weiter verwerten lassen zu können.

Bilder, Videos, Textdateien werden dann vor der Weitergabe gesichert. Sicher gehen sollte man dann auch, dass von den Daten von Fremden nichts mehr auf den Altgeräten abrufbar ist. Das könnte Kriminelle auf den Plan rufen, wenn sie private Aufnahmen und persönliche Mitteilungen als Druckmittel verwenden, um Geld zu erpressen.

Löschen heißt eben doch nicht "ganz weg"

Beim "normalen" Löschen werden die Daten in der Regel nicht vom Speicher entfernt, sondern nur zum Überschreiben freigegeben. Tückisch: Werden die Daten jedoch dann nicht überschrieben, sind sie weiterhin mit dafür vorhandenen Mitteln für Dritte zugänglich.

Wo liegen die Daten dann noch?

Es werden hier lediglich die Dateipfade gelöscht nicht aber das jeweilige Foto oder der abgespeicherte Mietvertrag. Die Dateipfade und Ordnerstrukturen stellen die sogenannte logische Schicht dar.

Für den Nutzer sind die Dateien zwar nicht mehr sichtbar, aber sie existieren nach wie vor auf der physischen Schicht, der Festplatte.

Auf Werkszustand zurücksetzen: Ja, aber ...

Die Option "auf Werkszustand zurücksetzen" ist eine Standardeinstellung bei Smartphones. Für spezielle Programme sind die Daten aber auch hier immer noch lesbar, wenn es sich um ältere Handymodelle handelt. Analog ist dies beim Löschen der Festplatte im Computer – auch das Formatieren bringt hier nur bedingt etwas, denn die digitalen Daten verbleiben auf dem Datenträger, nur die Dateisystemstruktur wird neu angelegt.

Daten verschlüsseln

Bei aktuelleren Geräten, die auf iOS und Android basieren, können die Daten auf Handys und Laptops verschlüsselt werden. Bei der Zurückstellung auf Werkszustand wird auch der Code zum Entschlüsseln gelöscht. Ob das auch standardmäßig ab Werk so eingestellt ist, ist unter den Einstellungen unter "Sicherheit" zu finden.

Vorsicht Aus Versehen gelöschte verschlüsselte Daten können für Laien dann auch nicht wieder hergestellt werden.

Löschsoftware verwenden

Geräte älterer Modelle verfügen nicht immer über eine Verschlüsselungs-Option. Hier kann eine Lösch-Software helfen, die Daten sicher zu entfernen. Diese gibt es als Downloads und als Apps.

Das Prinzip dahinter: Die Daten werden aktiv durch willkürliche Zeichenketten viele Male überschrieben und so unnutzbar gemacht. Dann auf Werkseinstellungen zurücksetzen.

Beim Überschreiben der Festplatte empfehlen Experten, Programme zu verwenden, die von externen Speichermedien wie CD oder USB-Stick gestartet werden und die Festplatten im Ganzen überschreiben.

Tipp Bei modernen Festplatten kann die Anwendung "ATA-"Enhanced Security Erase" durchgeführt werden. Damit wird die Festplatte inklusive defekter Speicherbereiche gelöscht. Laut Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik wird dies bei SSD oder SSHD als Löschmethode empfohlen. Dieses Verfahren sollte aber in Kombination mit einer Löschsoftware zum Einsatz kommen.

Speicher selbst überschreiben

Wer nicht auf eine Lösch-Software zurückgreifen will, kann seinen Speicher auch selber wirkungsvoll überschreiben. Dazu einfach nach dem Löschen den Speicher mindestens drei Mal mit sinnlosen Daten befüllen. Tipp: Videos drehen, bis der Speicher voll ist und auch imaginäre neue Kontakte anlegen. Dann auf Werkseinstellungen zurücksetzen. Dass alle sensiblen Daten damit verschwinden, ist allerdings nicht garantiert.

Achtung Auch alle Benutzerkonten offline nehmen und die Speicherkarte vor der Lösch- und Überschreibungsaktion entfernen. SIM-Karte im Handy gegebenenfalls entfernen.

Tipp bei defekten Geräten

Sind alte Geräte nicht mehr funktionsfähig, können dennoch die Daten unter Umständen noch abgerufen werden, wenn der Speicher noch intakt ist. Dann kann es ratsam sein, richtig Hand anzulegen und Speicherkarte oder Festplatte mithilfe von Hammer und Co (Sicherheitsvorkehrungen beachten!) zu zerstören.

Quelle: MDR Voss & Team/cb

Erpressung mit Daten: Ransomware

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Voss & Team | 28. Oktober 2021 | 20:15 Uhr

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