Gericht Thüringer Wölfin darf nicht geschossen werden

Während der Abschuss der Wolf-Hund-Mischlinge in Thüringen in der kommenden Woche erleichtert werden soll, ist die Tötung ihrer Mutter weiterhin untersagt. Am Donnerstag betonte ein Gericht in Gera den besonderen Schutz der Wölfin.

Wolf in freier Wildbahn von einer Fotofalle aufgenommen
Die Ohrdrufer Wölfin und ihr Nachwuchs tappten 2017 in eine Fotofalle. Bildrechte: Bundesforst

Die bei Ohrdruf lebende Wölfin darf vorerst nicht getötet werden. Das hat das Verwaltungsgericht Gera am Donnerstag entschieden. Es gab damit einem Eilantrag des Naturschutzbundes (Nabu) Deutschland statt. In dem etwa 100 Quadratkilometer großen Schutzgebiet genießen Wölfe laut Gericht vorrangigen Schutz.

Das Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz hatte zuvor einem Abschuss zugestimmt. Die Entscheidung wurde damit begründet, dass die Wölfin zwar zu einer streng geschützten Tierart gehöre, die Entnahme aber gerechtfertigt sei, um Schäfer vor weiterem wirtschaftlichen Schaden zu bewahren. Die Wölfin hatte im vergangenen Jahr in der Region zahlreiche Schafe und Ziegen gerissen. Darunter waren auch Tiere, die mit Elektrozäunen geschützt waren.

Gericht: Wolf genießt besonderen Schutz

Bei seiner Entscheidung hätte das Landesamt nicht nur die artenschutzrechtlichen Vorschriften ins Auge fassen müssen, so nun die Auffassung der Kammer in Gera. Vielmehr hätte es vorrangig beachten müssen, dass die Wölfin zu einer Tierart gehört, die wesentlicher Bestandteil des europäischen Schutzgebietes ist und als solche besonderen Schutz beanspruchen könne, heißt es in der Begründung. Das Gericht warf auch die Frage der Verhältnismäßigkeit auf: "Möglicherweise sind weniger einschneidende Maßnahmen möglich, die zu einen Ausgleich zwischen der Nutztierhaltung und der Existenz der Wölfe führen." Die Kammer habe im Verfahren beispielsweise höhere Zäune und einen stärkeren Einsatz von Schutzhunden angesprochen.

Wolfshybride sollen abgeschossen werden

Auch wenn die Wölfin vorerst nicht geschossen werden darf - ihr Nachwuchs soll getötet werden: In der kommenden Woche tritt in Thüringen eine spezielle Verfügung in Kraft, nach der der Abschuss der Wolfshybride am Standortübungsplatz Ohrdruf erleichtert werden soll. Aus Artenschutzgründen müssten Kreuzungen von Hund und Wolf aus der Natur entnommen werden, hieß es aus dem Umweltministerium. Damit werde die Wildtierpopulation des Wolfs vor dem Eindringen von Haushund-Genen geschützt. Eine Vermischung der Gene gefährde den Fortbestand der Wolfspopulation. Zwei der Tiere wurden nach Angaben des Umweltministeriums schon am 14. und 19. Februar getötet. Bei beiden Hybriden soll es sich um weibliche Tiere gehandelt haben.

Quelle: MDR THÜRINGEN/maf

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 20. Februar 2020 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2020, 19:31 Uhr

8 Kommentare

Harka2 vor 6 Wochen

@dejada
Möchtest du uns wirklich sagen, dass wir heute zu blöd sind zusammen mit dem Wolf zu leben, dass unsere Vorfahren im Mittelalter aber problemlos schafften? Es gibt aus Mitteleuropa aus der gesamten Geswchichte der letzten tausend Jahre nicht einen einzigen belegten Fall, in dem ein gesunder Wolf einen Menschen angefallen hätte. Lassen wir mal Rotkäppchen außen vor, dann gibt es absolut keinen Grund dafür, Wölfe zu verteufeln.

dejada vor 6 Wochen

Der Wolf passt nicht in unsere Kulturlandschaft. Er verursacht hier nur Ärger und Kosten - jetzt beschäftigt er mal wieder Gerichte. Und dann das Theater um die Hybriden. In den östlichen Ländern hat da noch nie einer danach gefragt und es geht auch. Die Anwesenheit dieser Tiere ist für uns Deutsche einfach zu kompliziert.

Harka2 vor 6 Wochen

Nicht zu früh freuen. Die Entscheidung hat nur aufschiebende Wirkung bezüglich der Abschusserlaubnis. Das ist nicht ein Urteil im Hauptverfahren, denn das läuft noch.

Wer das Gebiet kennt, der weis, dass der Truppenübungsplatz die vermutlich größte zusammenhängende Fläche Thüringens ist, die nicht durch Straßen zerschnitten wird. Wenn dort nicht genug Platz ist, wo dann? Die östliche Grenze des Truppenübungsplatzes ist das Jonastal, ein sehr einsames Tal mit so gut wie gar keinem Verkehr und Tempolimit (was man dank der vielen Kurven und der Enge der Straße gar nicht überschreiten kann), dann schließt sich ein weiteres Waldgebiet an. Da ist also Platz ohne Ende und Wildunfälle fast schon ausgeschlossen.

Ich denke, die Menschen von heute sollten wieder lernen, mit den Wölfen zu leben. Die im Mittelalter haben das ja auch geschafft. Und, mal ganz ketzerisch, Schafzucht ist eh unprofitabel ;-)

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