Corona & Influenza Staub in der Luft kann Viren übertragen

Forschende aus den USA haben untersucht, wie sich Viren für Atemwegserkrankungen durch Partikel in der Luft verbreiten können. Die Ergebnissen könnten helfen, der Übertragungsweg von Corona besser nachzuvollziehen.

Nahaufnahme eines Hausmeerschweinchen in seinem Gehege. Kleines, felliges Tier, das an einen Hamster oder eine Maus mit kleinen Ohren erinnert. Umgeben von Holzwänden und Stroh, Umgebung unscharf.
Schaut unschuldig, ist es auch. Denn für die Grippeviren, die dieses Meerschweinchen aus dem Fell schleudern könnte, kann es nix. Bildrechte: imago images/Martin Bäuml Fotodesign

Welche Schutzmaßnahmen vor Corona zu empfehlen sind, verrät auch, wie sich die Viren vorzugsweise verbreiten. Eine Mund-Nasen-Bedeckung und Abstandhalten verhindern, dass Tröpfchen aus den Atemwegen in die Luft zu einem Mitmenschen gelangen – die wahrscheinlichste Übertragungsvariante. Und Händewaschen beugt Schmierinfektionen vor. Forschende verschiedener US-amerikanischer Institute bringen jetzt eine dritte Variante ins Spiel.

Wie auf Türklinken, nur in der Luft

Die kann man sich wie eine Mischung der beiden vorstellen, eine Schmierinfektion in der Luft sozusagen. Nur, dass die Viren nicht auf Türklinken sitzen, sondern auf winzigen Partikeln wie Staub oder Fasern umherwandern. Das Team hat eine Studie veröffentlicht, die auf Versuchen mit Grippeviren und Meerschweinchen basiert. "Für die meisten Virologen und Epidemiologen ist es wirklich schockierend, dass Staub in der Luft anstelle von Ausatmungs-Tröpfchen Influenzaviren übertragen kann, die Tiere infizieren können", sagte Forschungsleiter William Ristenpart vom UC Davis Department of Chemical Engineering. "Die implizite Annahme ist immer, dass die Übertragung in der Luft aufgrund von Atemtröpfchen erfolgt, die durch Husten, Niesen oder Sprechen freigesetzt werden."

Für die meisten Virologen und Epidemiologen ist es wirklich schockierend, dass Staub in der Luft ... Influenzaviren übertragen kann.

William Ristenpart, UC Davis

Die Übertragung über Staub eröffne hingegen ganz neue Untersuchungsbereiche und habe zudem tiefgreifende Auswirkungen auf die Interpretation von Laborexperimenten sowie generell die Untersuchungen von Epidemien, so Ristenpart.

Grippeviren: Vom Fell in die Luft

Das Team hat Mithilfe eines automatisierten Partikelmessgeräts zunächst festgestellt, dass nicht infizierte Meerschweinchen bei ihrer Bewegung im Käfig bis zu 1.000 Partikeln pro Sekunde abgeben können. Partikel, die durch die Atmung der Tiere abgegeben wurden, waren hingegen viel niedriger. Meerschweinchen mit dem Grippevirus auf ihrem Fell könnten das Virus über die Luft auf andere anfällige Meerschweinchen übertragen.

Die Forschenden haben sich zudem angesehen, ob mikroskopische Fasern den Viren dienlich sein könnten. Die könnten zum Beispiel von einem Taschentuch mit Grippeviren stammen. Beim Zerknittern des getrockneten Taschentuchs wurden in den Beobachtungen bis zu 900 Partikel pro Sekunde in einem Größenbereich freigesetzt, der eingeatmet werden könnte – darunter auch Partikel aus mit Viren verunreinigtem Gewebe. Also: Taschentücher nach dem Schnäuzen besser gleich entsorgen und nicht rumliegen lassen. Erst recht nicht im Meerschweinkäfig.

flo

Wichtiger Hinweis Die Forschungsergebnisse sind unter Labor- und nicht Realbedingungen entstanden. Sie liefern zudem keine Hinweise auf den Hauptübertragungsweg von SARS-CoV-2. Bitte halten Sie sich an die allgemein bekannten Hygiene- und Verhaltensregeln.

Link zur Studie

Die Studie erschien am 18. August 2020 im Fachjournal Nature Communications.
DOI: 10.1038/s41467-020-17888-w

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