Saiteninstrumente des MDR-Sinfonieorchesters
Thibault Noally hat sich mit seinem Ensemble "Les Accents" auf Barockmusik spezialisiert Bildrechte: MDR/Martin Jehnichen

Barockmusik Bachs hörenswerte Zeitgenossen

Der französische Geiger Thibault Noally wollte mit seinem Ensemble "Les Accents" Bach-Violinkonzerte aufnehmen – und hat bei der Gelegenheit äußerst hörenswerte Stücke von unbekannteren Zeitgenossen Bachs ausgegraben. Darunter finden sich Werke von Christoph Förster, Johann Gottlieb Graun und dem Zerbster Hofkapellmeister Johann Friedrich Fasch.

von Claus Fischer, MDR KULTUR-Musikkritiker

Saiteninstrumente des MDR-Sinfonieorchesters
Thibault Noally hat sich mit seinem Ensemble "Les Accents" auf Barockmusik spezialisiert Bildrechte: MDR/Martin Jehnichen

Es ist ein ständiges und anregendes Wechselspiel: deutsche Vertreter der Alte-Musik-Szene lieben häufig das französische Repertoire vom Hof Ludwigs XIV. und französische Kollegen schwärmen für Johann Sebastian Bach und die Musik an deutschen Fürstenhöfen der Barockzeit.

Cover: Les Accents: "Bach & Co"
Das Album "Bach & Co" versammelt Violinkonzerte von Bach und Musik von unbekannteren Zeitgenossen. Bildrechte: Aparte Music

Thibault Noally ist dafür das Paradebeispiel. Der 1982 geborene Musiker hat unter anderem mit "Concerto Köln" zusammengearbeitet und ist Konzertmeister des Ensembles "Les Musiciens du Louvre", das er mittlerweile auch als Stellvertreter des Gründers Marc Minkowski leitet.

Vor fünf Jahren hat Noally dann "Les Accents" gegründet um eigene Projekte zu verwirklichen. So hat das Ensemble vor einigen Jahren bereits eine CD mit venezianischer Musik gemacht, von Vivaldi und unbekannten Zeitgenossen. Und jetzt das Projekt mit Musik rund um Bach.

Die Aufgabe meines Ensembles ist es, Instrumentalmusik des 17. und 18. Jahrhunderts auszugraben, vor allem Musik aus Deutschland und Italien.

Thibault Noally über sein Ensemble "Les Accents"

Historische Aufführungspraxis als Schlüssel zum guten Klang

Noally benutzt ein historisches Instrument aus der Hand des deutschen Barockgeigenbauers Jacob Stainer. Sein Violinspiel ist klar und transparent, aber es hat auch eine stark sinnliche Note. Diesen Gestus überträgt er genial auf den Gesamtklang des Ensembles.

Ich finde, historisch-informiertes Musizieren ist absolut notwendig, wenn man als junges Ensemble diese Musik optimal darstellen möchte.

Thibault Noally

Zu einer eigenen Interpretation und optimalem Klang komme nur, wer die Technik der alten Instrumente und den Stil der Artikulation beherrsche, bekennt Noally. Diese Kenntnisse sind für ihn aber nur die Voraussetzungen für ein lebendiges Musizieren.

All die Werke, die wir hier spielen, sind ja keine Museumsstücke. Wir müssen Lebendigkeit und vor allem Spannung in die Musik bringen.

Thibault Noally

Musik von Telemann, Fasch, Graun und anderen

Komponist Carl Heinrich Graun
Auf dem Album findet sich auch Musik von Carl Heinrich Graun, dem Kapellmeister Friedrich des Großen Bildrechte: IMAGO

Zwei bekannte Violinkonzerte von Johann Sebastian Bach bilden das Zentrum der CD. Um sie herum gruppiert Noally mit seinem Ensemble "Les Accents" unbekannte Werke von Bachs Kollegen Johann David Heinichen, Georg Philipp Telemann, Johann Friedrich Fasch, Christoph Förster und Johann Gottlieb Graun.

Auf die Idee zu dem Album ist Noally gekommen, weil er Bachs Violinkonzerte aufnehmen wollte. "Ich stellte mir die Frage: Was haben denn die anderen deutschen Komponisten seiner Generation zu diesem Genre beigetragen? Was haben sie zur selben Zeit für Violinkonzerte geschrieben?"

Beim Sichten des Materials habe er dann festgestellt, dass darunter sehr viele Konzerte für zwei Violinen waren, eine populäre Form in der damaligen Zeit. "Bach hat ja auch einige Doppelkonzerte komponiert. So habe ich Solokonzerte und Doppelkonzerte ausgewählt und – damit es klanglich farbiger wird – auch Konzerte, in denen Streichinstrumente mit Blasinstrumenten wie Traversflöte oder Oboe solistisch kombiniert werden", erklärt Noally.

Thibault Noallys Violinspiel ist klar und transparent, aber es hat auch eine stark sinnliche Note.

Claus Fischer, MDR KULTUR-Musikkritiker

Die neue CD des Ensembles "Les Accents" zeigt einmal mehr, dass Johann Sebastian Bach zwar, wie Max Reger meinte, Anfang und Ende aller Musik ist, dass aber dazwischen viele weitere Lichtpunkte liegen, die eine stärker Beachtung unbedingt verdient haben!

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 11. Juni 2019 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Juni 2019, 04:00 Uhr

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