Ein Fuchs zeigt die Zähne und legt die Ohren an
Eine Füchsin macht den Ermittlern das Leben schwer Bildrechte: IMAGO

Krimi des Monats März: Ken Bruen - "Füchsin" "Wenn das die Guten sein sollen ..."

Ken Bruen ist in der englischsprachigen Krimi-Welt ein Star. 1951 in Galway geboren, gilt er als der wichtigste Vertreter des Irish-Noir. Ende der 1990er Jahre hat der Rowohlt Verlag mal ein paar seiner Romane herausgebracht, konnte den Autor aber nicht durchsetzen. Erst später wurde er bekannter. Die Bruen-Reihe um Detective Sergeant Brant erscheint sukkzessive im kleinen, feinen Polar-Verlag.

von Stefan Maelck

Ein Fuchs zeigt die Zähne und legt die Ohren an
Eine Füchsin macht den Ermittlern das Leben schwer Bildrechte: IMAGO

Schon mit dem ersten Satz ist man mitten drin, das ist typisch Ken Bruen. Die Krimis des Iren sind selten länger als 200 Seiten, da bleibt keine Zeit für große Umwege und Einleitungen. Füchsin ist der fünfte von bisher insgesamt sieben Büchern der Serie um Detective Sergeant Tom Brant und Chief Inspector James Roberts. Und es ist der zweite Krimi dieser Reihe, der in deutscher Übersetzung erscheint. Wer hier erstmals Bekanntschaft mit dem recht unkonventionellen Detective Sergeant Brant macht, der muss bis zum dritten Kapitel warten, wo Brant dann so eingeführt wird:

Brant machte: 'Aaah...' Die Nutte war fertig, wischte sich den Mund ab und stand auf. Brant streckte sich, sagte: 'Im Kühlschrank steht Bier, hol uns mal zwei. Sie funkelte ihn an, hätte gern gebrüllt: 'Hol’s selber, du blödes Schwein!' Aber sie kannte ihn länger, als sie sich erinnern wollte, spülte den Mund aus, spuckte, sagte: 'Weg mit dem Dreck.'

Aus dem Krimi "Füchsin" von Ken Bruen

Sympathieträger

Buchcover: Krimi, Ken Bruen - "Füchsin"
Ken Bruen - "Füchsin" Bildrechte: Polar

Tom Brant ist eine Legende in Southeast London, was bedeutet: Die Nutten mögen ihn, die Pub-Besitzer auch, wenn er keinen Ärger anzettelt, die Ganoven fürchten ihn, wenn sie nicht seine Informanten sind und die Kollegen schauen zu ihm auf. Bis auf seinen Chef, Superintendent Brown. Der schaut verächtlich auf Brant und seine Methoden herab.

Brant ist die Art Bulle, die gern auch mal das Gesetz in die eigenen Hände nimmt. Es überrascht den Noir-Leser nicht, dass er damit erfolgreich ist. Sein neuer Fall jedoch stellt ihn vor eine besondere Aufgabe: Bomben explodieren in seinem Viertel, angekündigt und einfach so. Die sich das ausgedacht hat, ist eine astreine Psychopathin. Brant hat es lieber mit professionellen Verbrechern zu tun.

Angie James war ernsthaft gestört. Das hatte sie früh kapiert und genauso schnell hatte sie kapiert, wie es sich verbergen ließ. Erst etwas später hatte sie begriffen, dass andere Menschen richtig von falsch unterschieden konnten. Ihr Radar nahm nur auf, ob sie sich gut oder betrogen fühlte. Dazwischen gab es wenig. Sie rettete sich durch Nachahmung, verfeinerte ihre Überlebenstechnik, indem sie die Gefühlsregungen anderer nachahmte. Das hatte seinen Preis. Der Versuch, ihre Familie abzufackeln, hatte ihr als Teenager zwei Jahre Klapse eingebracht. Die besten zwei Jahre ihres Lebens, denn dort hatte sie gelernt, durch Sex Macht auszuüben.

Aus dem Krimi "Füchsin" von Ken Bruen

Perfekter Plan

Nach einem Jahr im Holloway-Gefängnis hat Angie den angeblich perfekten Plan: sie will nach Florida und sich einen Millionär angeln. Das Startkapital dafür will sie sich mit Erpressung besorgen. Dafür braucht sie nur ein paar Stangen Dynamit, billige Zünder und die Hilfe von zwei Männern.

Angie war inzwischen mit zwei Brüdern zusammen, Ray und Jimmy Cross. Ray hatte Hirn, Jimmy Muskeln. Sie waren Kleinkriminelle und verrückt nach ihr. Dass sie es mit beiden trieb, machte keinem was aus. Angie fand an den Brüdern vor allem die Bude in der Clapham Road attraktiv, in der sie zur Miete wohnten.

Aus dem Krimi "Füchsin" von Ken Bruen

Ray und Jimmy sind die perfekten Gehilfen für Angies Plan, natürlich hat sie nicht wirklich vor, die geforderten 600.000 Pfund mit den beiden zu teilen und eine gute Idee für die Geldübergabe hat sie auch, kann also eigentlich nichts schief gehen. Außerdem macht sich Angie an die Polizistin Elisabeth Falls ran, um sich über den Stand der Ermittlungen auf dem Laufenden zu halten.

Harte Burschen

Brant und Roberts gehen die Sache entspannt an, versacken in Kneipen und auf Nuttenparties. Es wird geraucht, gesoffen und gekokst was das Zeug hält und ein besorgter Arzt sagt über die Polizei: "Wenn das die Guten sein sollen ..."

Bis eine weitere Bombe in der Polizei-Kantine hochgeht und noch eine in einem Buchladen. Der Superintendent dreht durch, Detective Porter Nash kommt ins Krankenhaus mit Verdacht auf Herzinfarkt.

Aber Brant hat wie immer eine Nase, nicht nur um am Tisch zu riechen, und er liegt richtig. Dabei spart Ken Bruen nicht mit absurden Szenen und schrägem Humor, Karen Witthuhn hat das großartig übersetzt. Und natürlich wimmelt es mal wieder nur so von Verweisen und Zitaten auf Krimiautoren und Musik. Wer hier einsteigt, muss mit Folgekosten rechnen, nicht nur die Romane Bruens betreffend. Wir wollen darauf trinken, dass Wolfgang Franßen in seinem Polar Verlag die komplette Brant-Serie von Ken Bruen bringen wird.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio | 27.03.2017 | 13.40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. März 2017, 14:37 Uhr

aufgeschlagenes Buch
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Angaben zum Buch Ken Bruen - "Füchsin"

Ken Bruen - "Füchsin"

Aus dem Englischen von Karen Witthuhn
184 Seiten
Polar Verlag
ISBN 9783945133316