Philip Roth
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Lesung | 19.03. – 17.04.18 Philip Roth: "Der menschliche Makel"

Zum 85. Geburtstag

Philip Roth ist ein brillanter Chronist Amerikas und einer der wichtigsten Schriftsteller seiner Generation. 2012 gab er seinen Rückzug vom Schreiben bekannt. Mit mehr als 30 Romanen hinterlässt er ein großes Erbe. Zum 85. Geburtstag widmen wir uns Philip Roth in der Lesezeit. Seinen beeindruckenden Roman "Der menschliche Makel" liest Jürgen Hentsch.

Philip Roth
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Philip Roth ist eine lebende Legende. Für sein literarisches Werk wurde der amerikanische Schriftsteller mit Preisen geradezu überhäuft. Unsterblichkeit hat er schon zu Lebzeiten erlangt: mit der Aufnahme seiner sämtlichen Werke in die ehrwürdige Library of America. In seiner Heimatstadt Newark wurde 2005 ein Platz nach ihm benannt: Philip Roth Plaza.

Newark, die Stadt im Bundestaat New Jersey, in der Philip Roth 1933 geboren wurde und aufwuchs, hat er immer wieder zum Schauplatz seiner Romane gemacht: von seinem 1959 erschienenen Erstling "Goodbye, Columbus", der den Grundstein für seine Karriere legte, bis zu "Nemesis", dem 2010 erschienen Roman, der den Abschluss seines Werks bildet. In seiner ein halbes Jahrhundert umfassenden Schaffenszeit schrieb er Meisterwerke wie "Portnoys Beschwerden" (1969), den Zuckerman-Zyklus (1979-2007), "Sabbath's Theater" (1995“), "Amerikanisches Idyll" (1997) und "Der menschliche Makel".

Philip Roth verarbeitet in vielen seiner Romanen seine Herkunft aus einer jüdischen Familie der unteren Mittelschicht und verhandelt immer wieder seine jüdisch-amerikanische Identität. Charakteristisch für sein Werk ist die enge Verflechtung von Fakten und Fiktion, das Spiel mit der eigenen Biografie.

2012 kündigte der Schriftsteller in einem Interview mit einem französischen Magazin überraschend an, keine Bücher mehr schreiben zu wollen. An seinen Computer habe er einen Zettel geklebt: "The struggle of writing is over."

Sternstunden der Menschheit - Sprechers Jürgen Hentsch
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1946, nach seiner Zeit bei der Army, geht Coleman als Weißer nach New York. Sehr schnell ist er als Literaturwissenschaftler erfolgreich. Dann lernt er Steena kennen. Es liest Jürgen Hentsch.

MDR KULTUR - Das Radio Di 27.03.2018 09:05Uhr 23:33 min

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1950 trifft Coleman Iris, die nichtjüdische Jüdin. Mit ihr kann er sein Lebensgeheimnis weiter qualifizieren. Und er zahlt dafür einen hohen Preis: die endgültige Trennung von seiner Familie. Es liest Jürgen Hentsch.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 28.03.2018 09:05Uhr 24:12 min

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Sternstunden der Menschheit - Sprechers Jürgen Hentsch
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Sommer 1998. Coleman ist das erste Mal seit zwei Jahren in Athena. In der Nähe des Campus lauscht er dem Gespräch dreier Jungprofessoren über die sexuellen Entgleisungen des Präsidenten. Es liest Jürgen Hentsch.

MDR KULTUR - Das Radio Do 29.03.2018 09:05Uhr 22:35 min

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Auf dem Weg zum Campus war Coleman überraschend Faunia begegnet, inmitten ihrer Putzkollegen. Und hatte plötzlich beschlossen, seinen ältesten Sohn Jeff anzurufen. Es liest Jürgen Hentsch.

MDR KULTUR - Das Radio Di 03.04.2018 09:05Uhr 23:43 min

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Seit Coleman wieder unterrichtete, begannen seine Probleme mit Delphine Roux. Sie glaubte ständig, ihre Studenten gegen ihn in Schutz nehmen zu müssen. Der Rassismusvorwurf passte ins Bild. Es liest Jürgen Hentsch.

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Nathan Zuckerman versteht nicht, warum Coleman sich zurückgezogen hat. Er begegnet ihm und Faunia bei einem Konzert. Und begreift plötzlich, warum Coleman so eine Anziehungskraft auf ihn ausübt. Es liest Jürgen Hentsch.

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Faunias Exmann Les Farley nimmt an der Selbsthilfegruppe des Vietnamveteranen Louie teil. Zu Beginn steht der Besuch eines Chinarestaurants auf dem Programm. Keine leichte Aufgabe für Lester. Es liest Jürgen Hentsch.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 06.04.2018 09:05Uhr 23:47 min

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Gegen ihren Vorsatz ist Faunia das erste Mal bis zum Morgen bei Coleman geblieben. Sie nutzt die erste Gelegenheit zur Flucht und fährt zu „ihrer“ Krähe beim Vogelschutzbund. Es liest Jürgen Hentsch.

MDR KULTUR - Das Radio Mo 09.04.2018 09:05Uhr 23:27 min

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Mit der Selbsthilfegruppe fährt Lester am Veterans Day zur "Wand", einer Nachbildung der echten "Memorial Wall", nach Pittsfield. Als er davor steht, reift in ihm ein schrecklicher Entschluss. Es liest Jürgen Hentsch.

MDR KULTUR - Das Radio Di 10.04.2018 09:05Uhr 23:45 min

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Delphine Roux, die junge französische Professorin, entwirft eine Kontaktanzeige. Sie schreibt einen verräterischen Text und verschickt ihn versehentlich an alle Mitarbeiter des Fachbereichs. Es liest Jürgen Hentsch.

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Über die Umstände des Unfalls, bei dem Faunia und Coleman ums Leben gekommen sind, gibt es in Athena pikante Gerüchte. Und Colemans Ruf wird weiter beschädigt. Es liest Jürgen Hentsch.

MDR KULTUR - Das Radio Do 12.04.2018 09:05Uhr 23:18 min

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Colemans Kinder haben eine Aussegnungsfeier organisiert, die seinen Ruf wiederherstellen soll. Am Grab trifft Zuckermann auf Colemans Schwester Ernestine. Es liest Jürgen Hentsch.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 13.04.2018 09:05Uhr 23:47 min

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Ernestine spricht mit Zuckerman über Colemans Entscheidung, als Weißer zu leben und die Folgen für ihre Familie. Für ihre Mutter hat der Schmerz nie aufgehört. Es liest Jürgen Hentsch.

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Zuckermann erhält von Ernestine eine Einladung zum Abendessen in East Orange. Auch ihr Bruder Walt wird dabei sein. Auf dem Weg dahin kommt es zu einer Begegnung mit Les Farley. Es liest Jürgen Hentsch.

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"Der menschliche Makel" in der Lesezeit

Philip Roths 2002 erschienener Roman "Der menschliche Makel" bildet den Abschluss seiner sogenannten Amerikanischen Trilogie. Erzählt wird auch diese Geschichte vom Schriftsteller Nathan Zuckerman, dem aus vielen Büchern vertrauten Alter Ego Philip Roths.

Der Roman spielt im Jahr 1998, vor dem Hintergrund der Clinton-Lewinsky-Affäre. Der Protagonist Coleman Silk, ein pensionierter Professor für klassische Literatur am Athena College, ist Zuckermans Nachbar. Zwei Jahr zuvor hat Silks Universitätslaufbahn wegen einer harmlosen Bemerkung ein jähes Ende genommen.

In einer seiner Lehrveranstaltungen bezeichnete Coleman Silk zwei Studenten, die seit Semesterbeginn nicht erschienen waren, er als "dunkle Gestalten, die das Seminarlicht scheuen". Obwohl Silk gar nicht wusste, dass es sich bei den Studenten um Afroamerikaner handelt, werden ihm seine Worte als rassistische Bemerkung ausgelegt. Nach Anhörungen und Intrigen sieht er sich gezwungen, sein Amt niederzulegen. Coleman Silk verliert nicht nur seinen Ruf und seine Stellung. Inmitten der Kontroverse stirbt auch noch seine Frau an einem Schlaganfall, verursacht, wie er glaubt, von den Menschen, die ihn verleumdet haben.

Philip Roth und Nicole Kidman
Philip Roth und Nicole Kidman bei Dreharbeiten zum Film "Der menschliche Makel", in dem Kidman die Rolle der Faunia Farley übernahm. Bildrechte: IMAGO

Zwei Jahre später lernt der inzwischen 71-jährige Coleman Silk die halb so alte Faunia Farley kennengelernt, die als Putzfrau am College arbeitet und beginnt eine leidenschaftliche sexuelle Beziehung mit ihr. Doch die Affäre des ungleichen Paares bleibt in der kleinen Universitätsstadt nicht lange geheim. Coleman erhält anonyme Drohbriefe von einer intriganten Kollegin, und die beiden werden von Faunias Exmann, einem traumatisierten Vietnam-Veteranen, verfolgt. Gerüchte verbreiten sich und auch Coleman Silks Kinder wenden sich von ihm ab.

Der wahre Skandal jedoch ist ein anderer. Coleman Silks ganze Existenz beruht auf einer Lebenslüge: dem Verleugnen seiner Herkunft. Als hellhäutiger Schwarzer geboren, traf er in seiner Jugend die schwerwiegende Entscheidung, die Identität eines weißen Juden anzunehmen. Über die Hälfte seines Lebens verbringt er in dieser Verkleidung, macht Karriere, wird Professor und Dekan an einer Universität. Selbst seiner Frau und seinen Kindern verschweigt er seine wahre Herkunft. Nur Faunia, seiner letzten Liebe, kann er sein Geheimnis offenbaren.

Berührend und eindringlich schildert Roth die unglaubliche Biografie seines Helden und zeichnet zugleich ein Sittenbild der amerikanischen Gesellschaft. In einem "Offenen Brief an Wikipedia", der vom New Yorker veröffentlicht wurde, erklärt Roth, dass nicht, wie häufig behauptet, der bekannte Literaturkritiker Anatole Broyard als Vorbild für seine Romanfigur diente, sondern sein Freund Melvin Tumin, ein Soziologieprofessor in Princeton. Tumin, der weiß und jüdisch ist, wurde ebenfalls Rassismus vorgeworfen, nachdem er zwei Studenten als "spooks" (Gespenster) bezeichnete hatte, jenem Wort, dass Roth auch im englischen Original verwendet. Roth erklärt:

Während der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, da gab es nicht nur Anatole Broyard, da gab es Tausende, wahrscheinlich Zehntausende hellhäutiger Männer und Frauen, die sich entschieden, den Härten der institutionalisierten Rassentrennung zu entfliehen […] indem sie ihre ursprünglich schwarzen Leben für immer begruben.

Philip Roth "An Open letter to Wikipedia" in "The New Yorker", 06.09.2012

Der Sprecher Jürgen Hentsch

Jürgen Hentsch wurde am 17. März 1936 in Görlitz geboren. Nach seiner Ausbildung an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch“ und Engagements an verschiedenen DDR-Bühnen wurde er 1966 ans Deutsche Theater in Berlin geholt. Sein Filmdebüt gab er 1965 in der DEFA-Produktion "Karla".

Schauspieler Jürgen Hentsch in der MDR-Hörspielproduktion" In 80 Tagen um die Welt" von Jules Verne, 2005
Jürgen Hentsch Bildrechte: MDR/Dabdoub

Mitte der 1980er-Jahre verließ Jürgen Hentsch die DDR. Seine Schauspiellaufbahn setzte er im Westen erfolgreich fort, stand im Wiener Burgtheater und bei den Münchner Kammerspielen auf der Bühne. Außerdem war er in zahlreichen Film- und Fernsehrollen zu erleben, so als Physiker Werner Heisenberg in "Ende der Unschuld" (1990) oder als Herbert Wehner im Brandt-Politikfilm "Im Schatten der Macht" (2003). Für seine Rolle als Heinrich Mann in "Die Manns – Ein Jahrhundertroman" wurde er 2002 u. a. mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.

Daneben beeindruckte Jürgen Hentsch als Hörspielsprecher mit seiner dunklen, samtenen Stimme. Beim MDR hat er unter anderem in Bulgakows "Der Meister und Margarita" (1998) oder in Joseph Roths "Hiob" (1999) mitgewirkt. Für die Lesezeit hat er außerdem Stefan Zweigs "Sternstunden der Menschheit" (2008) eingelesen. Jürgen Hentsch starb am 21. Dezember 2011.

Angaben zur Sendung MDR KULTUR Lesezeit
Zum 85. Geburtstag von Philip Roth am 19. März:
"Der menschliche Makel"
Von Philip Roth

Es liest Jürgen Hentsch

Regie: Oliver Sturm
Bearbeitung: Caren Fischer
Produktion: MDR 2003

Sendung:
19.03. – 17.04.18 | 09:05-09:35 Uhr | 20 Folgen

Wiederholung:
19.03. – 17.04.18 | 19:05-19:35 Uhr | 20 Folgen

Sie können die einzelnen Folgen dieser Lesezeit hier 28 Tage lang hören.

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Zuletzt aktualisiert: 19. März 2018, 00:00 Uhr

Philip Roth: Der menschliche Makel
Bildrechte: Rowohlt Verlag

Philip Roth Der menschliche Makel

Der menschliche Makel

Taschenbuch: 400 Seiten
Rowohlt Taschenbuch Verlag 2003
ISBN: 978-3499231650

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