40 Jahre Spielzeuggeschichte Ausstellung in Altenburg zeigt Playmobil-Wimmelbilder

Aus rund 50.000 Einzelteilen hat der Sammler Oliver Schaffer im Residenzschloss Altenburg eine bunte Welt erschaffen: fantastische Eismärchen, Zirkusszenen oder der Altenburger Prinzenraub sind da zu sehen. Die Figuren geben rund 40 Jahre Spielzeuggeschichte wieder. Ist die Ausstellung im Residenzschloss, die bis zum 15. März 2020 läuft, mehr als nur ein Werbegag?

Mareike Wiemann
Bildrechte: MDR/Robert Kühne

von Mareike Wiemann, MDR KULTUR

Playmobil Ausstellung in Altenburg
Playmobil Ausstellung in Altenburg Bildrechte: Mareike Wiemann/MDR

Vor dem Eingang marschiert eine Kapelle mit Blasinstrumenten, im Zirkuszelt stecken die Clowns mitten in der Vorstellung, und dahinter proben Tänzerinnen und Musiker zwischen Zirkuswagen für die nächste Show. Willkommen im Zirkus Roncalli – in Form von Playmobil: Unzählige kleine Teile fügen sich hier zu einem mehrere Quadratmeter großen Wimmelbild zusammen. "Jedes einzelne Teil wird von mir platziert", erklärt Sammler und Ausstellungsmacher Oliver Schaffer. "Und das ist eben auch das, was so zeitaufwändig ist. Hier ist alles bis ins kleinste Detail kuratiert, jede Figur hat einen Sinn!"

Detailreiche Eiswelt im Festsaal

Ausstellungsmacher Oliver Schaffer steht in der Vitrine mit Playmobil-Figuren mit dem Motto "Eispferde", die zur Ausstellung "Playmobil-Winterzauber im Residenzschloss Altenburg" gehört.
Oliver Schaffer arrangiert die Eispferde. Bildrechte: dpa

Am meisten Arbeit hat Schaffer in den vergangenen Tagen in ein winterliches Schaubild mit dem Titel "Königreich der Schneekristalle" gesteckt, das er im prunkvollen Festsaal des Schlosses in einer rund 80 Quadratmeter großen Vitrine aufgebaut hat. Allein Tausend sogenannte Eispferde mit weißem Fell und schwarzem Schweif stehen in einer Ecke. Sie waren nie im Handel erhältlich, weil erst nach der Produktion festgestellt wurde, dass es in der Realität gar keine solchen Pferde gibt. Andere Figuren und Objekte aus der Ausstellung sind dagegen bekannter, haben ihren Weg schon in viele Kinderzimmer gefunden.

Insgesamt ist es eine bunte Mischung aus vier Jahrzehnten, die Schaffer in der Ausstellung verbaut hat. Sie hat deswegen auch eine kulturhistorische Dimension für ihn: "Es gibt beispielsweise in den kleineren Vitrinen eine Stadtvilla von 1990. Und daneben eine Stadtvilla von 2019. Da sieht man, wie Playmobil sich weiterentwickelt hat!"

Ausstellung nicht von Playmobil-Hersteller finanziert

In der Ausstellung sind auch die ersten Playmobil-Figuren des gebürtigen Kielers zu sehen. Sie stammen vom Anfang der 80er-Jahre: drei Zirkusfiguren, teilweise mit Goldstift handbemalt. Er sei damals ein großer Zirkusfan gewesen, erzählt Schaffer. Und habe dafür die Figuren gebraucht. "Mein Vater hat mir damals extra ein Zirkuszelt gebaut, mit echten Sägespänen und kleinen Lautsprechern mit Zirkusmusik. Und da gab es dann Vorstellungen. Mein Vater ist meistens eingeschlafen bei diesen Vorstellungen. Meine Mutter hat meistens durchgehalten." Oliver Schaffer lacht bei diesen Worten. Wenn er über seine Mini-Figuren spricht, sprüht er förmlich über vor Begeisterung: Man merkt - er ist der Prototyp eines leidenschaftlichen Sammlers.

Schaukasten in einer Playmobilausstellung
Auch Fantasiewelten sind in der Ausstellung zu sehen. Bildrechte: MDR/Mareike Wiemann

Genau das macht die Schau zum Glück authentisch und lässt sie nicht einfach wie die inoffizielle Werbeaktion des großen deutschen Spielzeugherstellers wirken. Schlossdirektor Christian Horn sagt, man präsentiere hier eine unabhängige Ausstellung. Und könne sich glücklich schätzen, überhaupt Nutzungsrechte dafür bekommen zu haben: "Aus Sicht des Schloss- und Kulturbetriebs sind wir einfach sehr froh, dass die Firma Geobra mit uns kooperiert. Natürlich ist es auch ein Werbeeffekt für die Firma. Aber es ist für uns auch eine großartige Gelegenheit, da laufen wir Hand in Hand."

Besucherandrang erhofft

Schaukasten in einer Ausstellung
Schaffer kombiniert in seinen Schaubildern ganz verschiedene Spiel-Sets miteinander. Bildrechte: MDR/Mareike Wiemann

Das Schloss will mit der Ausstellung die breite Bevölkerung ansprechen und auch überregional Besucherinnen und Besucher anziehen. Gleichzeitig hätten auch historische Gründe bei der Entscheidung eine Rolle gespielt, so Horn. Schließlich sei Hans Beck, der Erfinder der Playmobil-Figur, Thüringer gewesen. Vor hundert Jahren sei er in Greiz geboren worden.

Natürlich darf in der Ausstellung am Ende auch gespielt werden. Für Schloss Altenburg ist dies eine Art Test-Ballon. Denn in den kommenden Jahren könnte hier mit großem Aufwand und auch viel Geld eine innovative Spielewelt entstehen: in Anknüpfung an die Geschichte der Stadt, in der ja einst das Skat-Spiel erfunden wurde.

Informationen zur Ausstellung Playmobil-Winterzauber - Sammlung Oliver Schaffer
im Residenzschloss Altenburg
vom 1. Dezember 2019 bis 15. März 2020

Adresse:
Residenzschloss Altenburg
Schloss 2-4
04600 Altenburg

Weitere Ausstellungs- und Ausflugstipps

Humboldt in seinem Arbeitszimmer, Farblithografie
Humboldt in seinem Arbeitszimmer, Farblithografie von Paul Grabow nach einem Aquarell von Eduard Hildebrandt, 1848. "Ein treues Bild meines Arbeitszimmers, als ich den Kosmos schrieb", sagte Humboldt über das Aquarell. Bildrechte: Lindenau-Museum

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 01. Dezember 2019 | 14:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Dezember 2019, 04:00 Uhr

Abonnieren