Kulturquartier Erfurt lädt zum Tanztheater Festival unter Corona-Bedingungen

Es war ein Drahtseilakt, aber die Organisatoren des Tanztheaterfestivals haben es auch in der Corona-Pandemie geschafft, internationale Gäste nach Erfurt zu holen. Bis zum 8. November gibt es neue Facetten des zeitgenössischen Tanzes in Europa zu entdecken.

Das alte Schauspielhaus in Erfurt. Hier wächst – in Form einer Genossenschaft – ein Kulturquartier. Partiell wird es immer wieder genutzt, jetzt auch für das Tanzfestival. Das Gebäude hat Baustellen-Charme und auch Stefan Kirmse, der Manager des Tanzfestivals muss aufpassen, wenn er hinter der Bühne den Weg zum Saal nimmt: "Wir mussten jetzt schon viel Schweiß und Kraft investieren, um das zu einem Veranstaltungsort werden zu lassen", erzählt er.

Stefan Kirmse, Organisationschef vom Tanztheater Erfurt
Stefan Kirmse, Organisationschef vom Tanztheater Erfurt Bildrechte: dpa

Dabei war vor Monaten noch gar nicht klar, wie und ob man starten könnte. Aus größeren Stücken sind jetzt kleine geworden – mit Solokünstlern oder zwei Bühnenpartnern, wie zum Auftakt. Aus 180 Zuschauern sind 70 geworden – alles auf Abstand und mit viel Verantwortung. Doch all das ist besser als eine Absage. Kirmse ist glücklich, dass das Festival stattfinden kann: "Wir wollen Tanz auf der Bühne mit der Interaktion des Publikums, weil es eine ganz besondere Atmosphäre ist, live dabei zu sein und nicht auf der Couch zu sitzen und sich sowas über einen Stream anzuschauen."

Festivalorganisation in der Krise

In diesem Jahr ist es alles andere als entspannt, ein Festival zu planen. Es kostet mehr Kraft, sagt die Intendantin Ester Ambrosino, die selbst Tänzerin und Choreografin ist. Mit dem Festival will sie mitteilen, dass es auch für Kunst und Kultur Lösungen geben muss. Sie weiß, wer lange nicht auf der Bühne steht, dem fehlt nicht nur das Gefühl, eine Choreografie im Team zu schaffen, sondern auch das Tempo, die Anstrengung im Rampenlicht, das tägliche Training und ständige Üben. Große Stücke sind so schwer zu schaffen.

Die Begegnung zwischen Publikum und Künstler ist sehr wichtig. Wir sind nicht weniger als die Fußballer.

Ester Ambrosino, Intendantin des Festivals

Wer beim internationalen Tanztheater Festival auftritt, muss harte Regeln befolgen, diszipliniert leben, Partys meiden, sonst wird das alles nichts. Gerade jetzt, sagt Ester Ambrosino und sie weiß: Wer auftreten will, der hält sich daran. "Solche internationalen Künstler arbeiten wirklich wie die Fußballer", erzählt sie. "Die sind immer getestet, sonst kann man nicht auf die Bühne gehen."

Das ehemalige Erfurter Schauspielhaus
Das ehemalige Erfurter Schauspielhaus ist Veranstaltungsort des Tanztheater Festivals. Bildrechte: dpa

Es wird weiter getanzt

Sie selbst ist seit 1990 auf den Bühnen aktiv, zunächst in Italien und Frankreich, seit vielen Jahren nun in Erfurt präsent. Das zarte Pflänzchen Tanztheater hat sich so gut entwickelt, auch wenn jetzt alles komplizierter geworden ist. Aber sie versucht positiv zu bleiben und nach vorne zu schauen: "Ich tanze weiter." 

 Auch wenn Choreografien derzeit etwas anders aussehen, das Motto der Künstler heißt "Tanz oder gar nicht" und bedeutet: jetzt erst recht. In den kommenden vier Wochen beim Internationalen Tanztheater-Festival in Erfurt.

Mehr Informationen Internationales Tanztheater Festival Erfurt
2. Oktober bis 8. November 2020

KulturQuartier Schauspielhaus
Klostergang 4
99084 Erfurt

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 05. Oktober 2020 | 08:40 Uhr