Schülerinnen lernen während des Unterrichts mit einem iPad
Der "Digitalpakt Schule 1.0" sollte die Digitalisierung an deutschen Schulen vorantreiben. Bildrechte: picture alliance/Hauke-Christian Dittrich

Bildungspolitik Digitalpakt Schule läuft aus – was hat er gebracht und wie geht es nun weiter?

17. Mai 2024, 07:29 Uhr

Kreidetafeln und Overhead-Projektor waren bis vor wenigen Jahren noch der Standard in vielen deutschen Klassenzimmern. An vielen Schulen hat sich die Situation dank des Geldes aus dem fünf Milliarden Euro schweren Digitalpakt zwischen Bund und Ländern inzwischen deutlich gebessert. Gestern lief das Programm aus. Nun stehen zwei Fragen im Raum: Was hat's gebracht? Und wie geht's weiter?

Tablets für die Klasse und die Lehrkraft, interaktive Tafeln, schnelles Internet – an der Oberschule Heinrich Zille in Radeburg ist das inzwischen Realität. Michael Ufert leitet die Schule und ist auch Vorsitzender des Sächsischen Schulleitungsverbands. Er zieht eine positive Bilanz zum Digitalpakt, weiß aber auch, dass das nicht alle tun: "Also wir sind soweit durch. Es gibt aber Schulen, die bei Weitem noch nicht komplett digitalisiert sind. Die warten noch auf die digitalen Endgeräte. Dort sind die digitalen Infrastrukturen noch nicht fertiggestellt", sagt Ufert. Dies sei jedoch auch sehr abhängig vom jeweiligen Schulträger. Er bemängelt auch, dass sich Lehrkräfte oft selbst um die Wartung der Technik kümmern müssen.

So ist es zum Beispiel bei Laura Lachmann und ihren Kolleginnen und Kollegen an der Grundschule Münchenbernsdorf im Landkreis Greiz. 36 iPads gibt es dort, die die Nachfrage im Kollegium längst nicht decken. Leider zähle ihre Schule zu den Negativbeispielen, sagt die stellvertretende Vorsitzende des Thüringer Lehrerverbands. Entsprechend lang ist ihre Liste mit Wünschen für den zweiten Digitalpakt: schnelles Internet auch auf dem Land, Hilfe bei der Wartung der Geräte und vieles mehr.

"Wir sehen auch die Fortbildungsangebote als ausbaufähig", meint Lachmann. "Es muss sowohl in der Qualität als auch Quantität vorangebracht werden." Außerdem müsse den Lehrkräften die Teilnahme ermöglicht werden. Und natürlich: Dass nicht eines Tages das Geld ausgeht – die Technik müsse schließlich alle paar Jahre ersetzt werden.

Piwarz fordert ähnliche Konditionen wie beim ersten Digitalpakt

Genug Geld – das wäre auch für den sächsischen Kultusminister Christian Piwarz (CDU) Voraussetzung Nummer eins, dass Sachsen einem zweiten Digitalpakt zustimmt. Für ihn heißt das: fünf Milliarden insgesamt, 250 Millionen für Sachsen, wie in der ersten Runde. "Das erwarte ich mindestens vom Bund hier an der Stelle und dass wir das zu ähnlichen Konditionen fortsetzen können, wie wir das beim Digitalpakt eins haben. Also beispielsweise die Verteilung zwischen dem Bund und den Ländern", sagt Piwarz.

Die war bisher 90 Prozent Bund und zehn Prozent Länder. Beim nächsten Pakt will Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP), dass Bund und Länder jeweils die Hälfte beisteuern. Außerdem sind in ihrem Entwurf konkrete Vorgaben an die Länder aufgeschrieben: Anträge von Schulen müssen zum Beispiel schneller bearbeitet werden, Lehrkräfte 30 Stunden Fortbildung im Jahr machen.

Auch das kritisiert der Sächsische Kultusminister. "Ich nehme wahr, dass der Bund vor allen Dingen versucht, die Länder hier vorzuführen, dass es dem Bund gelegen ist, den Ländern möglichst viel aufzubürden", sagt Piwarz. So könne eine Partnerschaft nicht funktionieren.

Bildungspolitische Sprecherin der FDP kritisiert Länder

Die bildungspolitische Sprecherin der FDP im Bundestag, Ria Schröder, hält dagegen. "Das ist ein bisschen zwiespältig, was die Länder da machen. Auf der einen Seite wollen sie Unterstützung des Bundes. Aber der Bund soll nicht mitreden", meint die FDP-Politikerin. Die Länder bräuchten gemeinsame Standards, deshalb die konkreten Vorgaben im Entwurf.

Und zur Finanzierung sagt sie: "Es ist vom Grundgesetz vorgesehen, dass der Bund eben nicht dauerhaft die Länder unterstützen darf". Deswegen sei man auf diese Hilfskonstruktionen und befristeten Programme angewiesen. "Wir sind da sehr offen, auch über eine Grundgesetzänderung zu sprechen", sagt Schröder. Bis dahin müsse man sich auf Förderprojekte einigen und diese entweder verlängern oder die Aufgabe komplett an die Länder zurückgeben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 17. Mai 2024 | 06:00 Uhr

10 Kommentare

Tom0815 vor 5 Wochen

@Shantuma
Doch, hier kann man Unternehmen/Konzerne auch mit Schulen vergleichen und sollte das meiner Meinung nach sogar.

Das es diesen Wildwuchs angefangen bei den Schulen über die Städte und Landkreise, über die Bundesländer bis zum Bund gibt, hängt aus meiner Sicht damit zusammen, dass eben alle Ihr eigenes Süppchen kochen, man sich nicht auf was einheitliches einigt/anschafft und -ganz wichtig> nicht wirtschaftlich denkt/denken muss. Und je kleiner die Ebene wird, umso höher dann das Risiko, dass auch das Know-How der Verantwortlichen abnimmt oder gar nicht vorhanden ist.

Was spricht denn dagegen statt dem das jede Schule/Stadt/Landkreis selbst eine Ausschreibung macht dies ganz zentral geregelt wird. Von mir aus am liebsten auf Bundesebene, aber doch mindestens auf Länderebene. Dann gibt es EINE Ausschreibung für das Thema xy, die Software wird EINMAL für alle angeschafft und kann dann hoffentlich sowohl zentral, als auch dezentral verwaltet werden.

Shantuma vor 5 Wochen

@Tom0815:
Bitte vergleichen Sie nicht Konzerne mit Schulen etc.

Konzerne können dies gerne intern lösen.
Länder haben aber Ausschreibungen vor sich und diese können zu jahrelangen Rechtstreits führen.
Das entstehende Chaos will dann keiner managen. Dazu kommt noch, dass man ebenso an die Kompatibilität zwischen den Ländern denken sollte und dort hört der Spaß zum 2ten Mal auf.
Ich möchte dabei an das Schicksal der Autobahn AG erinnern, welche eigentlich die Organe in den Ländern die für die Autobahnen zuständig wären ablösen sollten.
Dies ist aber gescheitert. Diese Organe existieren weiter, ebenso wie die Autobahn AG. Es entstand eine Parallelexisitenz.

Dies wird hoffentlich nicht bei der Bildung gleich enden.
D.h. wir brauchen zum einem landeseigene Programmierer und Verwalter der Technik. Danach muss sich bundesweit auf entsprechende Ablagesystem ggf. Übertragungssysteme geeinigt werden. Wie wäre es da mit dem Fax? Half ja auch bei der Pandemie.

Shantuma vor 5 Wochen

@Britta.Weber:
Natürlich gibt es noch andere Ursachen, aber Digitalisierung ist eines davon.

Ja, man kann in der digitalten Welt vieles wunderbares anstellen, mein Job wird durch die digitale Welt massiv unterstützt. Dennoch sollte man auch selber Grundkenntnisse über Sachverhalte kennen und sich eben nicht abhängig vom Taschenrechner, oder der Taschenrechner-App machen.

Und dies war schon vor 20 Jahren ein Problem, denn auch schon damals haben sich zuviele Menschen auf das elektrische Gerät verlassen und ich habe immer gesagt "der Taschenrechner ist nur so schlau wie sein Bediener". Und die Zeit hat mir Recht gegeben, Leute können heute teilweise noch nicht einmal einfachste Formeln richtig in den Taschenrechner eingeben, dabei zeigen diese schon seit Jahren das Eingegebene an! Es scheitert schon daran! Und da brauche ich noch nicht in den bildungsschwachen Bereich schauen.

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