Traditionsbäckerei musste schließen Neuanfang für Bäcker Oliver Schieke aus Dessau

26. Februar 2023, 11:11 Uhr

Die Bäckerei Schieke in Dessau musste im vergangenen Herbst nach 75 Jahren schließen. Grund waren unter anderem die hohen Energiekosten. Bäcker Oliver Schieke will nach dem Ende des Traditionsunternehmens nach vorne blicken – und hat bereits Pläne für einen Neuanfang.

Der Bäcker Oliver Schieke aus Dessau-Roßlau hat eine neue Arbeit gefunden. Im vergangenen Herbst musste der 46-Jährige die Bäckerei, die seine Familie 75 Jahre lang betrieben hatte, schließen. Grund waren unter anderem die steigenden Energiekosten. Während Schieke Brot und Brötchen zu immer höheren Preisen verkaufen musste, konnte er die Kosten für einen neuen Ofen nicht mehr tragen.

Anfang März steht für Schieke ein Neuanfang an: Der Konditormeister wird Berufsschullehrer für Ernährung. "Es ist dann schon wirklich was Neues", meint er. "Einerseits sag ich mir: Okay, gucken wir mal, was da kommt. Aber natürlich ist man aufgeregt und sagt sich, besser jetzt mit Mitte 40 als noch später."

Ich hoffe mal, dass der Lehrerberuf dann vielleicht auch der letzte Beruf ist, den ich haben werde bis zur Rente.

Oliver Schieke, Konditormeister

Ende der Traditionsbäckerei nach 75 Jahren

Im vergangenen Herbst musste Oliver Schieke das Ende der Traditionsbäckerei bekannt geben, die sein Großvater gegründet und die er selbst 13 Jahre lang geleitet hatte. Noch bis zum Jahresende belieferte er Pflegeheime, Hotels und Restaurants. Seine Mitarbeitenden hatte er da bereits entlassen müssen.

"Denen zu kündigen, war wirklich schwer", blickt Schieke heute zurück. Im Geschäftsleben sei es zwar normal, einzelne Kündigungen auszusprechen, "aber allen kündigen und so unvermittelt – das war schwer, weil es ja doch recht familiär hier zugeht."

Schieke will nach vorne blicken

Familiär wird es in den Räumen von Oliver Schiekes Bäckerei weiterhin zugehen: Seine Mutter solle dort einziehen, hatte er bereits im Herbst erklärt. Außerdem werde er eine kleine Backstube behalten, um für seine Familie zu backen und die Tradition zu erhalten. Er wolle nach vorne blicken, sagt Schieke: "Kopf in den Sand stecken nützt dann nichts. Es trifft mehrere, es trifft nicht nur uns."

Dass die hohen Energiepreise zahlreiche Bäckereien treffen, hatte auch eine Aktion des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks im vergangenen November gezeigt. Unter dem Motto "Alarmstufe Brot" hatten die Betriebe auf ihre Situation aufmerksam gemacht. Das sei ein guter Weg gewesen, meint Oliver Schieke. Er selbst hatte sich aber nicht beteiligt – seine Bäckerei war schon geschlossen.

Trotz allem habe er Glück im Unglück gehabt, meint er: Eine Insolvenz wäre wohl schlimmer gewesen. Nun sagt Schieke: "Ich hoffe mal, dass der Lehrerberuf dann vielleicht auch der letzte Beruf ist, den ich haben werde bis zur Rente."

MDR (Pauline Vestring, Maren Wilczek) | Erstmals veröffentlicht am 25.02.2023

Dieses Thema im Programm: Das Erste | Krisenland – Deutschland zwischen Angst und Aufbruch | 24. Februar 2023 | 22:20 Uhr

9 Kommentare

ElBuffo am 26.02.2023

Handwerker hielten Vorlesungen an Unis? Da muss ich gerade an den Dachdeckerazubi denken. Innungen sind die Interessenvertretung der Handwerker. Irgendwie logisch, dass dort Handwerker anzutreffen sind.

Peter am 25.02.2023

Dass aus einer bestimmten Ecke selbst zu diesem Bericht abwertende Kommentare kommen, ist schon bemerkenswert. Oder doch eher widerlich.
Ich zumindest wünsche Herrn Schieke alles Gute.

DanielSBK am 25.02.2023

Als Berufsschullehrer wird er weich fallen... und kann seiner Rentenreife gelassen entgegen sehen. Können viele andere nicht. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

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