Gottesdienst und Digitalisierung Künstliche Intelligenz auf der Kanzel: Wie Software das Predigen verändert

09. April 2023, 08:19 Uhr

Seit einiger Zeit sorgt das Thema Künstliche Intelligenz für Aufsehen, insbesondere das Programm "Chat GPT". Die KI kannTexte erstellen. Und das ist natürlich auch für Pfarrerinnen und Pfarrer interessant, die ja jeden Sonntag auf der Kanzel stehen. Predigt da in Zukunft die künstliche Intelligenz? Uli Wittstock ging diese Frage nach.

Portrait-Bild von Uli Wittstock
Bildrechte: Uli Wittstock/Matthias Piekacz

Lutherstadt Wittenberg, Marktplatz 4 – wie so viele Orte in der Stadt ist auch dies ein historischer, die Cranach-Höfe.  Es ist also kein Zufall, dass hier nun das Zentrum für evangelische Gottesdienst- und Predigtkultur beheimatet ist, denn schon zu Luthers Zeiten war das ein kreativer Ort.

In den Werkstätten der Malerfamilie Cranach entstanden die Bilder, welche die Ideen der Reformation in das Land hinaustrugen. Zwar geht von Wittenberg schon lange kein politisches Beben mehr aus, doch wie schon zu Luthers Zeiten, stehen die Pfarrerinnen und Pfarrer auf der Kanzel vor der gleichen Herausforderung.

Es geht um die Frage, wie man Texte aus der ganz anderen Lebenswirklichkeit der Bibel in die Gegenwart transportiert. Da braucht man natürlich Ideen und gute Einfälle, die nun leider nicht per Knopfdruck abrufbar sind.

Künstliche Intelligenz als neues Heilsversprechen?

Vor einem weißen Blatt Papier sitzend, kann es schon mal schwer werden mit Ideen für die nächste Sonntagspredigt. Das bestätigt auch Peter Meyer vom Zentrum für evangelische Gottesdienst- und Predigtkultur in Wittenberg.

Und deshalb, so räumt er ein, hätte schon so mancher Chat GPT als digitalen Helfer verwendet: "Viele Kollegen, die predigen, haben es auch sofort ausprobiert. Was wir dabei erleben, ist, dass dabei ein relativ durchschnittlicher Text herauskommt. Man hört also einen vertrauten Kanzelsound, sprachlich nicht unbedingt brillant."

Bibelfest und Fromm

Also ein neuer Luther steckt in dieser Textmaschine zunächst nicht. Aber das Programm ist Bibelfest und gibt sich zudem sehr fromm, wohl auch eine Folge der US-amerikanischen Herkunft. Für den deutschen Kanzelsound ist das aber eher ungeeignet. Dennoch kann Chat GPT eine Hilfe sein, so Peter Meyer.

Man müsse die Maschine nur mal auffordern, etwas andere zu probieren, also einen Bibeltext auch mal gegen den Strich zu bürsten: "Ich habe mal den Auftrag gegeben, den Anfang des Lukas Evangeliums im Sound eines bekannten Fußballspielers wiederzugeben. Und das war ein wunderbares Ergebnis, sehr lustig, obwohl die Maschine ja gar keinen Humor hat."

Es kommt darauf an, die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz kreativ zu nutzen. Die Textmaschine sucht sich alle Informationen im Netz zusammen und erstellt daraus dann einen Text. Das klappt mal besser und mal nicht so gut. Hier zum Beispiel mal der Beginn der Ostergeschichte nach Lukas im Rap Format:

So würde das Programm die Ostergeschichte rappen: Yo, checkt mal diesen Flow, es geht um die Story von vor langer Zeit ago, als Frauen zum Grab gingen, um zu trauern, aber fanden keinen Leichnam, das war zu bedauern.

Doch dann erschienen zwei Männer in weißen Kleidern, die den Frauen versicherten, dass sie nicht mehr leiden müssen, denn Jesus ist auferstanden, so wie er es gesagt hat, er kehrt zurück von den Toten, wie ein Phönix aus der Asche hat.

Das ist die Botschaft von Ostern, ein Licht in dunklen Tagen, dass der Tod nicht das Ende ist, dass es Hoffnung gibt, um weiterzumachen. Es gibt ein Leben nach dem Tod, und das gibt uns Kraft, unsere Ängste zu überwinden, und unsere Herzen zu entfachen.

Auch wenn dieses Jahr Ostern anders aussieht, wir sind alle verbunden durch den Glauben und die Liebe, die uns erreicht. Wir feiern die Auferstehung, auch wenn es virtuell sein mag, denn die Botschaft bleibt stark und inspiriert uns jeden Tag.

In diesem Sinne, wünschen wir euch ein frohes Ostern, bleibt sicher und gesund, und hört auf diesen Flow, den wir bescheren.

Quelle: Chat GPT

Revolution der Predigtroboter?

So mancher spricht ja mit Blick auf die sogenannte Künstliche Intelligenz schon von einer erneuten Industriellen Revolution, die unser Leben ebenso verändern wird wie seinerzeit der Siegeszug der Dampfmaschine. Zugleich nimmt die Zahl jener zu, die vor einer Künstlichen Intelligenz warnen.

Für Peter Meyer vom Wittenberger Zentrum für Predigtkultur steht fest, dass die neuen Technologien grundsätzlich die Art des Schreibens verändern werden: "Ich denke, das wird alle Berufe treffen, die mit Texten umgehen, egal ob Reden oder Bücher schreiben. Meine Frage ist aber nicht, wann werden wir ersetzt, sondern wie können wir das Instrument am besten nutzen, um unsere Qualität zu verbessern."

Dass in Zukunft Predigtroboter die Kanzeln bevölkern, steht wohl bis auf weiteres nicht zu befürchten. Und wer weiß, vielleicht wirbt in Zukunft auch der eine oder andere Gottesdienst mit dem Hinweis: "Predigt selbst geschrieben". Zumindest ökologisch wäre das wertvoll, denn die neuen Textautomaten verbrauchen viel Strom. 

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MDR (Uli WIttstock,Julia Heundorf)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 09. April 2023 | 07:10 Uhr

1 Kommentar

hinter-dem-Regenbogen am 09.04.2023

# __"100 Millionen aktive Nutzer: Ist ChatGPT der große KI-Durchbruch? "

100Millionen Menschen, vermutlich ohne funktionsfähigem Gehirn, nutzen die KI, bestehend aus Bits und Bites.
Kumulieren, Zentralisieren und Optimieren scheint das Gebot der Stunde.
Von nun an erspart man sich das Eindringen in die Gehirne der Menschen - viel effektiver scheint die Übernahme eines fremdem, von zentraler Stelle aus programierten Gehirns durch den Nutzer .

Selbst Gott verfällt in Sprachlosigkeit - stattdessen ein krächzendes Geschrei aus einer Cloud zu uns dringt.
Der Mensch kann keinen Fehler mehr machen > folglich die Evolution zu einem menschgemachten Ereignis wird.

mein Fazit:
. . . . Das Ende der Welt hat seinen Anfang gefunden. . . . .
> Der Lüge und Täuschung wird Tür und Tor geöffnet und der Mensch in seinem Individium ist Vergangenheit <

Nicht Mutter und Vater sind mehr das Ebenbild, stattdessen steht von nun an die CLOUD dafür ein.

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