"Queer denken statt querdenken" 2.000 Menschen ziehen bei CSD-Parade durch Halle

11. September 2022, 12:08 Uhr

In Halle haben am Sonnabend unter dem Motto "Queer denken statt querdenken" rund 2.000 Menschen den Christopher Street Day gefeiert. Mit einem Straßenfest und einer Parade durch die Stadt haben sie ein Zeichen gegen Diskriminierung gesetzt. Auch einer Gegendemonstration musste sich die CSD-Parade stellen.

"Warum ist meine Liebe deiner Rede wert" steht in bunten Buchstaben auf einem der Protest-Papschilder, das eine junge Person in die Luft hält. Es ist ein Zitat der lesbischen Deutschpop-Sängerin Wilhelmine. Um sie herum stehen Menschen mit Regenbogenflaggen über den Schultern und bunt bemalter, glitzernden Kleidung. Teilweise stehen sie Arm in Arm oder Hand in Hand, unabhängig ob mit männlicher, weiblicher oder diverser Identität. Der hallesche Marktplatz bildet an diesem Tag, dem Christopher-Street-Day, einen sicheren Raum für alle Formen von Liebesbeziehungen und sexuellen Identitäten.

Ein Halle für queere Menschen

Diese Sicherheit wünscht sich der Organisator des CSD-Straßenfestes Hendrik Lange, Vorsitzender des Begegnungs- und Beratungszentrum "lebensart" e.V. Halle, für jeden Tag. Er selbst ist homosexuell. "Wir möchten einfach sichere Räume für uns alle, dass wir uns frei und sicher durch die Stadt und das Land bewegen können, ohne, dass es Angriffe gibt und dafür braucht es Strukturen."

Für Halle fordert der CSD 2022 konkret eine Antidiskriminierungsstelle für die Stadt, bessere Bildungsangebote für die Vermittlung von sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in der Schule und einen Treffpunkt für queere Menschen und alle, die Fragen haben.

Vertreten sind auf der diesjährigen Demonstration vor allem junge Menschen, die für ihre Rechte einstehen wollen. "Man sollte halt langsam respektieren, dass es Schwule und Lesben gibt. Das ist ganz normal und es wäre schön, wenn das alle akzeptieren", sagt eine jüngere Demonstrantin, die selbst bi-sexuell ist.

Parade quer durch die Stadt

Unter dem Motto "Queer denken statt querdenken" zogen insgesamt 2.000 Menschen vom Marktplatz quer durch die Stadt. "Wir wollen ganz viele Menschen erreichen, auch Leute, die in anderen Stadtbezirken wohnen und nicht zufällig gerade auf dem Markt vorbeigehen. Denen wollen wir zeigen: Wir sind eine große breite Masse, die für ihre Rechte einsteht", sagt Marcel Dürrer, Vorstand der Aidshilfe Halle und Mitorganisator der Demonstration.

Über das Steintor ging es die Ludwig-Wucherer-Straße entlang zum Reileck und wieder runter bis zum Marktplatz. Dort erwartete die Menge neben dem Straßenfest auch eine, allerdings deutlich kleinere, Gegendemonstration – angeführt von einem stadtbekannten Rechtsextremen. Laut Dürrer habe es kleinere Auseinandersetzungen gegeben, verletzt worden sei aber niemand.

Mensch mit Regeonbogenflaggen über die Schulten gelegt stehen auf dem Markplatz in Halle vor einer Bühne.
Nach der Parade ging es auf dem Marktplatz beim Straßenfest weiter. Bildrechte: MDR/Cynthia Seidel

Straßenfest auf dem Markt

Auf dem Straßenfest waren neben einer großen Musikbühne direkt vor dem Rathaus viele kleine Pavillons aufgebaut, mit denen sich Vereine, aber auch die Parteien SPD, Linke, Grüne und FDP solidarisch zeigen wollten, damit queere Menschen sich in Zukunft nicht mehr fragen müssen, warum ihre Liebe die Rede anderer wert ist.

MDR (Cornelia Winkler)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 10. September 2022 | 13:00 Uhr

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