Erstes Projekt Forschung: Cyberagentur in Halle will menschliches Gehirn "unhackbar" machen

Die Cyberagentur des Bundes war lange nur mit negativen Schlagzeilen aufgefallen. Nun hat sie ein erstes Forschungsvorhaben bekannt gegeben: Sie will sich um die Sicherheit unserer Gehirne kümmern. Was abstrakt klingen mag, hat durchaus Relevanz. Manche sprechen gar von einer Zeitenwende.

Menschlices Gehirn auf Leiterplatten
Die Cyberagentur des Bundes hat ihren Sitz in Halle. Nun hat die Behörde ihr erstes Projekt ausgeschrieben. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / Westend61

Die Cyberagentur des Bundes in Halle hat ihr erstes Forschungsvorhaben bekannt gegeben. Am 1. Oktober will die Agentur einen Wettbewerb starten, der klären soll, wie privat das menschliche Gehirn ist und welche Regeln Forschende und Unternehmen einhalten sollten. Hintergrund: Gehirn-Computer-Schnittstellen haben ein großes Potenzial. Im Zusammenspiel mit Künstlicher Intelligenz, die in großen Daten Muster erkennen kann, wirft das aber vor allem eine Frage auf: Können Maschinen unsere Gedanken lesen?

"Potenziell bahnbrechende" Technologie

An solchen Technologien wirken schon große Tech-Konzerne: Facebook und auch der SpaceX-Gründer Elon Musk arbeiten daran, dass Menschen Gehirn-Computer-Schnittstellen nutzen: vielleicht um Drohnen zu steuern, Maschinen zu koordinieren oder um mit anderen Menschen zu kommunizieren. Die Entwicklungen bei Gehirn-Computer-Schnittstellen würden eine Zeitenwende einläuten, ist sich deshalb die Cyberagentur des Bundes in Halle sicher. "Sie ist eine potenziell bahnbrechende Technologie", sagt Dr. Simon Vogt.

Warum Gehirn-Computer-Schnittstellen ein Thema für die Cyberagentur sind, sagt Simon Vogt hier.

Deshalb schreibt die Cyberagentur am 1. Oktober als erstes Vorhaben einen Wettbewerb aus, der technische Standards für die Gehirn-Privatheit in der Neurotechnologie setzen soll. Innerhalb von vier Wochen sollen Universitäten und Forschungseinrichtungen erste Unterlagen einreichen. Der Gewinner des Wettbewerbs hat dann drei Monate Zeit, Antworten unter anderem auf folgende Fragen zu finden:

  • Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit Persönlichkeitsrechte und Datensicherheit bei Gehirn-Computer-Schnittstellen gewahrt bleiben?
  • Wie lässt sich eine Sicherheitsarchitektur dafür beschreiben?
  • Wie lässt sich Gehirn-Privatheit in die derzeitige Gesetzeslage und Sicherheitstechnologie einbetten?

Junger blonder Mann in weiß0em Hemd und Jeans bei einer Präsentation
Simon Vogt Bildrechte: Cyberagentur 2021/Die Hoffotografen GmbH

Gefragt seien vor allem Expertinnen und Experten aus Informatik, Neurologie, Ethik und Geistes- und Sozialwissenschaft. Wie viel Geld die Cyberagentur dafür ausgibt, steht noch nicht fest. Die Forscherinnen oder Forscher sollen ihre Kalkulation bei der Bewerbung einreichen. Vogt wünscht sich von den Forschern ein Gerüst für die künftige Nutzung von Gehirn-Computer-Schnittstellen: "Damit unser Gehirn, unsere Daten, also eigentlich unser höchstes Gut, unsere Gedanken, von Anfang an vor Cyberangriffen und vor Missbrauch geschützt werden können."

Drei Monate Zeit, um Lösungen auszuarbeiten

Vogt ist einer von 25 Mitarbeitern der Cyberagentur in Halle, er war vorher beim Cyber Innovation Hub der Bundeswehr und bei IBM. Er ist 34 Jahre alt und verantwortet bei der Cyberagentur des Bundes den Bereich Mensch-Maschine-Interaktion. Vogt rechnet mit vier bis fünf Einreichungen. Das beste Konzept würde den Zuschlag erhalten und hätte dann drei Monate Zeit, an Lösungen ausarbeiten. "Das ist relativ kurz. Wir hoffen uns aber dadurch, dass wir einen schnellen, guten und auch sehr detaillierten ersten Einstieg in dieses Thema bekommen." Die Ergebnisse würden dann unmittelbar in das nächste Projekt im ersten Quartal 2022 einfließen.

Bei einer Veranstaltung in der Magdeburger Johanniskirche: ein Podium hinter dem ein Mann mit weißem Hemd steht, dahinter ein Bildschirm
Bei einer Veranstaltung in der Magdeburger Johanniskirche hat die Cyberagentur ihre Pläne zum ersten Mal öffentlich vorgestellt. Am Pult: Der kaufmännische Direktor der Cyberagentur, Daniel Mayer. Bildrechte: LIN Magdeburg, Reinhard Blumenstein

Das Ergebnis der Forschenden soll der wissenschaftlichen Community zugänglich gemacht werden. "Wir wollen bewusst und explizit den Diskurs unter den besten Wissenschaftlern weltweit fördern", sagt Vogt. Und ist überzeugt: Anders als bei anderen Technologien kann Deutschland bei Gehirn-Computer-Schnittstellen weltweit in der obersten Liga spielen, die Forscherinnen und Forscher hierzulande seien führend.

Das Gehirn interpretieren: Nutzen derzeit vor allem in der Medizin

Nervenbahnen
Was passiert im menschlichen Gehirn? Und wie können Computer das erkennen? Daran forschen Experten. (Symbolbild) Bildrechte: Colourbox.de

Selbst auf dem Raumschiff Enterprise war es ein lebendiges Wesen, das erkennen konnte, was andere im Schilde führten: Counselor Deanna Troi hatte die Gabe, die Emotionen von Menschen und Aliens wahrzunehmen.

In der Realität arbeiten Forscherinnen und Forscher auf der ganzen Welt daran, dass auch Computer erkennen und interpretieren, was im Gehirn passiert. Positiven Nutzen haben solche Mensch-Computer-Schnittstellen derzeit vor allem in der Medizin. Patienten, die sich wegen einer neurologischen Erkrankungen nicht mehr äußern können, können mit Hilfe einer solchen Technologie wieder selbständig kommunizieren. "Die haben eine EEG-Kappe auf, dann muss man die Gehirn-Computer-Schnittstelle trainieren und dann können wir unterschiedliche Signale auslesen und zur Steuerung nutzen", sagt Professorin Andrea Kübler von der Universität Würzburg.

So können die Patienten Cursor auf einem Bildschirm bewegen und sich entsprechend mitteilen. Diese Technologie wird auch in der Reha eingesetzt, um das Gehirn gezielt zu trainieren und bestimmte Funktionen wiederherzustellen, sagt Kübler.

MDR/Marcel Roth, Luca Deutschländer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 23. September 2021 | 05:30 Uhr

3 Kommentare

Baldur von Ascanien vor 5 Wochen

"Selbst auf dem Raumschiff Enterprise war es ein lebendiges Wesen, das erkennen konnte, was andere im Schilde führten: Counselor Deanna Troi hatte die Gabe, die Emotionen von Menschen und Aliens wahrzunehmen. "

Schade das Dr. Leonard „Pille“ McCoy schon von uns gegangen ist, er hätte sich inmitten dieser Spezialisten sau wohl gefühlt. Wir schreiben das Jahr 2021, Eintrag in das Bordbuch....... XD

Haller vor 4 Wochen

BILDung

Deputy vor 5 Wochen

"... menschliches Gehirn "unhackbar" machen ..." ? - Zu spät! Hier sind bereits massig "Angehackte" unterwegs. 😉

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