Burg Giebichenstein Kunstschule Halle, Blick von Seebener Straße, Campus Kunst Querformat, heller Tag, Herbst
Die Kunsthochschule Burg Giebichenstein soll einen Neubau bekommen. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Joachim Blobel

Kostenexplosion Finanzministerium kippt Neubau an Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle

von Marc Weyrich, MDR SACHSEN-ANHALT

08. Dezember 2023, 17:30 Uhr

Zwischen dem Finanzministerium des Landes Sachsen-Anhalt und dem Rektorat der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle herrscht dicke Luft. Eigentlich sollte längst ein Neubau für die renommierte Kunsthochschule entstehen, doch das Ministerium hat den Plan wegen hoher Kosten nun gekippt. Das zuständige Architekturbüro weist die Darstellung zurück.

Ein Mann mit Brille und blauem Sacko lächelt in die Kamera.
Bildrechte: MDR/Gaby Conrad

Wann kommt der erste Spatenstich für den Neubau für die Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle? So ähnlich lauteten über Monate mehrere Anfragen von MDR SACHSEN-ANHALT an das Finanzministerium des Landes, das für den staatlichen Hochbau zuständig ist. Konkrete Antworten ließen auf sich warten – bis zu dem Ausrufungszeichen, das Sprecherin Nancy Eggeling in ihrer Mail als Antwort an das MDR-Regionalstudio Halle setzte: "Das Ministerium hat entschieden, das bisherige Entwurfskonzept nicht weiterzuverfolgen."

Das bisherige Entwurfskonzept ist das Ergebnis eines 2020 ausgelobten Architekturwettbewerbs, der immerhin rund 233.000 Euro kostete. Überzeugen konnte ein Münchner Architekturbüro, das gegenüber der Burg Giebichenstein in der Seebener Straße im gleichnamigen halleschen Stadtteil einen Neubau für die Kunstschülerinnen und -schüler planen sollte, mit 3.000 Quadratmetern Nutzfläche.

Rektorin: Neubau dringend nötig

"Dringend erforderlich", sagt Rektorin Bettina Erzgräber. "Es geht darum, die Hochschule von drei Standorten auf zwei zusammenzuschließen und alles näher beisammen zu haben". Dorn im Auge des Rektorats ist besonders der Standort am Hermes-Areal, weg vom Schuss und daher unpraktisch für Lernende und Lehrende. Außerdem läuft dort demnächst ein Mietvertrag aus, der in der Hochschule als kostspielig gilt.

Auch einzelne Räume in der von der Kunsthochschule genutzten Unterburg gelten mehr als Last denn als Lust. "Notwendig für die Ausbildung zukünftiger Lehrer sind zeitgemäße Werkstätten und eine ausreichende Anzahl an Seminarräumen", so Rektorin Erzgräber.

Kosten deutlich überschritten

Die Überlegungen, neu zu bauen, lagen und liegen also auf der Hand, erstmals angestoßen in den 1990er-Jahren und durch eine Empfehlung des Wissenschaftsrates untermauert. Jetzt also das vorläufige Aus.

Die Kostenobergrenze war ursprünglich mit 31 Millionen Euro veranschlagt gewesen, nun, heißt es aus dem Ministerium, habe das Architektur-Büro "eine Vorplanung vorgelegt, jedoch das Kostenziel um fast 100 Prozent überschritten." Allen fachlich Beteiligten sei es nicht gelungen, das Entwurfskonzept mit dem Kostenziel in Einklang zu bringen.

Architekturbüro weist Darstellung zurück Das zuständige Architekturbüro hat die Darstellung des Finanzministeriums zurückgewiesen, nach der sich die Baukosten knapp 100 Prozent oberhalb der eigentlichen Planung bewegten. Vielmehr gehe man von einer Kostensteigerung von 53 Prozent aus. Dies entspricht der Darstellung der Rektorin der Burg Giebichenstein. Demnach sind die Kosten auf etwa 46,8 Millionen Euro angewachsen. Das Architekturbüro wies außerdem darauf hin, mit der Kostensteigerung stets transparent umgegangen zu sein.

15 Millionen Euro Mehrkosten

Dass es teurer werden würde, das wussten die Verantwortlichen in der Burg auch. Die übliche Trias aus Krieg, Inflation und Baukostensteigerung hatte ihren Tribut gefordert. Hinzu kam, dass sich Probleme mit der Versickerung auf dem Grundstück herausgestellt hatten – hier musste also auch nachjustiert werden.

Die schiere Höhe des durch das Ministerium berechneten finanziellen Mehraufwands war dann doch überraschend, denn: An der Hochschule kommt man auf Gesamtbaukosten von etwa 46 Millionen, also etwa 15 Millionen mehr als geplant.

Neue Ausschreibung geplant

Jetzt einseitig die Planungen zu stoppen, wie es das Finanzministerium vorhat, sei befremdlich, findet Rektorin Erzgräber. "Das Liegenschaftsmanagement des Landes hat eine Vorstellung, was ein Neubau kosten würde. Auch die Hochschule hat mit spitzem Bleistift gerechnet und erwartet, dass man hier zu einer Verständigung kommt". Jetzt nochmal ganz neu zu beginnen, käme den Steuerzahler teurer, als schnellstmöglich mit dem geplanten Bau zu beginnen, ist sie überzeugt.

Immerhin: Ein Termin mit Hochschule, Wissenschafts- und Finanzministerium steht noch für Dezember fest. Auch bekennt sich das Finanzministerium grundsätzlich zu einem Neubau für die Kunsthochschule. Doch eine weitere Nachfrage des MDR-Regionalstudios Halle zeigt: die Position des Finanzministeriums steht fest. "Es gibt eine Neuausschreibung und das weitere Vorgehen wird zwischen den Ressorts und der Hochschule abgesprochen", so die Sprecherin. Einen Zeitplan konnte sie allerdings nicht nennen.

Kunsthochschule braucht neue Räumlichkeiten

In der Kunsthochschule geht das Kopfschütteln deshalb weiter. Wegen des Auslaufens des Mietvertrags am Hermes-Areal müssten neue Räumlichkeiten für die Lehre angemietet werden. Das sei in Halle quasi unmöglich, zumal, wenn die Räumlichkeiten auch noch in einem guten Zustand sein sollen und nicht "zum Fenster raus geheizt" würde, sagt Erzgräber und will für ihren Neubau kämpfen.

Abgesehen von fachlichen Gründen setzt sich das Kopfschütteln an der Kunsthochschule auch aus stilistischen Gründen fort: Die Pläne vom Aus der Neubaufinanzierung erfuhr die Kunsthochschule nicht vom Ministerium, sondern nach den Recherchen von MDR SACHSEN-ANHALT.

MDR (Marc Weyrich, Annekathrin Queck)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 07. Dezember 2023 | 12:00 Uhr

11 Kommentare

DavidK. vor 10 Wochen

So viel ist dem Land seine Bildung wert. Aber gut, dass war auch vorher klar. Die Art und Weise, wie die Regierung den Stopp "kommuniziert" hat, spricht Bände und ist ein Skandal.

Studierende und Mitarbeiter dürfen nun also weiter in einsturzgefährdeten Gebäuden lehren und lernen. In Ateliers, in denen Löcher im Boden den Blick auf die darunter liegenden Stockwerke freigeben und freiliegende Stromanlagen akute Lebensgefahr bedeuten.

Einen Neubau wird es also nicht geben und selbst wenn, dürfte er kaum günstiger sein. Denn der ist schon seit ca 20 Jahren geplant und in der Zeit sind die Gebäude der Hochschule immer weiter verrottet. Im Grunde ist es ein weiteres Beispiel dafür, wie Deutschlands Infrastruktur sehenden Auges kaputtgespart wird weil man glaubt kurzfristig sparen zu müssen. Langfristig sind die Schäden immens.

DavidK. vor 10 Wochen

Sie kennen weder die Hochschule, noch deren Zustand, noch deren finanzielle Ausstattung. Es wäre vermutlich auch vollkommen vakant, ihnen mitzuteilen, dass das Land sich zwar gerne mit der renomierten Kunsthochschule schmückt, deren Mitarbeiter aber aus ihren Büros evakuiert werden müssen, weil die Gebäude einsturzgefährdet sind. Hauptsache irgendwelche Vorurteile über Künstler im Kopf.

Bach227 vor 10 Wochen

@Harka2
VOR Baubeginn. Das ist doch das Interessante. 31 Mio sollte das Ganze kosten, bevor man geplant hat. Wie kommt man ohne eine Planung zu dieser Summe und was, wenn die anscheinend nur Wunschdenken war?

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