Selbstloser Einsatz Baby vor Erstickungstod bewahrt: Lebensretter in Halle geehrt

31. Januar 2023, 10:55 Uhr

Der 33-jährige Hannes D. hat einen Säugling, der zu ersticken drohte, gerettet. Dafür ist er am Montag von Innenministerin Tamara Zieschang öffentlich belobigt worden. Der Held ist dabei ganz bescheiden geblieben. Sein Wunsch: Mehr Menschen sollten eine Ersthelferausbildung machen.

An einem Freitagabend Ende Oktober vergangenen Jahres will Hannes D. mit der Straßenbahn in Halle nach Hause fahren. Während der Fahrt bekommt er mit, dass ein Baby gesundheitliche Probleme hat. Das kleine Kind hat nicht mehr geatmet.

Der ausgebildete Ersthelfer hat sofort Erste Hilfe geleistet. Dafür ist der 33-Jährige am Montag ausgezeichnet worden. Bei einem feierlichen Empfang überreichte Sachsen-Anhalts Innenministerin Tamara Zieschang (CDU) im Ratshof einen Blumenstrauß, eine Urkunde und ein kleines Buch. Dazu gab es ganz viel Lob.

"Es gibt nicht viele Menschen, die einfach so selbstlos handeln. Deswegen wird so eine Handlung ausgezeichnet, auch in der Hoffnung, dass sich andere das zum Vorbild nehmen", sagte Zieschang im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT.

Erste Hilfe kann man lernen

Als es um Leben und Tod ging, habe Hannes keine Sekunde gezögert, sagte Halles Bürgermeister Egbert Geier (SPD). Bescheiden ist der Held, mit dem Trubel um seine Person habe er nicht gerechnet, sagt er. Sein Wunsch: Dass mehr Menschen einen Ersthelferschein machen.

Rettungsmedaille und Belobigung des Landes Sachsen-Anhalt Als Anerkennung für besondere Rettungseinsätze hat der Ministerpräsident die Rettungsmedaille des Landes Sachsen-Anhalt gestiftet.

Sie wird an Menschen verliehen, die unter Einsatz des eigenen Lebens Menschenleben gerettet oder eine der Allgemeinheit drohende erhebliche Gefahr abgewendet haben.

Ist eine Rettungstat ohne unmittelbare Lebensgefahr für den Retter ausgeführt worden, so erfolgt anstelle der Verleihung der Rettungsmedaille eine Öffentliche Belobigung.

Der Sohn einer Familie aus Wien hatte wegen eines Fieberkrampfes bei der Fahrt in einer Straßenbahn plötzlich aufgehört zu atmen. Hannes D. begann sofort mit einer Herzdruckmassage. Kurz darauf hatte der Säugling wieder Lebenszeichen gezeigt.

MDR (Hannes Leonard), dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 31. Januar 2023 | 06:30 Uhr

8 Kommentare

Anita L. am 01.02.2023

Naja, Reuter4774, in einigen Lebensjahren erlebt man halt so einiges. Wobei ich schon sagen muss, dass ich auf diese spezielle Erfahrung auch hätte verzichten können. Nun werde ich jeden Tag auf meinem Arbeitsweg an diesen Menschen erinnert. Mit dem Münchhausensyndrom hat das nichts zu tun, aber vielleicht damit, dass wir beide uns ja auch nur dann "treffen", wenn wir etwas zu einem Thema zu sagen haben. Die übrige Zeit laufen wir uns selten über den Weg.

Reuter4774 am 01.02.2023

Nein das ist die Realität. Oder was glauben Sie welche Mitbürger genau Fahrerflucht begehen, an der Unfallstelle nur halten um zu Filmen, keine Zivilcourage haben und Gewalttäter in aller Öffentlichkeit erst ermöglichen? Wir hier in Deutschland sind das.

Anita L. am 31.01.2023

Nach einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin beginnen nur in 40 Prozent aller Fälle Laien mit der Reanimation.
Ich gehöre dazu. Als ich im November 2021 früh auf dem Arbeitsweg eine leblose Person auf der Wiese liegen sah, konnte ich auch nur den Notruf informieren. Obwohl ich meine Ersthelferausbildung erst aufgefrischt hatte, hat es mich geschüttelt, diese Person anzufassen. Sie sah so tot aus. Auch die später Hinzugekommenen trauten sich nicht. Am nächsten Tag bestätigte mir die Polizei, dass der Mensch tatsächlich schon tot gewesen sei und jede Hilfe zu spät gekommen wäre. Ich habe vor Erleichterung geheult.

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