Thomas Hawel, Leiter des Europa-Rosariums Sangerhausen 3 min
Thomas Hawel leitet das Europa-Rosarium in Sangerhausen, in dem eine neue Bewässerungsanlage installiert wird. Mehr dazu im Audio. Bildrechte: MDR/Cornelia Müller
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MDR SACHSEN-ANHALT Mi 22.05.2024 06:44Uhr 02:47 min

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Neue Technik Wie sich das Europa-Rosarium Sangerhausen fürs trockene Klima rüstet

23. Mai 2024, 05:00 Uhr

Das Europa-Rosarium in Sangerhausen gehört zu jenen Parks und Gärten in Deutschland, die als Modellprojekte zur Klimaanpassung Fördermittel vom Bund bekommen. Im Zuge dessen ensteht ein High-Tech-Bewässerungssystem für die größte Rosensammlung der Welt, das später sogar die Tröpfchengröße reguliert. Verwendet wird Brauchwasser aus einem Brunnensystem. Rosariumschef Thomas Hawel gibt Einblicke in die Bauarbeiten.

Die einstige Bergbaustadt Sangerhausen ist ein wahres Rosenparadies. Hier hat die Königin der Blumen eine Heimat – in der größten Rosensammlung der Welt, dem Europa-Rosarium Sangerhausen.

Heute werden auf 13 Hektar Gelände 8.600 Rosenarten und -sorten aus verschiedenen Zeitepochen und Ländern der Welt gezeigt. Die Pflanzen brauchen natürlich Wasser, viel Wasser. Das alte Bewässerungssystem stammt aus DDR-Zeiten, es wurde in den 1960er-Jahren gebaut, so Thomas Hawel, Chef des Rosariums.

Neues Bewässerungssystem Rosarium Sangerhausen
Gräben für das neue Leitungssystem. Bildrechte: MDR/Cornelia Müller

Es hatte zu wenig Druck, es gab zu wenige Wasserentnahmestellen und so konnten die zum Teil sehr empfindlichen Rosen und Pflanzen nicht effektiv genug bewässert werden. Mit dem neuen Bewässerungsnetz will man im Rosarium nun auch auf die zunehmende Trockenheit in der Region Mansfeld-Südharz reagieren.

High-Tech zwischen Rosenbeeten

Zwischen den Beeten sehen Besucher derzeit ausgehobene Gräben an den Rosenbeeten. Hier werden die Leitungen für das neue Hightech-Bewässerungssystem verlegt. Das ist in viele kleine Bewässerungsbereiche eingeteilt, wo immer ein Ventilkasten und mehrere Regner eingelassen sind. Die können später automatisch gesteuert werden.

Ventilkasten und Leitungen eines Bewässerungssystems
Ventilkasten und Leitungen des Bewässerungssystems. Bildrechte: MDR/Cornelia Müller

So können die Pflanzen unabhängig von Tages- und Nachtzeit beregnet werden. "Idealerweise in den frühen Morgenstunden, dass das Laub noch abtrocknen kann und so keine Pilzkrankheiten entstehen", erklärt Hawel. Auch unabhängig voneinander, je nach Bedarf, können die Beetflächen einzeln beregnet werden.

Das Besondere an der neuen Bewässerungsanlage: Verwendet wird kein wertvolles Trinkwasser, sondern Brauchwasser. Als Wasserquelle wird ein vorhandener Brunnen genutzt. So soll die wertvolle Ressource Wasser möglichst schonend verwendet werden. "Die Bewässerung ist auch so ausgerichtet, dass die Abwurfwinkel und die Tröpfchengröße genau definiert sind, dass wir wenig Wasserverluste haben", erklärt Thomas Hawel.

Rosarium Sangerhausen, Wegweiser zum ADR-Garten (ADR - Allgemeine Deutsche Rosenneuheitenprüfung) 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Handarbeit statt Baumaschinen

Die Bauarbeiten zum Verlegen der Leitungen sind nicht immer ganz einfach, denn der Rosengarten ist ein sensibles Fleckchen Erde. In der über 120-jährigen Geschichte haben sich die Gehölze entwickelt. Weil die Wasserleitungen zum Teil nah an den Beeten entlang verlaufen, müssen die Wurzeln geschützt und geschont werden. "Deshalb ist es manchmal notwendig, mit Hand zu schachten, also den Spaten in die Hand zu nehmen", sagt Hawel. Läuft alles nach Plan, soll das Bewässerungssystem im Sommer 2025 fertig sein und für wohlige Feuchtigkeit in den Rabatten sorgen.

Bauarbeiten für neues Bewässerungssystem
Planmäßig soll das Bewässerungssystem bis Sommer 2025 fertig sein. Bildrechte: MDR/Cornelia Müller

Was kostet das alles?

Die Umsetzung des Projekts ist nur mit Unterstützung aus Bundesfördermitteln möglich. Finanziert wird die Anlage mithilfe des Sonderprogramms "Förderung von Maßnahmen zur Klimaanpassung und Modernisierung in urbanen Räumen". Insgesamt sind Kosten von zwei Millionen Euro veranschlagt. Die Stadt Sangerhausen trägt zehn Prozent Eigenanteil, der Bund den Rest. Allein aus Mitteln der Kommune wäre ein solches Projekt nicht zu stemmen. Immerhin ist das Gelände in etwa so groß wie 18 Fußballfelder.

Austausch mit anderen Rosengärten

Die Arbeiten am Bewässerungssystem im Europa-Rosarium Sangerhausen werden mit Interesse verfolgt. Im Deutschen Rosarium Dortmund seien, so Hawel, ähnliche Arbeiten geplant, da würden die Sangerhäuser Rosenexperten die eigenen Erfahrungen gerne weitergeben. Der Ostdeutsche Rosengarten in Forst habe ebenfalls schon ein modernes Bewässerungssystem angeschafft. Die Trockenheit sei ein Problem, dass deutschlandweit die Parks beschäftigen wird, ist sich der Sangerhäuser Rosariumschef sicher.

Mehr zur Anpassung an den Klimawandel

Beregnungsanlage auf einem Ruebenfeld in Aktion Beregnung in Aktion an einem Sommerabend 4 min
Bildrechte: IMAGO/Martin Wagner

MDR (Cornelia Müller, Katharina Osterhammer, Lucas Riemer)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | MDR SACHSEN-ANHALT | 21. Mai 2024 | 18:40 Uhr

3 Kommentare

Eulenspiegel1 vor 3 Wochen

Hallo Britta
Ich denke alle Anpassung an den Klimawandel bringen langfristig nichts wenn wir nicht genügend gegen den selbst zu verantwortenden Klimawandel tun.
Dann wird dieser Klimawandel nämlich die gesamte Menschheit überrollen.

randdresdner vor 3 Wochen

Es ist gut, dass man sich darüber Gedanken macht uns sich versucht, für die Zukunft besser aufzustellen.
Ich denke aber, dass wir all die Maßnahmen, wo wir auf den Klimawandel reagieren, uns hätten sparen können, wenn wir uns rechtzeitig Gedanken über unseren Umgang mit unserer Natur und dem Planeten Gedanken hätten. Aber in den letzten Jahrzehnten und leider auch noch jetzt spielt der persönlich Profit und die private Bequemlichkeit eine viel größere Rolle als das gemeinschaftliche Gefühl.
Und so werden die Kosten von ein paar Million in Zukunft lächerlich erscheinen.

Britta.Weber vor 3 Wochen

Ein sehr gutes Beispiel für die Anpassung an den Klimawandel. Wir müssen Wissenschaft und Technik nutzen, um uns an die Veränderungen anzupassen. Das ist der richtige Weg. Hysterie und Klimakleben bringen nichts.

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