gelbe Müllsäcke liegen in der Innenstadt
Müllbeutelhaufen in der Innenstadt von Quedlinburg: Im Landkreis Harz hat jeder Einwohner 2020 durchschnittlich 490,1 Kilogramm Hausmüll produziert. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO / Steffen Schellhorn

Abfallentsorgung Fünf Fakten über den Müll in Sachsen-Anhalt

13. März 2022, 17:30 Uhr

Im ersten Jahr der Pandemie stieg der durchschnittliche Hausmüllverbrauch pro Einwohner in Sachsen-Anhalt an. Daten, die MDR SACHSEN-ANHALT ausgewertet hat, zeigen außerdem: Das Geschäft mit dem Müll wächst mit. Inzwischen wird beinahe die Hälfte des Abfalls, der in Sachsen-Anhalt entsorgt wird, aus anderen Bundesländern oder aus dem Ausland importiert. Für einen Schwerpunkt hat MDR SACHSEN-ANHALT die fünf spannendesten Fakten zum Müll in Sachsen-Anhalt notiert.

1. Das Hausmüllaufkommen pro Einwohner in Sachsen-Anhalt stieg im ersten Pandemiejahr an.

Das Hausmüllaufkommen pro Einwohner in Sachsen-Anhalt ist von 2008 bis 2020 gestiegen. Produzierte eine Person 2008 432,8 Kilogramm Hausmüll, betrug das durchschnittliche Hausmüllaufkommen pro Einwohner 2020 zum ersten Mal mehr als 470 Kilogramm. Ein Grund dafür könnte der zusätzliche Müll sein, der durch die Pandemie entstanden ist. Im Homeoffice haben sich viele Menschen ihr Essen in Einwegbehältern nach Hause bestellt, erklärte Peter Kurth vom Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft MDR AKTUELL. Ein weiterer Grund sei aber auch der größer werdende Verpackungsberg durch den Online-Handel.

Was zählt als Hausmüllaufkommen?

Zum Hausmüllaufkommen werden Hausmüll und Sperrmüll aus privaten Haushalten sowie hausmüllähnliche Gewerbeabfälle gezählt. Dazu kommen organische Abfälle, getrennt erfasste Wertstoffe und sonstige Abfälle. Gemessen wird das Müllvolumen, das durch die öffentliche Müllabfuhr eingesammelt wird.

Dass die Corona-Pandemie sich auf das Hausmüllaufkommen auswirkt, zeigt sich, wenn man sich die Zahlen in der jüngeren Vergangenheit ansieht: Während 2018 das Hausmüllaufkommen pro Person in Sachsen-Anhalt noch bei 450,2 Kilogramm pro Einwohner lag, betrug es im Jahr 2020 dagegen 473,6 Kilogramm. Die Daten für das Jahr 2021 werden Ende März 2022 veröffentlicht. Dann wird sich zeigen, ob sich der steigende Trend im zweiten Jahr der Pandemie fortgesetzt hat.

Deutschlandweit kann man in den Daten des Statistischen Bundesamtes eine ähnliche Entwicklung sehen: Lag der Hausmüllaufwand pro Kopf im Jahr 2018 noch bei 455 Kilogramm pro Einwohner, produzierte ein Einwohner in Deutschland 2020 durchschnittlich 476 Kilogramm.

2. In Stendal steigt das Hausmüllaufkommen pro Kopf, im Salzlandkreis reduzierte sich der Müllverbrauch.

Der Verbrauch der Landkreise entwickelte sich zwischen 2016 und 2019 unterschiedlich. Produzierten die Menschen in Stendal zum Beispiel immer mehr Hausmüll, reduzierte sich das Hausmüllvolumen pro Kopf im Salzlandkreis. Im ersten Jahr der Pandemie ist der Verbrauch pro Kopf aber bei allen Kreisen gestiegen.

Den geringsten Hausmüllverbrauch pro Kopf in Sachsen-Anhalt hatten seit 2016 die Kreise Salzwedel und Wittenberg. Im Jahr 2020 produzierte jede Einwohnerin und jeder Einwohner im Landkreis Salzwedel durchschnittlich 357 Kilogramm Hausmüll. Im Landkreis Anhalt-Bitterfeld verursachte jeder Einwohner durchschnittlich 586 Kilogramm Hausmüll, also knapp 40 Prozent mehr.

Laut dem Qualitätsbericht der zugrundeliegenden Bundesstatistik können für die unterschiedlich hohen Hausmüllwerte auf Kreisebene auch die regional unterschiedliche Organisation der öffentlich-rechtlichen Abfallentsorgung verantwortlich sein. So könnten die hausmüllähnlichen Gewerbeabfälle in unterschiedlichem Maße miteinberechnet worden sein. Ein anderer Grund könnte auch die kommunale Verfügbarkeit von Entsorgungsangeboten sein.

3. Der Hausmüllverbrauch pro Kopf in Sachsen-Anhalt liegt knapp unter dem Bundesdurchschnitt.

Im Jahr 2020 produzierte jede Person aus Sachsen-Anhalt durchschnittlich 474 Kilogramm Haushaltsabfall. Der Verbrauch liegt knapp unter dem bundesweiten Durchschnitt. Der betrug 2020 476 Kilogramm pro Einwohner.

4. Der Müll, der in Sachsen-Anhalt entsorgt wird, kommt nicht nur aus Sachsen-Anhalt.

Die Entsorgungsanlagen in Sachsen-Anhalt verarbeiteten 2019 mehr als 15 Millionen Tonnen Müll. Dazu kommen noch das Müllvolumen von Bauschuttrecyclinganlagen, betriebseigene Abfälle und der Anteil von Deponien in der Stilllegungsphase. Mehr als die Hälfte der Menge, des in den Anlagen verarbeiteten Mülls, stammte aus Sachsen-Anhalt, 48 Prozent aus anderen Bundesländern oder aus dem Ausland.

Die größte Müllverbrennungsanlage in Sachsen-Anhalt, das Müllheizkraftwerk Rothensee in Magdeburg, verbrennt nach eigenen Angaben pro Jahr 650.000 Tonnen Müll. Die Verbrennungsanlage in Bernburg, betrieben von der ProZero Energy GmbH, verarbeitete 2021 448.678 Tonnen Müll. Seit 2007 hat sich das Verbrennungsvolumen der Anlage um sieben Prozent vergrößert.

Insgesamt gab es 2019 426 Entsorgungsanlagen in Sachsen-Anhalt. Von 2017 auf 2018 nahm die Anzahl der biologischen Anlagen, der Demontagebetriebe für Altfahrzeuge und der Sortieranlagen für Elektronikgeräte ab. Die Anzahl der Deponien, Verbrennungs- und chemisch und physikalische Behandlungsanlagen blieb von 2017 bis 2018 dagegen konstant. 2019 wurden acht zusätzliche Mülldeponien und sechs biologischen Behandlungsanlagen eröffnet.

Von dem gesamten Müll, der in Deutschland entsorgt wird, übernimmt Sachsen-Anhalt sieben Prozent. Mit Bauschuttrecyclinganlagen, betriebseigenen Abfällen und dem Anteil von Deponien in der Stilllegungsphase beträgt das Gesamtentsorgungsvolumen in Sachsen-Anhalt 30 Millionen Tonnen. Der Anteil aus dem Ausland ist dabei sehr gering und betrug 2019 nur 1,6 Prozent. Noch mehr Müll entsorgen Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen. Verrechnet man allerdings die Gesamtentsorgungsmenge mit den Einwohnerzahlen der einzelnen Länder, entsorgt Sachsen-Anhalt pro Einwohner den meisten Müll.

5. Die Abfallwirtschaft ist ein Milliardengeschäft.

Das Statistische Landesamt in Halle berechnete den Umsatz des Wirtschaftszweigs "Abfallversorgung" in Sachsen-Anhalt 2019 auf 1,12 Milliarden Euro. Für den Wert wurden die Umsätze von Unternehmen der Abfallsammlung, -behandlung, -beseitigung sowie Rückgewinnung zusammengerechnet.

Da das Statistische Landesamt die Berechnungsmethode der Umsatzwerte geändert hat, kann man die Jahreswerte der Vorjahre nicht mit den Umsätzen von 2018 und 2019 vergleichen.

Die Industrieumsätze für die Jahre 2020 und 2021 liegen dem Statistischen Landesamt noch nicht vor. Auf Anfrage des MDR teilten einzelne Abfallunternehmen in Sachsen-Anhalt mit, dass eine Veröffentlichung der aktuellen Umsatzwerte aus Wettbewerbsgründen nicht möglich ist.

Mehr zum Thema: Müll-Land Sachsen-Anhalt

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Fr 04.02.2022 16:16Uhr 00:47 min

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MDR (Alexandra Ketterer)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 13. März 2022 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

geradeaus am 14.03.2022

Interessanter Artikel, toll recherchiert. Auch mit den Grafiken. Die liebe ich immer, egal bei welchem Thema.

Müll ist schon längst zu einem riesen Problem geworden. Es muss bei der Lebensmittelverpackung schnell ein Umdenken kommen. Wenn ich mir anschaue wie Süßigkeiten verpackt sind, Pralinen zB. Jede Einzelne ist umhüllt in Plastik. Und alle zusammen sind natürlich auch nochmal in 1 großen Tüte. Kopfschüttel. Bei Taschentücher dasselbe. Außer 1 Marke, welche ich seit paar Monaten nutze. Da sind 100 Tücher in 1 Verpackung und nicht 10x10 jeweils in 1 und alle nochmal in 1 großen. Gibts u.a bei Edeka "Naturliebe Recycling Taschentücher".

Ich versuche seit längerem soviel Plastik zu sparen wo es geht. Wenn ich einkaufe zB beim Bäcker habe ich mehrere TupperBoxen dabei, für Kuchen etc. Das kommt auch überall gut an. Klar ich will jetzt nicht der Weltverbesserer sein. Insgesamt mache ich auch noch ne Menge Müll, das steht fest. Jedoch ist es ein Anfang. Und wenn da alle mitziehen...

geradeaus am 14.03.2022

Ja es ist erschreckend wieviel Müll in der Natur landet. Vor allem in den Ozeanen. Es ist mal geschätzt worden das täglich soviel Müll im Meer landet das man damit das Empire State Building komplett befüllen könnte, wenn es hohl wäre :(((

Steffen 1978 am 13.03.2022

Man siehe sich im Landkreis MSH Welfesholz an da sieht man wie das Milliarden Geschäft mit Müll läuft man verteile ihn in der Natur und niemand interessiert es

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