Nationalpark Harz Feuerwehr übt nach Waldbrand scharfe Kritik

Nach dem jüngsten Waldbrand im Harz hat der Landesfeuerwehrverband gefordert, bestehende Schwächen bei der Feuerbekämpfung schnellstmöglich abzustellen. Unter anderem Brandschneisen und eine bessere Löschwasserversorgung sollen künftig helfen.

Rauch steigt aus dem Einsatzgebiet am Brocken auf.
Erst am Wochenende war der Waldbrand im Nationalpark Harz gelöscht worden – nun hat der Landesfeuerwehrverband Forderungen aufgestellt. Bildrechte: dpa

Nach dem verheerenden Waldbrand im Harz haben Feuerwehr und Landrat auf bessere Konzepte zur Bekämpfung von Bränden in Sachsen-Anhalt gedrungen. Der Chef der Landesfeuerwehr, Kai-Uwe Lohse, und der Harzer Landrat Thomas Balcerowski (CDU) sprachen von Versäumnissen, die es schleunigst zu beheben gelte. Der jüngste Großbrand im Harz habe erneut die Schwächen bei der Bekämpfung von Feuern offengelegt.

Löschwasserversorung zum Teil mangelhaft

Landesfeuerwehrchef Lohse stellte am Montag einen Katalog von Forderungen vor: So müssten Schneisen und befahrbare Wege in brandgefährdeten Gebieten angelegt werden. Eine Brandschneise ist ein mehrere Meter breiter, gerodeter Streifen, durch den ein Ausbreiten des Brandes verhindert werden soll. Auch das frühe Erkennen von Bränden mit Kameras und Sensoren müsse verbessert werden, erklärte der Feuerwehrchef.

Kai-Uwe Lohse, Landesfeuerwehrverband Sachsen-Anhalt
Der Chef des Landesfeuerwehrverbands Sachsen-Anhalt, Kai-Uwe Lohse Bildrechte: dpa

Zudem kritisierte der Verbandschef auch eine teils mangelhafte Versorgung mit Löschwasser. Er könne nicht verstehen, warum so wenig getan wurde in den vergangenen Jahren, sagte Lohse. "Wir stehen hier auf der Stelle." Vergangene Woche waren am Brocken etwa 160 Hektar Wald abgebrannt. Die Brandbekämpfung mit mehr als 1.800 Einsatzkräften dauerte mehr als eine Woche. Insgesamt waren elf Löschhubschrauber, zwei Löschflugzeuge und zwei Drohnen beteiligt. Drei Millionen Liter Wasser wurden laut Lohse pro Tag verbraucht. Die Kosten hätten bei etwa 800.000 Euro pro Tag gelegen.

Streit ums Totholz im Nationalpark Harz

Landrat Thomas Balcerowski (CDU) erklärte, der Steuerzahler frage zurecht, warum Brände in einer solchen Größenordnung entstehen könnten. Er betonte, dass der Tourismus für die Region entscheidend sei und die Sicherheit vor Ort gewährleistet werden müsste. Auch die Debatte um mögliche Löschflugzeuge geht in die nächste Runde. Am Wochenende hatten die Innenministerien der drei mitteldeutschen Länder erklärt, keine eigenen LFZ anschaffen zu wollen. Das letzte Wort ist hier allerdings noch nicht gesprochen, hieß es.

Bei dem Brand waren die Einsatzkräfte unter anderem von zwei Löschflugzeugen aus Italien unterstützt worden. Erst am Samstagabend gab der Feuerwehrleiter der Stadt Wernigerode das Signal "Feuer aus". Zuletzt hatte Sachsen-Anhalts Wirtschafts- und Forstminister Sven Schulze (CDU) eine Reform des Nationalpark-Konzepts im Harz angemahnt. Hintergrund ist der Streit um das Totholz, das als möglicher Brandbeschleuniger gilt.

Mehr zum Waldbrand im Harz

dpa/MDR (Elke Kürschner, Martin Naß, Felix Fahnert)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 12. September 2022 | 17:00 Uhr

1 Kommentar

Sachse14442 vor 10 Wochen

Endlich den Wald aufräumen anstatt sich als Faulenzer feiern lassen!

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